Kronen adieu: Weinhoheiten treten ab

Hohenlohe  Die Hohenloher Weinhoheiten verabschieden sich nach zwei Amtsjahren. Ihre Nachfolgerinnen werden ausnahmsweise erst im Frühjahr 2022 gewählt.

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Gesang, Teil zwei: Der Gesangverein Criesbach umrahmte die Verabschiedung der Weinhoheiten mit einigen Liedern.

Landrat Matthias Neth wollte tatsächlich das eine oder andere Tränchen in den Augen der beiden jungen Damen gesehen haben. Die Wehmut war dann auch nicht zu leugnen, gleichzeitig ließ sich aber eine heitere Gelöstheit verspüren: Weinkönigin Marleen und ihre Prinzessin Mathea, vor dem Kronentausch im vergangenen Jahr noch in umgekehrter Funktion unterwegs, haben am Samstagabend an der Criesbacher Kelter ihre Kronen abgegeben.

Eine höchst ungewöhnliche Amtszeit

Dass sie zwei Jahre im Amt waren, ist so ungewöhnlich wie vieles an ihrer Amtszeit, mit der sie gleich mehrfach Geschichte schrieben: das identische Dirndl am Wahlabend, Punktgleichheit und Losentscheid, Corona, der Kronentausch und das zweite Amtsjahr. "Jetzt sind sie tatsächlich vorbei, unsere zwei besonderen Jahre als 46. und 47. Hohenloher Weinkönigin", sagte Mathea und betonte die Freundschaft, die zwischen ihnen entstanden ist. "Nächstes Jahr werden wir in der Jury dabei sein", kündigte Marleen an. Denn auch das ist eine weitere Besonderheit: Bis zum Frühjahr 2022 bleibt das Amt verwaist, erst dann sollen die Nachfolgerinnen gewählt werden.

Das Beste aus der Situation gemacht

"Sie sind wirklich miteinander ein Team geworden", bescheinigte Landrat Matthias Neth in seinem Grußwort. "Sie haben ihr eigenes Motto gefunden: das Beste aus der Situation machen." Das hätten die beiden "unglaublich lustig und charmant" geschafft, seien zudem an ihrer Aufgabe gereift und gewachsen. "Bleiben Sie so, wie Sie sind", sagte der Hausherr, Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer. Er habe schon am kuriosen Wahlabend gedacht: "Die haben beide die goldene Krone verdient." Dass es später tatsächlich zum Kronentausch gekommen sei, "dafür zolle ich Ihnen höchsten Respekt". Eberhard Brand, Geschäftsführer der Weinkellerei Hohenlohe, dankte einem "tollen Team", das seine Aufgaben "hervorragend gemeistert" habe, für "euren großartigen Einsatz für den Wein und die Genießerregion Hohenlohe." Christian Kress dankte für den Landfrauenverein und den Gesangverein Criesbach, der die Feierstunde mit einigen Liedenr umrahmte, "dass ihr den Hohenloher Wein und die Region so schön präsentiert habt".

Kronen adieu

Gesang, Teil eins: Die drei "Chefs vom Kochertal", Michael Foss, Rainer Züfle und Achim Beck (v.li.), sorgten mit ihrer Einlage für Unterhaltung.

Überraschungsgäste am Nachmittag

Das Betreuerinnenteam mit Carolin Mark, Silke Amann, Verena Ruck, Renate Gysin, Isabel Hütter, Franziska Leitz und Anna Schleicher hatte für die scheidenden Weinhoheiten, ihre Familien und Freunde einen ganz besonderen Nachmittag vorbereitet. Doch die vorgesehene Planwagenfahrt durch die Weinberge mit vier Stationen an markanten Punkten samt Überraschungsgästen fiel angesichts des Dauerregens buchstäblich ins Wasser. Also kamen die zahlreichen Akteure der einzelnen Stationen nacheinander zu den Hoheiten an die Kelter und brachten neben je zwei Weinen und Häppchen auch viel Humor und bunte Unterhaltung mit.

Kronen adieu

Das Ende einer ganz besonderen Regentschaft: Weinkönigin Marleen (li.) und Prinzessin Mathea legen die Kronen ab. Ihre Nachfolgerinnen sollen erst im kommenden Frühjahr gewählt werden.

Fotos: Armin Rößler

Weinfass, Akkordeon und Albernheiten

Den Anfang machten die Kollegen von Mathea Weinstock, die ihr unter anderem eine vom Landrat unterzeichnete Ernennungsurkunde zur "Weinkönigin des Landratsamts auf Lebenszeit" mitbrachten. Begleitet wurden sie von den drei "Chefs vom Kochertal", wie die Bürgermeister Michae

l Foss (Forchtenberg), Rainer Züfle (Weißbach) und Achim Beck (Niedernhall) singend zur Melodie von "Anton aus Tirol" wissen ließen. Das Trio fuhr mit dem Traktor vor und knüpfte mit Weinfass, Akkordeon und Albernheiten an die jüngsten Weinproben an, die in den drei Kommunen über die Bühne gegangen waren.

Vom kniffligen Quiz bis zur Sporteinlage

Lustig blieb es auch beim Besuch der Kollegen von Marleen Häfele aus der Weinkellerei Hohenlohe. Die Väter der Weinhoheiten traten im kniffligen Quiz gegen sie an und behielten am Ende knapp die Oberhand. Vom Posaunenchor Schwabbach gab es musikalische Grüße, bei den letzten Stücken durfte auch Mathea am Tenorh

orn mitwirken. Und schließlich wurde es sportlich: Die Volleyballer der TSG Bretzfeld-Rappach, bei denen Marleen aktiv ist, forderten die Hoheiten zum Match. Das endete dank kleiner regeltechnischer Zugeständnisse mit einem überraschenden Sieg für Königin und Prinzessin - passend zu einem gelungenen letzten Tag im Amt.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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