Kontaminierter Boden sorgt für Diskussion im Künzelsauer Rat

Künzelsau  Der Boden auf dem ehemaligen Stahl-Areal ist stark kontaminiert. Aushub und Entsorgung würden etwa eine Million Euro kosten. Deshalb spekuliert die Stadt Künzelsau auf den Neubau des Landratsamtes an dieser Stelle und beschließt eine Übergangslösung.

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Auf der Fläche zwischen Kaufland und den derzeitigen Gebäuden des Landratsamts in Künzelsau war früher die Firma Stahl ansässig. Teile des Untergrunds sind mit Schadstoffen belastet, die das Grundwasser verunreinigen.

Foto:Archiv/ Reichert

Der Boden des Künzelsauer Bergstraßen-Areals ist in Teilen verunreinigt. Altlasten, die die Stadt bereits 2003 miterworben hat, als der Kaufvertrag mit der früher dort ansässigen Firma Stahl abgeschlossen wurde. Nicht unwissentlich, wie Bürgermeister Stefan Neumann im Gemeinderat betont: "Wir haben das Gelände erheblich unter Wert erstanden, wegen der Altlasten", sagt er. Doch Untersuchungen haben nun eine weit größere Belastung des Bodens bestätigt als angenommen.

Von Dimensionen schockiert

"Das Ergebnis war schockierend, da man bisher nie von solchen Dimensionen ausgegangen war", heißt es dazu in den Sitzungsunterlagen des Gemeinderats. Für eine Sanierung müsste demnach das Gelände bis in acht Meter Tiefe und auf einer Fläche von 813 Quadratmetern ausgehoben werden. Das bedeutet einerseits belastetes Material von mehr als 6500 Kubikmetern, das entsorgt werden muss, andererseits etwa eine Million Euro an Kosten.

Günstiger wäre, könnte man die Arbeiten mit dem Bau des Landratsamts, das eigentlich auf dem Gelände entstehen soll, verbinden. "Aber selbst wenn der Kreistag beschließt, wir bauen das Landratsamt, dann startet der Bau ja nicht sofort", erklärt Neumann.

Lösung auf Zeit

Deshalb schlagen die beauftragten Experten von CDM Smith Consult und die Verwaltung als Übergangslösung eine sogenannte hydraulische Abstromsicherung vor. Dabei soll das aus zwei Sanierungsbrunnen geförderte Wasser in einem Container über Aktivkohlefilter gereinigt und letztlich in die Kanalisation geleitet werden. Diese Maßnahme ist mit rund 80.000 Euro deutlich günstiger als eine umfangreiche Sanierung.

Das beinhaltet allerdings nur die "Durchführung der Sicherungsmaßnahme für die Dauer eines Jahres", heißt es in der Sitzungsvorlage. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt die Stadtverwaltung, dass weitere jährliche Kosten von 25.000 Euro anfallen. Auf die Frage, wie lange diese Übergangslösung hält, erklärt die Stadt: Erfahrungsgemäß seien nach fünf bis sieben Jahren umfangreichere Erneuerungsarbeiten nötig. Deshalb sei es nach spätestens fünf Jahren ratsam, die Übergangslösung durch den Aushub abzulösen.

Streit im Ratsrund

Das Ganze sorgt für eine Kontroverse unter den Räten. Boris d'Angelo (UBK) fragt sich, ob es nicht besser sei, die Altlasten unberührt zu lassen, da sie sonst vielleicht "erst recht ins Grundwasser gelangen". Das verneint der Bürgermeister: "Wir können das nicht liegenlassen." Es habe sich gezeigt, dass vom Gelände bereits Verunreinigungen das Grundwasser belasten, wie Peter Bauer von CDM Smith Consult bestätigt.

Das veranlasst Erhard Demuth (SPD/Grüne) zu der Frage, ob eine oberflächliche Lösung tatsächlich zielführend sei. Hans-Jürgen Saknus (SPD/Grüne) ärgert sich, dass man das zu lange habe liegen lassen und die Entsorgung vor Jahren sicher günstiger gewesen wäre. Das bestätigt Neumann, verweist aber auf den damaligen Kenntnisstand.

"Haben wir da jetzt 16 Jahre zugeschaut, wie das Grundwasser kontaminiert wird? Das geht doch nicht, da wurde gepennt", sagt Wolfgang Schmelzle (FfK), sichtlich in Rage. Teils lautstark werfen einige Räte inzwischen denjenigen, die beim damaligen Kauf des Areals mitgewirkt haben, Versäumnisse vor. Die wiederum wehren sich vehement und betonen ihr verantwortungsvolles Handeln und die städtebauliche Bedeutung des Areals.

Ein Machtwort des Bürgermeisters bringt die Diskussion zurück auf die Sachebene: "Wir müssen im Umgang miteinander auf dem Boden bleiben und uns nicht persönlich angreifen. Wenn Sie das auf der Straße machen, ist das Ihr Ding, aber hier nicht."

Bei drei Gegenstimmen entscheiden sich die Räte letztlich für die Übergangslösung. Baubeginn soll noch in diesem Herbst sein.


Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick. 

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