Musikalische Liebeserklärung an die Heimat

Hohenlohe  Nach dem plötzlichen Tod von Songschreiber und Gitarrist "Boudsch", ist die neue CD "Landei" die wohl letzte der Hohenloher Kultband Annâweech.

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Zum letzten Mal auf der großen Bühne? Die Hohenloher Mundart-Band Annâweech hat auf ihrer frisch erschienenen CD "Landei" 20 neue Lieder zusammengetragen.

Foto: privat

Wie es weitergeht? "Wir wissen es nicht", sagt Frank "Molle" Winkler. Nach dem schweren Schicksalsschlag vor wenigen Wochen, dem überraschenden Tod von Gitarrist und Liederschreiber Peter "Boudsch" Botsch im Alter von nur 65 Jahren, haben die vier verbleibenden Musiker der Hohenloher Kult-Band Annâweech noch keine Entscheidung über die Zukunft getroffen.

Anfang nächsten Jahres werden sie sich zusammensetzen und darüber reden, "ob und wie" sie weitermachen können und wollen, kündigt Molle an. Ein bisschen Hoffnung schimmert bei aller Ungewissheit aus seinen Worten aber durch.

25-jähriges Bestehen von Trauer und Corona überschattet

Welch außergewöhnlicher Texter der Region mit Boudschs Tod verloren gegangen ist, beweist die neue und wohl letzte CD von Annâweech mühelos. Unter dem Titel "Landei" hat die Gruppe im Jahr ihres 25-jährigen Bestehens genau 20 Titel zusammengetragen, je zehn aus der Feder von Boudsch und Molle, die genau die Zutaten bieten, die so typisch für Annâweech sind: die unverhohlene, ungekünstelte Liebe zur Hohenloher Heimat, viel augenzwinkernder, manchmal auch etwas derberer Humor, der Mut zur schonungslosen Selbstironie und der Blick für die vermeintlich einfachen Themen, die eben genau deshalb viele Menschen bewegen.

Im Booklet würdigen Molle, Volker "Gassi" Gässler (Keyboard), Rolf "Frett" Schneider (Schlagzeug) und Harry "Harry" Weber (Bass) den verstorbenen Kollegen: "Er hat uns allen unzählige wundervolle Lieder geschenkt und wird in seinen Songs und unseren Herzen noch lange Zeit weiterleben." Deshalb wird aber noch lange nicht Trübsal geblasen, schließlich war die CD zum Zeitpunkt von Boudschs Tod praktisch fix und fertig im Kasten.

"Er war wirklich bis zum Schluss bei dem Album dabei", bekräftigt Molle. Auch die Corona-Pandemie wird ausgeklammert, obwohl sie Annâweech doch die Feierlichkeiten zur Silberhochzeit verdorben hat. Man habe beschlossen, die Scheibe "nicht mit diesem allgegenwärtigen und hoffentlich bald ausgestandenen Thema zu belasten", heißt es.

Unbeschwert und unterhaltsam

Das tut dem Album gut, es kommt unbeschwert und unterhaltsam daher, wie man es von Annâweech kennt. Das Lied "Männer", das nicht von ungefähr an den gleichnamigen Grönemeyer-Song erinnert, ist ein hervorragendes Beispiel für Boudschs Geschick mit den Worten zu spielen und eine Mundart-Geschichte zum Schmunzeln zu erzählen. "Männer" sei als Antwort auf Molles Lied vom "Frauâvêrschdehêr" (von "Friehêr wôr alles ...") geschrieben, heißt es im Begleittext, und der "Gegenentwurf für Männer".

Er sei weit davon entfernt, ein Frauenversteher zu sein, meint Boudsch: "Die Frauen wollen sowieso unverstanden bleiben." Deshalb hat er lauter Vorurteile über Männer im Text versammelt. Vorurteile? "Meine Schwiegertochter allerdings hat behauptet, das seien alles Tatsachen."

Boudschs Texte sind im CD-Booklet übrigens im Hohenloher Original abgedruckt, mit noch von ihm verfassten, hochdeutschen Erläuterungen dazu. Molles Texte dagegen sind komplett "übersetzt", so dass man zwar nicht so leicht mitsingen kann, aber auch die "Neigschmeckte" den tieferen Sinn verstehen.

Liebeserklärungen an Hohenlohe

Liebeserklärungen an die Heimat gibt es gleich mehrfach. Das geht mit dem Titelsong los: Molles "Landei" wäre zwar gern ein Superstar, stellt aber fest, dass Größenwahn noch keinem gutgetan hat. Und: "Hier bin ich zu Hause, hier kann ich sein, wie ich will."

Später, in Molles "Kreizle - Busch - Amerika", heißt es: "Einmal Hohenloher, immer Hohenloher." Boudsch besingt das "Kocherdôôl" und meint: "Wir sind so mit unserer Landschaft verwöhnt, dass es uns leider nicht mehr überall gefällt." Auch das Lied über die "A-segs" preist die Heimat.

Wem das zu sentimental wird, der darf sich "Die armâ Schwôôbâ" anhören. Da wird zum Ausgleich kräftig gegen die nicht immer geliebten Nachbarn ausgeteilt. Und natürlich gibt es noch viel, viel mehr zum Nachdenken, vor allem aber Schmunzeln, Grinsen und herzhaften Lachen. Wirklich die letzte CD? Schôôd wär"s.

Verkaufsstellen

Die neue Annâweech-CD "Landei" ist laut Mitteilung der Band in den folgenden Verkaufsstellen erhältlich: bei Tabakwaren Brückbauer in Künzelsau, in der Buchhandlung Rau in Öhringen, bei Foto Porst in Schwäbisch Hall und in allen Bageno-Filialen. Außerdem kann die Scheibe direkt bei der Band über die Homepage im Internet unter www.annaweech.de bestellt werden.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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