Hohenlohe statt Hollywood

Schöntal  Seit Mai grüßt in Oberkessach ein besonderer Schriftzug vom Glockenberg. Um herauszufinden, was es mit "Keschi" auf sich hat, haben wir mit Moritz Knörzer, einem der Initiatoren, gesprochen.

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Einer Gruppe Oberkessacher haben in Anlehnung an den bekannten "Hollywood"-Schriftzug das Schild "Keschi" aufgestellt.

Foto: Tamara Ludwig

Weithin sichtbar thronen weiße Buchstaben am Oberkessacher Glockenberg: "Keschi" ist da zu lesen. Das Wort, mit dem die Oberkessacher ihren Heimatort liebevoll - und selbstverständlich in Mundart - abkürzen.

Ob nun künftig Heerscharen an Touristen in den Schöntaler Teilort pilgern und sich mit dem Schriftzug ablichten lassen, wie man das von den berühmten Hollywood-Lettern in Los Angeles kennt? "Ob es Heerscharen sind, weiß ich nicht", sagt Moritz Knörzer und lacht. Aber seit der Schriftzug stehe, seien immer wieder Menschen zu sehen, die dort anhalten.

Idee aus dem Jahr 2015 aufgegriffen

Als "positiven Ersten-Mai-Streich" bezeichnet Knörzer die Aktion, die er und seine sechs Mitstreiter Nicola Eckert, Philipp Salig, Daniel Knörzer, Philipp Schmidt, Matthias Schmidt und Julian Dolk umgesetzt haben. Bereits zum 1. Mai 2015 hatten junge Erwachsene, darunter auch drei der aktuellen Truppe, ein solches Schild aufgestellt: Aus Spanplatten und nur provisorisch befestigt. Etwa zwei Monate hatte das Ganze gehalten. Das Echo aus der Bevölkerung sei aber schon damals sehr positiv gewesen, berichtet Knörzer. Viele hätten die Kurzlebigkeit der Aktion bedauert.

Das soll jetzt anders werden. Auch wenn die konkreten Überlegungen erst knapp eine Woche vor dem 1. Mai dieses Jahres begonnen hatten, soll es dieses Mal ein Projekt "für die Ewigkeit" sein, sagt Knörzer. "Oder eben zumindest für einen längeren Zeitraum", ergänzt er und lacht.

Wetterbeständiges Material für die Ewigkeit

Der Grundstückseigentümer Jürgen Keilbach war sofort überzeugt und sagte seine Unterstützung und den Standort in exponierter Lage zu. Auch die Erbauer von 2015 halfen bei der Planung. Dann galt es, möglichst wetterbeständiges Material zu finden und daraus die Buchstaben zu fertigen. Hilfe bekamen sie von der AZO GmbH aus Osterburken. "Ein Kumpel von mir arbeitet dort", erklärt Knörzer, und die Firma sei sofort bereit gewesen, die 3,20 Meter hohen Buchstaben aus Aluminiumblech zu fertigen und für das Projekt zu spenden. Immerhin rund 800 Euro wären das gewesen. Damit war das größte Problem gelöst.

Mit weißem Lack besprüht und auf Stützbalken geschraubt mussten die Buchstaben in der Nacht zum 1. Mai nur noch transportiert und aufgestellt werden. Mit Hilfe eines Traktors, Taschenlampen und - natürlich - unter den erschwerten Corona-Abstandsbedingungen, erklärt Moritz Knörzer.

Der Gemeinschaft etwas zurückgeben

Aber warum überhaupt das Ganze? "Oberkessach hat eine starke Dorfgemeinschaft, ist eine Festlesortschaft mit vielen Vereinen", sagt Knörzer. Jetzt in der Corona-Zeit fehle das, und man habe etwas zurückgeben wollen. "Wir haben das nicht gemacht, weil wir zu Hause waren und uns langweilig war, sondern um etwas für unsere Ortschaft zu machen", betont er.

Und die lässt es sich nicht nehmen, dem Team für seinen Einsatz zu danken. Der Dorf- und Kulturverein sowie auch einige Privatleute hätten die Aktion bereits finanziell unterstützt. Die Kosten von insgesamt rund 1000 Euro seien dadurch gedeckt und für die weitere Unterhaltung sei auch bereits Geld zusammengekommen.

Ein Hinweisschild, das Ortsfremden die Aktion erklärt, stehe auch bereits. "Der Grundstücksbesitzer wird zudem noch eine Bank aufstellen", berichtet Knörzer. Und was ist für den 1. Mai 2021 geplant? "Keine Ahnung, aber die Messlatte liegt jetzt verdammt hoch."

 

Original in den USA
Der "Hollywood"-Schriftzug, der über dem gleichnamigen Stadtteil von Los Angeles in den USA thront, ist mit Buchstaben von etwa 14 Metern Höhe und insgesamt 137 Metern Länge etwas größer geraten als sein Vetter aus Oberkessach. Auch steht das Schild (sieht man von seinen zahlreichen Erneuerungen ab) schon seit den 1920er Jahren. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber: "Die Schriftart ist die gleiche", verrät Moritz Knörzer.


Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick. 

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