Die Jagsttalbahn rollt wieder

Dörzbach  Mehr als 30 Jahre nach seinem Ende feiert das sogenannte Bemberle als Museumsbahn Eröffnungsfahrt auf dem ersten Streckenabschnitt in Dörzbach.

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Die Strecke ist freigegeben (von links): Michael Rothenhöfer (Jagsttalbahn AG), Landtagsabgeordnete Catherine Kern (Grüne), Bürgermeister Andy Kümmerle mit Sohn Emil und Frieder Strohm, Vorsitzender Jagsttalbahnfreunde.

Eine Trillerpfeife erklingt, irgendjemand ruft "Alles einsteigen!" und schon ertönt das durchdringende Dröhnen des Signalhorns. Langsam setzt sich die Diesellokomotive mit ihren zwei Waggons in Bewegung, verlässt den Bahnhof in Dörzbach in Richtung Gewerbegebiet. Es ist vollbracht: Die Jagsttalbahn - von vielen das Bemberle genannt - rollt wieder. Und die Fahrgäste singen und schunkeln zur Akkordeonmusik von Josef Heßlinger. Zwar sind es nur wenige Meter, nur wenige Minuten Fahrt, doch für die Jagsttalbahnfreunde, die Wochenende für Wochenende an den Gleisanlagen, den Waggons und der Zugmaschine arbeiten, ist es ein Meilenstein.

 

Emotionale Momente für Jagsttalbahnfreunde

"Es ist kaum zu glauben, dass es so weit ist", sagt Frieder Strohm, der in seiner Begrüßungsrede sichtlich mit seinen Emotionen kämpft. Der Vereinsvorsitzende der Jagsttalbahnfreunde betont, wie wichtig die vielen ehrenamtlichen Helfer seien, die das Projekt Museumsbahn mit großer Leidenschaft und viel Engagement vorangetrieben haben und weiter vorantreiben. Denn geht es nach den Jagsttalbahnfreunden, dann soll die Museumsbahn nicht nur in Dörzbach fahren.

Und dabei kann der Verein offenbar auch finanziell auf Unterstützung zählen: Mit einer Spendenaktion, bei der man etwa für 150 Euro einen Gleisbaustein erwerben kann, sind innerhalb von nur zwei Wochen bereits 40 000 Euro zusammengekommen. "Wir haben die Bevölkerung hinter uns", resümiert deshalb Vereinsmitglied Cedric Wirbs.

Noch keine Einigung mit Krautheim in Sicht

Die Jagsttalbahn rollt wieder

Roland Volk übergibt Schilder, die er vor der Verschrottung gerettet hat.

Doch wo Dörzbach aufhört, da beginnen die Probleme, das wird auch bei der Premierenfahrt am Freitag nicht ausgeblendet. Denn in Krautheim ist man weniger begeistert vom Bahnprojekt und fordert die Entwidmung der Bahntrasse, um diese am Krautheimer Bahnhof überbauen zu können: Der Streit geht so weit, dass die Stadt eine Klage vor dem Landgericht gegen die Jagsttalbahn AG eingereicht hat.

 

 

Dass die Streitigkeiten beigelegt und eine gute Lösung für beide Seiten gefunden werden könne, davon zeigt sich Verkehrsminister Winfried Hermann überzeugt, der seine Grußworte durch die Grünen-Landtagsabgeordnete Catherine Kern überbringen lässt. "Ich begrüße das Engagement zur Reaktivierung der Bahn und eine Neugestaltung des Busbahnhofs Krautheim", liest Kern vor. Der Verkehrsminister zeigt sich zuversichtlich, dass sich beides gut verbinden ließe.

Die Jagsttalbahn rollt wieder

Das Bemberle wird schon erwartet: Die Jagsttalbahn kehrt von ihrer Premierenfahrt in den Bahnhof Dörzbach zurück.

Fotos: Tamara Ludwig

Auch Kern selbst sieht sich als Mittlerin zwischen den Fronten. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel sei die Jagsttalbahn - eventuell später auch elektrifiziert - ein Zukunftsprojekt. In eine ähnliche Richtung argumentiert ihr Landtagskollege Arnulf von Eyb (CDU) in einer schriftlichen Stellungnahme: Wenn man es richtig anstelle, habe man irgendwann eine Art batteriebetriebene, geschlossene Lore, die Touristen befördere, so die Vision des Aufsichtsratsvorsitzenden der Jagsttalbahn AG.

Der Dörzbacher Bürgermeister Andy Kümmerle sieht die Bahn ebenfalls als Chance für die notwendige Mobilitätswende. "Wir wünschen uns, dass die Bahn auch Jagst abwärts fährt", eine Entwidmung der Trasse sei seiner Meinung nach eine Sünde an nachfolgenden Generationen.

ÖPNV-Nutzung nicht realistisch

Dass die Bahnstrecke absehbar für den öffentlichen Personennahverkehr genutzt wird, ist politisch vom Tisch. In einer Potenzialanalyse des Landes Baden-Württemberg zur Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken hat es die Jagsttalbahn erst gar nicht über die bloße Einreichung hinaus geschafft. Doch bei der Eröffnungsfahrt , den Fahrtwind im Gesicht und das Dröhnen des Signalhorns in den Ohren, ist Träumen erlaubt - und wenn es der Traum vom Museumsbähnle bis nach Krautheim ist.

Hintergrund: Rechtsstreit

Mit ihrer Klage fordert die Stadt Krautheim von der Jagsttalbahn AG, ihren Besitzanspruch auf die Trasse in Krautheim aufzugeben. Zwar ist die Stadt Eigentümer des Geländes, jedoch nicht Besitzer der Trasse. Außergerichtlich geht es beim Verkehrsministerium zudem darum, ob die Jagsttalbahn AG erneut sogenanntes Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen für die Gemarkung Krautheim werden darf. Das will die Stadt Krautheim nicht, denn das könnte die Entwidmung der Trasse verhindern und schränkt aus Sicht der Stadt die Entwicklung des Bahnhofsareals stark ein. 

 


Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick.

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