Glaube in etwas anderer Atmosphäre

Ingelfingen  Stille Kirche in Ingelfingen hat wieder ihre Pforten geöffnet. Sie lädt Besucher ein, Ruhe zu finden und Glaubensimpulse zu setzen.

Von Regina Koppenhöfer
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Die Organisatoren haben ein rund vier Meter langes Kanu ins Gotteshaus geschleppt und für die Stille Kirche in Szene gesetzt.

"Ich war auch schon früher mal bei der Stillen Kirche. Es ist immer eine gute Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, über seinen Glauben nachzudenken und neue Impulse zu bekommen." Manuela Weller ist gespannt, wie die Stille Kirche sich ihr in diesem Jahr präsentieren wird. Mit Töchterchen Johanna (2) und ihrer Schwester Bettina Kreß ist die Criesbacherin an diesem sonnigen Nachmittag in die Nikolauskirche in Ingelfingen gekommen. Hier hat ein Team von Ehrenamtlichen Stationen aufgebaut. Geschichten rund um die Bibel und das weite Thema Glauben wurden in Szene gesetzt.

Kanu in der Kirche

Manch einer wird wohl beim Kirchenbesuch ins Staunen geraten, denn die Organisatoren des Projekts haben sich einiges einfallen lassen. Dazu gehört ein rund vier Meter langes Kanu, das sie für die Stille Kirche in den Bereich hinter dem Altar geschleppt haben. Doch damit nicht genug: Im Chorraum dahinter hat das Mitarbeiterteam mit zahlreichen Spiegeln - runde und eckige, kleine und große, opulent verzierte und auch schlichte - ein Spiegelkabinett aufgebaut. Drinnen hängen Plakate, die Glaubensfragen stellen. "Bin ich das wirklich?" oder "Glaube ich, was ich sehe?", ist darauf zu lesen.

Kein Anfang und kein Ende

Die beiden Mitorganisatorinnen Iris Hettinger (links) und Annette Epple haben ihre Freude am Spiegelkabinett.

Fotos: Regina Koppenhöfer

Zehn Stationen hat das Mitarbeiterteam aufgebaut. Es gibt kleine, an denen nur das Foto einer sitzenden Figur zum Nachdenken anregen will. An anderen werden Geschichten in Bild und Text erzählt, wieder andere fordern zum Mitmachen auf. "Die Kinder sollen auch etwas tun", wünscht sich Iris Hettinger. Und dann gibt es auch noch einige ziemlich große Stationen: Hier trifft man auf das Kanu, auf einen Königsthron oder entdeckt sich selbst vielfach widergespiegelt.

"Es ist ein Angebot an die Menschen, gerade wenn es jetzt so heiß ist, hier in die Kirche zu gehen, Ruhe zu finden und Gott zu begegnen", erklärt Iris Hettinger das Projekt. Seit zehn Jahren gibt es die Stille Kirche im Sommer in Ingelfinger. Beim ersten Mal wurde sie anlässlich des Jahres der Stille durchgeführt. Eine Woche wurden die Installationen damals ausgestellt. Mittlerweile dauert die Aktion vier Wochen. Und sie wird gut angenommen, wie auch das ausgelegte Gästebuch zeigt. Viele Besucher haben sich schon darin eingetragen und ihren Dank und Grüße hinterlassen.

Positive Rückmeldungen

Kein Anfang und kein Ende

Manuela Weller und Töchterchen Johanna haben auf dem Königsthron Platz genommen. Nicht zum ersten Mal besucht die Criesbacherin die Stille Kirche.

"Wir hatten dieses Jahr so gute Ideen. Ich fand das erstaunlich", freut sich Annette Epple beim erneuten Gang durch die Kirche. Epple und Hettinger verraten, dass man vor einigen Wochen kurzzeitig sogar daran gedacht hatte, wegen Corona die Stille Kirche in diesem Sommer ausfallen zu lassen. "Aber ganz viele haben gesagt: Die Stille Kirche kommt so gut an, es würde was fehlen", weiß Epple.

Jetzt sind alle Stationen aufgebaut und die Organisatoren freuen sich, über die ersten positiven Rückmeldungen. Angesichts der rund ein Dutzend Stationen will die Reporterin dann aber doch noch wissen, wo der Besucher am besten mit seinem Rundgang startet. Fast symbolträchtig antwortet Iris Hettinger: "Die Stille Kirche hat keinen Anfang und kein Ende."


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