Drei Gründe für ein großes Fest

Künzelsau  Der Künzelsauer Teilort Nitzenhausen feiert in einem Aufwasch sein neues Feuerwehrauto, den Anbau ans Gerätehaus und den neu gestalteten Jugendraum. Grundlage dafür war großes ehrenamtliches Engagement.

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Feuerwehrmann Stefan Baier aus Amrichshausen schaut sich mit Lukas, Annika und Emma das neue Nitzenhäuser Feuerwehrfahrzeug an.

Fotos: Armin Rößler

Gleich drei Gründe gibt es für die Dorfgemeinschaft in Nitzenhausen, endlich mal wieder ein großes Fest zu feiern. Offiziell vorgestellt werden der Anbau ans Feuerwehrgerätehaus, das neue Feuerwehrfahrzeug und der aus Mitteln des Bürgerbudgets komplett neu gestaltete Raum des Jugendtreffs Nizza. Sowohl die Feuerwehr als auch die Aktiven des Jugendtreffs haben viele Arbeiten in Eigenregie erledigt, gemeinsam hat man rund 2500 Stunden ehrenamtlich beigesteuert.

Dafür dankt Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann auch im Namen des Gemeinderats "allen, die hier mit Hand angelegt haben". Man freue sich, das seitens der Stadt unterstützen zu können. "Das soll auch beispielgebend für andere Stadtteile sein", sagt Neumann. Ortsvorsteher Ralf Markert lobt in seiner Begrüßung das "herausragende Engagement" aller Beteiligten.

Mehr Einsätze für die Abteilung

Drei Gründe für ein großes Fest

Haben viele Gründe zu feiern: (v.li.) Yannick Kraft, Johannes Seebach, Thomas Böhret, Ralf Markert und Stefan Neumann.

Viel bestaunt wird das neue Tragkraftspritzenfahrzeug TSF-W, das für die 28-köpfige Nitzenhäuser Wehr einen Quantensprung bedeutet. "Mit dem Fahrzeug werden auch mehr Einsätze auf die Abteilung zukommen", sagt Standbrandmeister Thomas Böhret, so sei es im 2016 erstellten Brandschutzkonzept vorgesehen. "Für mich ist wichtig, dass ich eine schlagkräftige Abteilung habe."

Neben Nitzenhausen - das wegen der vergleichsweise großen Entfernung zu Künzelsau, der wachsenden Bevölkerungszahl und den holzverarbeitenden Betrieben am Ort Bedarf hat - werden auch die Abteilungen Amrichshausen und Kocherstetten noch in diesem Herbst baugleiche Fahrzeuge erhalten. Probleme macht dann allerdings in beiden Fällen die Unterbringung: Während in Amrichshausen ein neuer Anbau notwendig wird, muss in Kocherstetten das komplette Feuerwehrgerätehaus neu gebaut werden.

Für alles gerüstet

230 000 Euro hat das Nitzenhäuser Auto gekostet, vom Land gibt es einen Zuschuss von 52 000 Euro. "Wir haben jetzt alles, was wir für die Einsätze brauchen", sagt Abteilungskommandant Johannes Seebach. Dazu gehören unter anderem Sauggerät und Pumpe für ein mögliches Hochwasser, Atemschutzgeräte oder ein 1000-Liter-Wassertank, der bei einem Löscheinsatz "für den Anfang" reicht. Muss die Wehr nachts ausrücken, hat sie jetzt einen pneumatisch ausfahrbaren Lichtmasten, und auch ein Stromaggregat ist an Bord. Einweisungen wurden laut Seebach bereits gemacht, damit sich jeder Feuerwehrmann mit dem neuen Fahrzeug auskennt, "und jetzt üben wir wieder verstärkt daran". Böhret nennt das TSF-W die "kleinste Einheit, die man kaufen kann", bei der aber trotzdem "alles dabei" ist.

Drei Gründe für ein großes Fest

Saubere Sache: der neue Umkleideraum für die Feuerwehr.

Kameraden nehmen Umbau in die eigene Hand

Ähnlich notwendig wie die Anschaffung des Fahrzeugs war der Anbau ans Feuerwehrgerätehaus, der auf eine Initiative von Ortsvorsteher Ralf Markert zurückgeht. Dafür wurden zwei alte Garagen abgerissen. An ihrer Stelle entstanden für Kosten von 63 000 Euro ein Umkleide- und ein Aufenthaltsraum. "Früher hat jeder seine Kleider daheim gehabt", sagt der Ortsvorsteher.

Jetzt hängt die Ausrüstung der 28 aktiven Kameraden sauber in den neuen Spinden. "Es ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass eine Feuerwehr ihr Haus selbst renoviert und ausbaut", sagt Stadtbrandmeister Böhret, der im kurzen offiziellen Teil dann auch Werbung macht: "Wir freuen uns, wenn einige den Weg zur Feuerwehr finden." Das gilt ganz besonders für Frauen: In Nitzenhausen ist keine einzige aktiv, in Künzelsau und allen Ortsteilen zusammen sind es acht.

Drei Gründe für ein großes Fest

Yannick Kraft hinter der Theke des neu gestalteten Jugendtreffs Nizza.

Jugendtreff Nizza stolz auf den neuen Raum

Weibliche Besucher sind auch im Jugendtreff Nizza in der Minderheit, wie Yannick Kraft mit einem Schmunzeln verrät. Das wird sich vielleicht im neuen Raum mit seiner ansprechenden Holz-Optik ändern. "Wir wussten nicht, was auf uns zukommt", blickt Kraft auf den Umbau zurück, der sich auch wegen der Corona-Pandemie von Oktober 2019 bis ins Frühjahr 2021 hingezogen hat. Mit 16 000 Euro aus dem Bürgerbudget hat man den Raum komplett entkernt und von der Elektrik über die Wasserleitungen bis hin zur Heizung alles neu gemacht. Für die Ausstattung gab es weitere Mittel der Stadt. Aufs Ergebnis ist man "ganz besonders stolz".

 

Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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