Kutschenweg wird fit für Radfahrer

Niedernhall  Der Niedernhaller Gemeinderat hat am Montagabend einstimmig beschlossen, den am Rand der Giebelheide gelegenen Kutschenweg, um einen Fuß- und Radweg zu ergänzen.

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Auf dem Kutschenweg entlang der Giebelheide ist mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen. Deshalb soll ein Fuß- und Radweg gebaut werden.

Foto: Armin Rößler

Die ebenfalls in der Sitzung vorgestellte Planung für einen Ausbau der kompletten Straße wollten weder Verwaltung noch Gemeinderat bereits jetzt angehen. Diese Baumaßnahme will man erst zu einem späteren Zeitpunkt umsetzen. Aktuell entstehen damit Kosten von voraussichtlich 150 000 Euro.

Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer

Hintergrund für die Überlegungen ist, dass durch das Neubaugebiet "Giebelheide 3" mit seinen rund 100 Bauplätzen der Auto- und Fußgängerverkehr ebenso wie der Busverkehr zunehmen wird und damit künftig von einem häufigeren Begegnungsverkehr auf dem aktuell 5,20 Meter breiten Kutschenweg auszugehen ist und man die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöhen will. Da die Fertigstellung des Baugebiets nach dem aktuellen Bauzeitenplan bis Ende des Jahres beziehungsweise spätestens im Frühjahr 2022 zu erwarten ist, sollte aus Sicht der Verwaltung auch der Fuß- und Radweg schon im kommenden Jahr "zügig" verwirklicht werden. Den dafür notwendigen Grunderwerb hat die Stadt laut Bürgermeister Achim Beck bereits durchgeführt. Mit einer Bebauung der ersten Grundstücke in der "Giebelheide 3" sei im Frühjahr 2022 zu rechnen.

Schon im Jahr 2016 hat das Kreistiefbauamt verschiedene Ausbauvarianten erstellt, die dessen Leiter Martin Müller jetzt dem Gemeinderat vorstellte. Der 2,50 Meter breite Fuß- und Radweg soll auf der nördlichen Seite der Straße (also zum Baugebiet hin) gebaut werden. Richtung Süden hat der Kutschenweg ein leichtes Gefälle, das laut Müller beibehalten werden soll, um das Oberflächenwasser auch weiter in den bestehenden Graben zu führen. Dieser Graben soll auch weiterhin vergleichsweise flach gehalten werden, damit die Zufahrt zu den landwirtschaftlich genutzten Grundstücken gut möglich bleibt.

Asphalt statt Schotter

Günstigste Lösung wäre laut Müller ein Schotterweg für geschätzte 82 000 Euro, teuerste ein asphaltierter Weg mit Randeinfassung (circa 170 000 Euro). Der Gemeinderat entschied sich für die goldene Mitte, einen asphaltierten Weg ohne Randeinfassung, mit geschätzten Kosten von 125 000 Euro. Der Weg werde sicher auch mit Kinderwagen, Rollatoren oder Inline-Skates befahren, so Bürgermeister Beck, deshalb sei das die beste Lösung. Einen Schotterweg dagegen müsse man "in zehn Jahren wieder neu machen". Rund 25 000 Euro soll ein Gehweg kosten, der aus der "Giebelheide 1" (beim Jugendhaus, hinter der Bushaltestelle in der Schöntaler Straße) auf den neuen Fuß- und Radweg führen wird.

Straße braucht komplett neuen Untergrund

Die Fahrstraße auf 600 Metern Länge auf sechs Meter zu verbreitern, würde nach Müllers Berechnung 435 000 Euro kosten, dazu kämen weitere etwa 70 000 Euro für die Verlegung des Entwässerungsgrabens. Die Straße werde komplett neu gebaut, "der alte Weg kommt raus", machte Müller deutlich. Ein komplett neuer Unterbau sei wegen der stärkeren Nutzung notwendig, "mit allem anderen handeln wir uns Schwierigkeiten ein". Um die Straße zu verbreitern werde man "drei Monate unter Vollsperrung" arbeiten müssen, schätzte Müller.

Bürgermeister Beck tendierte klar dazu, "erst den Fußweg zu machen". Der Zustand des Kutschenwegs sei "nicht so schlecht". Den könne man "noch fünf Jahre runterrutschten", so Beck, zumal es sicher drei Jahre dauern werde, bis die ersten Busse die "Giebelheide 3" ansteuern. Dem konnte sich der Gemeinderat anschließen.

Der Bürgermeister will zudem eine Förderung beim Land beantragen. Zwar werde man den Weg "gleichwohl bauen", doch Zuschüsse "wären toll". Kommt die Förderung will man den Weg auch jenseits der L1044 bis zum Wasserturm asphaltieren lassen.

Hintergrund: Förderprogramm

Mit seinem aktuellen Programm zur Förderung der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur will das Land Baden-Württemberg in den Jahren 2021 bis 2025 mehr als 500 Maßnahmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 490 Millionen Euro unterstützen.Das jährliche Fördervolumen wurde binnen drei Jahren von 18 auf 72 Millionen Euro vervierfacht. Seit Kurzem kann das Land außerdem auf das neue umfangreiche Förderprogramm des Bundes "Stadt und Land" zurückgreifen. Dadurch erhöhen sich die Förderquoten auf bis zu 90 Prozent. Allerdings müssen alle Maßnahmen, die auch mit Bundesmitteln gefördert werden, bereits bis 2023 umgesetzt werden.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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