Neun Monate auf Umwegen nach Berlichingen

Schöntal  Der Hohenlohekreis saniert die marode Jagstbrücke und ein Stück Ortsdurchfahrt. Die Gemeinde Schöntal nutzt die Gelegenheit und erneuert Abwasserkanäle. Bis Jahresende sollen alle Arbeiten fertig sein.

Von Barbara Griesinger

Email

Die Berlichinger Jagstbrücke spannt sich seit 1985 in zwei Bögen über den Fluss und muss nun zum ersten Mal saniert werden. Fotos: Barbara Griesinger

Der Berlichinger Brückengeschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, wird in diesem Jahr ein neues Kapitel hinzugefügt: Die Stahlverbundbrücke, die sich seit 1985 in zwei Bögen über die Jagst und den Berlichinger Jagstkanal schwingt, wird zum ersten Mal seit ihrer Fertigstellung saniert.

Erhebliche Schäden festgestellt

Nachdem sie fast 36 Jahre den Schöntaler Teilort mit der Jagsttalstraße verbindet, wurden bei der letzten Brückenhauptprüfung "erhebliche Schäden festgestellt, die die Tragfähigkeit, Gebrauchsfähigkeit und Dauerhaftigkeit beeinträchtigen", lässt die Presseabteilung des Landratsamts Hohenlohekreis auf Anfrage der Hohenloher Zeitung wissen.

Vor allem die Lager an den Brückenenden seien stark korrodiert und zum Teil angerissen. Sie sind dafür ausgelegt, sowohl Lasten aus dem Bauwerk aufzunehmen, als auch minimale Bewegungen der Baukonstruktion zu ermöglichen. "Ein Versagen der Lager hätte ein Absetzen der Brücke zur Folge. Daher ist eine Ertüchtigung dringend erforderlich", erklärt Sascha Sprenger, Pressesprecher des Hohenlohekreises. Die alten Brückenlager werden gegen moderne Verformungslager ausgetauscht.

Kleinere Sanierungsarbeiten sind auch an den Pfeilern, Stahlträgern, Widerlagern und Brückenkappen notwendig. Am Übergang zwischen Straße und Brücke werden neue wasserdichte Fahrbahnübergangskonstruktionen eingebaut, und die Fahrbahn erhält eine neue Decke. Mit rund 900.000 Euro wird diese Generalsanierung der Brücke, die für rund eine Million Mark errichtet wurde, wohl zu Buche schlagen.

Baustart im April geplant

Der Beginn der Arbeiten, die eigentlich schon im vergangenen Jahr in Angriff genommen werden sollten, ist im April geplant. Gerechnet wird mit einer rund sechsmonatigen Bauzeit, in der die Brücke für den Verkehr voll gesperrt ist.

Den Schöntaler Teilort erreicht man über eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke. Sie führt über die Jagsttalstraße nach Kloster Schöntal, die Honigsteige (K2322) hinauf und beim Neuhof rechts über die Kreisstraße K2321 sozusagen durch die Hintertür nach Berlichingen. Lediglich Fußgänger können die Brücke auch während der Baumaßnahmen weiterhin passieren.

Zufahrten zum Sportgelände gewährleistet

Die Zufahrten zu Grundstücken direkt bei der Brücke und aufs Sportgelände sind während der Bauzeit gewährleistet. Dies ist umso wichtiger, als der SV Berlichingen in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern will, das 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen ist. Mittlerweile hat der Verein für das Jubiläumswochenende vom 16. bis 18. Juli ein buntes Programm rund um den Fußball (Firmen-Fußballturnier um den LTI-Cup und Fußball-Junioren-Turnier U19) zusammengestellt. Unterhaltung im Festzelt und Festumzug inklusive.

Neun Monate auf Umwegen nach Berlichingen

Von der Brücke bis zur Sebastianskirche wird die Ortsdurchfahrt erneuert.

Die Bauarbeiten gehen in Berlichingen nach Abschluss der Brückensanierung aber noch weiter: Da die Ortsdurchfahrt eine Kreisstraße ist, sorgt der Landkreis auf dem etwa 300 Meter langen Abschnitt zwischen Brücke und Kirche St. Sebastian für eine neue Asphaltdecke.

Gemeinde saniert Abwasserkanäle

Diese Gelegenheit nutzt die Gemeinde Schöntal, um vor den Asphaltarbeiten schadhafte Abwasserkanäle im Untergrund der Straße zu sanieren. Ursprünglich sollten Brücke und Ortsdurchfahrt parallel saniert werden, doch aufgrund der Kanalarbeiten wäre dann eine Zufahrt zur Brücke von der Ortsseite aus nicht möglich gewesen. Deshalb geht man die beiden Sanierungsschritte nun hintereinander an.

Für die Gemeinde ist diese Gelegenheit besonders günstig, weil die neue Straßendecke, die die Ortsdurchfahrt nach Kanalsanierungen brauchen würde, dadurch auf die Rechnung des Kreises geht. Lediglich die Kanalarbeiten - 220.000 Euro sind dafür im Haushalt veranschlagt - gehen auf Kosten der finanziell geschwächten Gemeinde. Für die Berlichinger heißt dies zwar, geduldig zu sein und insgesamt neun Monate Umleitung zu fahren. Bis zum Jahresende 2021 hat der Ort dann aber eine von Grund auf sanierte Jagstbrücke und ein Stück erneuerte Ortsdurchfahrt.

Vereinbarung zwischen Kreis und Gemeinde

Um Synergieeffekte zu nutzen, führt die Gemeinde Schöntal die Deckensanierung der Ortsdurchfahrt und die Kanalsanierung gemeinsam mit dem Hohenlohekreis durch. Der Schöntaler Gemeinderat stimmte der Vereinbarung mit dem Landkreis einstimmig zu, die festlegt, dass der Hohenlohekreis für Planung und Baugrunduntersuchung der Straßendeckenerneuerung zuständig ist und die Kosten der gesamten Fahrbahndecke übernimmt.

Die Gemeinde ist für die Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung, Abrechnung und Vertragsabwicklung verantwortlich und erhält für diesen Verwaltungsaufwand samt Bauleitung einen Verwaltungskostenzuschlag. Außerdem beteiligt sich der Kreis an den Kosten für die Herstellung, Sanierung oder Erneuerung der Straßenentwässerung. 

 

Kommentar hinzufügen