Luftbild von Ailringen ist das älteste Foto im Mulfinger Gemeindearchiv

Mulfingen  Ein Luftbild von Ailringen aus dem Jahr 1934 ist das älteste Bild, das sich im Archiv im Mulfinger Rathaus findet. Sicherlich gibt es im Privatbesitz einiger Bürger des heute drittgrößten Teilortes der Jagsttalgemeinde ältere Fotografien, die Luftaufnahme zeigt aber eindrucksvoll die damaligen Verhältnisse im Haufendorf an der Jagst.

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Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1934 zeigt die damals beengten Verhätnisse im Teilort Ailringen.

Fotos: privat

Auf dem Bild, das ein unbekannter Fotograf geschossen hat, thront das Wahrzeichen die 1621 erbaute Wehr-Pfarrkirche St. Martinus auf dem Berg hoch über Ailringen. Auch der Weg, der an der Lourdes-Grotte vorbei hinauf zur Kirche führt, ist auf dem Foto gut zu erkennen. Von dort schlängelt sich der sogenannte Eselspfad mitten durch die ehemaligen Weinberge hoch zu den Kirchäckern.

Sichtbar ist auch, auf welch engem Raum die Menschen 1934 in Ailringen lebten. Die Einwohner ballten sich förmlich im engen Ortskern am Rißbach rund um das historische Fachwerkrathaus aus dem Jahre 1578, vor dem heute noch der markante Marienbrunnen steht.

Einige Ailringer wanderten aus

Und während der Ort heute nur noch 480 Einwohner beherbergt, die auf einer bis zum Ufer der Jagst weit ausgedehnteren Fläche leben, beherbergte das Ailringen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts deutlich mehr Menschen. 1834 wurde mit 770 fast die doppelte Zahl der heutigen Einwohner gezählt. Doch schon Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Ailringer nach Amerika aus. Auch später gab es Abwanderung aus dem Dorf, das bis heute mainfränkisch geprägt ist und erst 1806 durch die Landreform des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte ins Königreich Württemberg eingegliedert wurde.

Zuvor sorgte der Deutschorden, der von 1525 bis 1809 eine bedeutende Residenz im benachbarten Bad Mergentheim betrieb, im 16. und 17. Jahrhundert für eine Blütezeit in Ailringen. Bis heute sind noch viele Zeugnisse des Ordens im Dorf zu sehen, allen voran das Alte Amtshaus aus dem 16. Jahrhundert, in dem heute ein Hotel untergebracht ist.

Neben Ackerbau spielte die Vieh- und Schafzucht eine Rolle

Deutlich sichtbar sind auf dem Luftbild auch die Felder und Obstbäume am Fluss sowie die bewirtschafteten Wälder am gegenüberliegenden Ufer der Jagst. Auch die Vieh- und Schafzucht spielte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Zur Ernährung trug auch der Fischreichtum in der unmittelbar am Ort vorbeifließenden Jagst bei. Auch der Weinbau, der schon im 15. Jahrhundert eine große Bedeutung erlangte, ist noch sichtbar. "Auch um 1970 gab es am Eselspfad noch einzelne Parzellen, auf denen Wein angebaut wurde", erinnert sich der langjährige Ortsvorsteher Bernhard Haag. Damit war es dann nach der Flurbereinigung, die die Gemarkung bis 1985 gewaltig veränderte, endgültig vorbei.

Beengte Verhältnisse im Haufendorf

In den vergangenen Jahren ist Ailringen in der Fläche deutlich gewachsen. Links ist die Wehr-Pfarrkirche zu sehen.

Um die Felder rund um das Dorf um 1930 zu bewirtschaften, waren "Fleiß, Sparsamkeit und religiöser Sinn der Einwohner nötig", wie im Heimatbuch der Gemeinde Mulfingen zu lesen ist. Dort werden auch die Ailringer charakterisiert: "Die Einwohner sind von mittelkräftigem Bau, besonders die Frauen sind von zarter Konstitution, aber zäh und ausdauernd bei der anstrengenden Arbeit, welche das bergige Terrain, das für den Ackerbau benützt wird, erheischt", heißt es in der Chronik.

Wer hart arbeitet, kann auch feiern

Dass die Bürger aber auch feiern können, zeigt der Verweis in der Chronik auf die Kärwe am 3. Sonntag im Oktober. "War die Ernte vorüber, dann hieß es wieder, es ist Kärwe in Ailringen – eine gewisse Auszeit, um sich von der harten Arbeit etwas zu erholen", steht dort geschrieben.

Dass die Ailringer auch feiern können, ist bis heute geblieben, wie vor allem das alljährliche Dorffest im Ortskern zeigt. Es gilt bei den zahlreichen Besuchern aus nah und fern als eines der schönsten Feste in ganz Hohenlohe.

 


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Februar 2016 bei der Stimme. Zuvor war der ehemalige Fußballer als Radioreporter und Magazinmacher unterwegs. Für die HZ berichtet er überwiegend über Künzelsau und Umgebung.

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