Mit vollem Einsatz für die Natur beim Freiwilligen Ökologischen Jahr

Schöntal  Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr im Waldschulheim Kloster Schöntal warten vielfältige Aufgaben auf die jungen Menschen.

Von Andreas Scholz
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Janina Jansen und Corentin Belle absolvieren ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Waldschulheim Kloster Schöntal. Hier sind sie bei der Apfelernte.

Fotos: Andreas Scholz

Eine kurze Pause haben sich Janina Jansen und Corentin Belle redlich verdient. Seit dem Vormittag sind die beiden auf den Beinen und helfen kräftig bei der Obstlese in Neusaß mit. Viele Apfelbäume rund um die Wallfahrtskirche gehören ForstBW, die für die Betreuung des Staatswaldes im Land zuständig ist.

"Wir haben schon eine ganze Menge an Goldparmänen aufgeklaubt und auf den Hänger geladen", freut sich Jansen. Die junge Frau aus Möckmühl absolviert wie Corentin Belle seit September 2020 ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Waldschulheim Kloster Schöntal, das von ForstBW verwaltet wird.

"Nach dem Fachabitur kam in mir gleich der Wunsch nach einem freiwilligen Jahr im sozialen oder im ökologischen Bereich auf", erzählt sie. Letztlich sei ihr das FÖJ sinnvoller erschienen.

Neue Kultur und Sprache

Corentin Belle, der im französischen Département Jura groß geworden ist, dort sein "Baccalauréat" bestanden und anschließend Biologie in Besançon und Lille studiert hat, ist durch das Internet auf das FÖJ im Waldschulheim aufmerksam geworden. "Ich fand es spannend, mich auf eine neue Kultur und Sprache einzulassen. Mich interessieren auch die Unterschiede zwischen der französischen und deutschen Waldökologie", erklärt er.

Bei der Obstlese an einem wolkigen Herbsttag in Neusaß kommt dem großgewachsenen Hobby-Basketballer seine körperliche Statur entgegen. Mit dem Obsthaken lässt er die leuchtenden Äpfel reihenweise auf die Wiese purzeln. Unterstützt werden die beiden FÖJler bei der Obsternte von ihrem Anleiter Uli Oberhauser und dem Küchenteam des Waldschulheims.

Mit vereinten Kräften

Am Ende des Tages haben sie mit vereinten Kräften 1280 Kilo Äpfel gesammelt. "Die fahren wir noch zur Obstannahmestelle der BAGeno in Marlach und dann machen wir Feierabend", bekräftigt Belle, der von seinen Freunden nur "Coco" genannt wird. Zusammen mit einem dritten FÖJler, der gerade im Urlaub ist, bilden Coco und Janina Jansen eine Dreier-WG im Waldschulheim.

"Kost und Logis sind frei und wir bekommen dazu noch eine monatliche Aufwandsentschädigung", erklärt Jansen. Die Freizeitgestaltung in der Dreier-WG hat sich inzwischen eher vom Freien ins Innere verlagert.

"Als wir Anfang September unser Freiwilliges Ökologisches Jahr starteten, war das Wetter noch hochsommerlich. Da sind wir dann nach Feierabend zum Klostertor hinausgerannt und zur Badestelle an die Jagst", schwärmt Jansen. Jetzt im Herbst gebe es in der WG entspannte Fernseh- und Videoabende.

Großer Wissensdurst und viel Engagement

Während die Eltern von Janina Jansen schnell von Möckmühl vorbeikommen können, um gemeinsam mit ihrer Tochter essen zu gehen, lindert Corentin Belle das Heimweh ab und zu mit französischem Wein. "Ich habe ihm aber schon gesagt, dass es auch in unserer Region gute Weinbaugebiete gibt", sagt Uli Oberhauser lachend.

Mit vollem Einsatz für die Natur

Schutzbekleidung und Arbeitsgeräte lernen die FÖJler auch kennen: Hier posieren sie mit Geräten zum Mähen von Wiesen.

Der Anleiter freut sich über das starke Engagement und den großen Wissensdurst seiner FÖJler. Obwohl wegen Corona das Waldschulheim bis Februar keine Schulklassen mehr empfangen wird, gibt es viel zu tun. "Langweilig wird es ihnen hier sicher nicht. Im Wald wartet zu jeder Jahreszeit viel Arbeit", weiß Oberhauser. Nachdem die FÖJler vor ein paar Wochen Bucheckern und Eicheln zur Saatgutgewinnung gesammelt haben, die Wiesen gemäht sind und die Obsternte eingebracht ist, stehen in der kalten Jahreszeit ebenfalls spannende Aufgaben an.

Spannende Aufgaben zu jeder Jahreszeit

"Da bekommen wir in der Werkstatt einen tieferen Einblick in die Holzverarbeitung", freut sich Janina Jansen. "Wir werden insgesamt mindestens 10 000 Pflanzen in den geschädigten Wäldern einpflanzen und schützen, also bei der Wiederaufforstung helfen", ergänzt Corentin Belle.

Betreuung

Uli Oberhauser ist in Brackenheim aufgewachsen und leitet seit 16 Jahren das Waldschulheim im Kloster Schöntal. Der Forstexperte freut sich, dass er den FÖJlern die Komplexität des Ökosystems Wald näher bringen kann.

"Sie lernen schnell, dass es in unseren Wäldern neben Stieleichen auch stattliche Trauben-eichen gibt. Es ist mir auch wichtig, dass sie mehr über den Borkenkäfer erfahren, der sich aufgrund des Klimawandels auch in unseren Wäldern stärker ausbreitet". Auch kleinere Tutorials zu Themen wie "Bäume pflanzen", "Wuchshüllen anbringen" oder "kleine Bäume fällen" will Oberhauser in der Winterzeit mit den FÖJlern durchführen.

 

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