Mulfinger will bester Nachwuchsschreiner Deutschlands werden

Mulfingen  Felix Wilhelm krönt seine Ausbildung mit dem Kammer- und Landessieg im Schreinerhandwerk. Anfang November kämpft der 19-Jährige nun um die Deutsche Meisterschaft. Warum dabei seine Hose von besonderer Bedeutung ist, erzählt er unserer Redaktion.

Email

Felix Wilhelm in seinem Ausbildungsbetrieb, der Dörzbacher Schreinerei Reuter.

Foto: Tamara Ludwig

Seine Motivation ist simpel: "Ich baue gerne etwas", sagt Felix Wilhelm. Dass der 19-Jährige darin auch noch überaus talentiert ist, das weiß sein Chef Max Reuter schon lange.

Bereits als 14-Jähriger hat Felix Wilhelm sein einwöchiges Schulpraktikum in der Dörzbacher Schreinerei Reuter absolviert. "Es stellt sich schnell heraus, ob jemand interessiert ist und handwerkliches Geschick hat", sagt Reuter. Und der Schüler aus dem Mulfinger Weiler Hohenrot brachte beides mit. Kein Wunder, dass später ein Ausbildungsangebot folgte: "Es ist schließlich schwer, gute Mitarbeiter zu finden", erklärt Reuter.

 

Ehrgeiz ist geweckt

Spätestens seit Felix Wilhelm Kammersieger der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und schließlich Landessieger im Schreinerhandwerk wurde, ist das Talent des jungen Mannes auch über seinen Ausbildungsbetrieb und die Grenzen der Region hinaus sichtbar geworden. "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich gewinne", zeigt sich Wilhelm mit Blick auf den Landeswettbewerb bescheiden. Speziell vorbereitet habe er sich eigentlich nicht. Doch sein Ehrgeiz ist nun geweckt. "Die Chance hat man ja nur einmal", sagt er.

Als Vertreter Baden-Württembergs ist Wilhelm nun für die Deutsche Meisterschaft des Tischler- und Schreinerhandwerks qualifiziert. Diese findet vom 8. bis 10. November in den Werkstätten der Handwerkskammer in Trier statt. Dort muss Wilhelm sich dann mit den anderen Landessiegern messen. "Jetzt möchte ich schon gerne unter die Ersten kommen", sagt er. "Vielleicht übe ich dafür dieses Mal auch ein bisschen", sagt er schmunzelnd.

 

Ausgangspunkt für den Erfolg war zunächst seine Leistung in der praktischen Gesellenprüfung, dem Abschluss seiner Ausbildung. Hierfür hat Wilhelm ein modernes, dunkelgraues Sideboard gebaut. Auf seinem Smartphone zeigt er Bilder des Möbelstücks, das mit seiner matten Oberfläche edel wirkt. Statt mit Griffen öffnen die Schubladen und Klappfächer über Druckpunkte, erklärt Wilhelm. Links und rechts lassen sich Lautsprecherboxen ausfahren.

Unter Zeitdruck Möbelstück fertigen

Das Gesellenstück spielt für die Frage, wer den Bundessieg holt, allerdings keine Rolle. Denn bei den Wettbewerben muss der Schreinernachwuchs unter Zeitdruck ein vorher unbekanntes Möbelstück anhand einer Bauzeichnung fertigen. "Da braucht man eine schnelle und gute Auffassungsgabe", sagt Max Reuter, "aber die hat Felix." Außerdem gehöre neben genauem Arbeiten auch ein wenig Glück dazu.

 

Für Felix Wilhelm braucht es noch ein weiteres, wichtiges Utensil: seine Arbeitshose. Natürlich nicht aus Aberglaube oder optischen Gründen: "Bei meiner Hose weiß ich genau, wo ich was habe, da sitzen die Handgriffe", erklärt er. Eine hilfreiche Routine, bedenkt man Nervosität und Zeitdruck. Denn eigentlich bekommen die Wettbewerbsteilnehmer Outfits von den Sponsoren gestellt. Aber was, wenn es trotz eigener Hose nicht klappt? "Dann hat er tolle Erfahrungen gemacht", antwortet Max Reuter für seinen Schützling.

Spaß an der Arbeit hat Felix Wilhelm sowieso - egal ob Wettbewerb oder Betrieb. "Ich mag, dass der Beruf so abwechslungsreich ist", schwärmt er. So komme es vor, dass er vom Abladen der Materiallieferung bis zum fertigen Möbelstück oder Bauteil an allen Arbeitsschritten beteiligt ist. Auch die Präsentation der Arbeit vor den Kunden gehöre dazu. Das sei in kleineren Betrieben ein großer Vorteil.

Und wie stellt er sich seine Zukunft vor? "Ich möchte erst mal einige Zeit arbeiten und dann eventuell den Meister machen oder das Abitur nachholen und studieren", sagt Felix Wilhelm. Doch zuerst heißt es für den jungen Mann: Die Deutsche Meisterschaft nach Hohenlohe holen.

 

Felix Wilhelm kommt aus dem Mulfinger Weiler Hohenrot bei Jagstberg. Seine Familie besitzt dort einen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach seinem Schulabschluss an der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen begann der heute 19-Jährige seine Ausbildung bei der Schreinerei Reuter in Dörzbach. Bereits in vierter Generation hat man sich bei der Schreinerei Reuter dem Tischler- und Schreinerhandwerk verschrieben. Seit 2000 ist der Firmensitz Dörzbach, zuvor war das Unternehmen in Wachbach ansässig. Neben Seniorchef Anton Reuter sind inzwischen auch Max und Jan Reuter im Familienbetrieb tätig.


Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick.

Kommentar hinzufügen