Karateschule in Krautheim kämpft hart mit Corona

Krautheim  Thorsten Filser und seine Karateschüler trainieren mit Abstand. Partnerübungen sind zwar nicht erlaubt, dafür powern sich die Mädchen und Jungen mit Haken, Schlägen und Tritten aus.

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Der Spaß an der Bewegung ist beim Karateteam Filser das wichtigste Gesetz. Thorsten Filser und seine Karateschüler trainieren wieder, aber mit Abstand.

Foto: Nadine Nowara

Was ist das wichtigste Gesetz?" fragt Karatelehrer Thorsten Filser in die Runde. Die Antwort: "Spaß haben." Was auch noch wichtig ist, ist der japanische Kampfschrei: Mit "Ki" holt man sich die Energie und dabei tief Luft. Mit "Ai" atmet man laut aus. Mit viel Tempo und Energie bringt Filser seine Schülerinnen und Schüler in Bewegung. "Karate ist ein Ganzkörpertraining", betont er. "Es stärkt die Muskulatur, trainiert die Atmung und auch die Abwehr." Karate ist nunmehr seit 32 Jahren seine große Leidenschaft. Sein Ziel: "Die Kinder vom Sofa runterbringen."

Der gelernte Industriekaufmann und staatlich geprüfte Vermögensberater hat 2011 sein Hobby zum Beruf gemacht. Mittlerweile hat Filser nicht nur seinen Karate-Schulstandort in der Eduard-Knoll-Straße 17 in Krautheim, an mehreren Orten im Umkreis bieten der Schwarzgurtträger und sein Team Kurse überwiegend für Kinder an. Denn die Kids zu trainieren, bereitet dem Westernhäuser besonders Freude. "Wenn sie einen neuen Gürtel bekommen, sieht man das Glänzen in den Augen vor Stolz", sagt er.

In der Coronazeit ist beim Karateteam Filser jedoch so manches anders. Im April durfte gar nicht trainiert werden. So stellten Thorsten Filser und seine Mitarbeiter Videos online, mit denen die Mädchen und Jungen üben konnten. Manche schicken auch Videos zurück. So kann Filser die Fortschritte seiner Schüler sehen. Eigentlich ist im Training immer ein Hauptlehrer und eine Assistenz dabei. Zurzeit arbeitet jedoch nur der Chef Vollzeit. Seine zwei hauptberuflichen Angestellten sind teilweise in Kurzarbeit. Die zwölf Minijobber inklusive Sekretärin hat er beurlaubt. "Ich habe aber viel mehr Arbeit", sagt Filser. Unterm Strich blieben ihm aktuell null Einnahmen. "Die Eltern mussten in der Zeit, in der kein Unterricht stattfand, keine Beiträge zahlen", betont er. Die Mietkosten sind aber weitergelaufen. Manche Schüler seien auch wegen der Coronakrise abgesprungen, da die Vorgaben sie abgeschreckt hätten. "Die Soforthilfe ist zwar eine super Sache. Sie deckt aber nur die Betriebskosten. Bei den Selbstständigen kommen noch die Lebenshaltungskosten dazu", gibt der 46-Jährige zu Bedenken.

Anfänger und Fortgeschrittene trainieren miteinander

Neun Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren sind an diesem Abend zum Unterricht gekommen. Trainiert wird in Altersgruppen. So üben Schüler mit unterschiedlichen Gürteln, sprich unterschiedlicher Erfahrung, miteinander. "Fortgeschrittene und Anfänger können voneinander lernen", betont Filser. Nacheinander betreten die Kinder den Raum. Der Karatelehrer hakt die Namen auf seiner Liste ab. Wer sich nicht online registriert hat, darf nicht rein. Auch Eltern dürfen nicht zuschauen. Denn in der Coronazeit gelten beim Sport strenge Regeln. "Die Schüler bleiben während des Trainings an ihrem Mattenplatz. Der Zwei-Meter-Abstand wird eingehalten. Die Gruppen sind kleiner. Wir machen keine Partnerübungen", listet der Trainer auf. Die Umkleidekabinen sind geschlossen. Die Schüler kommen bereits im Anzug. Nach den Kursen wird desinfiziert. Deswegen musste Filser die Unterrichtseinheit um eine Viertelstunde kürzen.

Neben dem sportlichen Aspekt möchte Thorsten Filser die Persönlichkeit der Kinder stärken. Auch andere Themen, wie etwa Sicherheit im Internet, kommen zur Sprache. Dann geht es zur Sache: Schläge, Tritte, Haken schlagen, die Abwehr üben, Blocken, Sprungkicks hoch in die Luft - das volle Programm. Doch: Jeder für sich, alleine auf seiner Matte. Und wie finden die Schüler das Training? "Es macht Spaß. Ich habe mich gefreut, als es wieder losgegangen ist", sagt die zwölfjährige Felicitas. Auch der 14-jährige Lars freut sich, dass er wieder zum Training darf und nicht nur zu Hause vor dem Bildschirm Übungen nachmachen kann.


Nadine Nowara

Nadine Nowara

Autorin

Nadine Nowara arbeitet seit Mai 2020 bei der Heilbronner Stimme. Sie kümmert sich bei der Hohenloher Zeitung unter anderem um die Gemeinden Krautheim und Schöntal.

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