Der Schwanen ragt auf dem ältesten Foto Krautheims heraus

Krautheim  Die Redaktion der Hohenloher Zeitung zeigt das jeweils wohl älteste Foto der Gemeinden im Hohenlohekreis. Im Fall von Krautheim hat Sammler Helmut Müller geholfen, das Foto aufzutreiben. Wann es entstanden ist? Da muss der Hobby-Historiker schätzen.

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Krautheims vermutlich ältestes Foto zeigt gegen Ende des 19. Jahrhunderts Krautheim Tal. In der Mitte ragt das Gasthaus Zum Schwanen heraus. Foto: privat

Wenige etwas verschwommene Häuser und viel Ackerland, Hügel im Hintergrund: Mehr sieht man nicht auf dem wohl ältesten Krautheimer Foto. Helmut Müller schätzt, dass die Aufnahme von Krautheim Tal im Jahr 1893 gemacht wurde. Sie war vermutlich eine Auftragsarbeit für die Burgherrschaft.

"Neben dem Gasthaus Zum Schwanen in der Ortsmitte steht noch eine Scheune. Hier wurde 1895 das alte Postgebäude gebaut. Das Gasthaus wurde bereits 1665 eröffnet", erläutert der kaufmännische Angestellte, der sich in seiner Freizeit mit der Historie seiner Heimatstadt beschäftigt. Vom Krautheimer Bahnhof, der 1901 eröffnet wurde, ist auf der Fotografie natürlich noch nichts zu sehen.

"Auf den Fotos steht selten ein Datum. Es ist nicht immer leicht, sie zuzuordnen", sagt Müller. Um das Baudatum des alten Postgebäudes herauszufinden, welches ja auf der Aufnahme noch nicht steht, habe er lange recherchiert. Schließlich befolgte er einen Rat: "Geh doch einfach mal vorbei und schau am Haus nach." Und tatsächlich: Über der Treppe prangte die Zahl 1895.

Das Krautheimer Foto-Fossil bietet einen Blick über die Jagsttalstadt Ende des 19. Jahrhunderts. Krautheim Tal bestand damals nur aus ein paar dutzend Häusern.

Damals stand in Krautheim noch eine Synagoge

Es fällt auf, dass die Jagst frei liegt und von Äckern umgeben ist. Die Bäume, die den Fluss heute umschließen, sind erst später gepflanzt worden. "Die Krautheimer Ortschaften waren alle noch selbstständig. Krautheim Berg und Tal gehörten jedoch zusammen", erläutert Müller. Krautheim war und ist auch heute noch hauptsächlich katholisch geprägt. "In Krautheim Berg lebten in dieser Zeit auch viele Juden. So gab es jüdische Textil- und Viehhändler und auch einen jüdischen Metzger", listet Müller auf. Die Synagoge und die Kirche standen fast nebeneinander.

Der Schwan ragt heraus

Helmut Müller hat ein umfangreiches Archiv an Postkarten und Fotografien seiner Heimatstadt Krautheim zusammengetragen.

Foto: Nadine Nowara

Das Leben war sehr ländlich geprägt. Eine Infrastruktur war durchaus vorhanden. In Krautheim gab es damals Bäcker, Metzger, Wagner, die Holzwagen für Pferde bauten, und auch die Postkutsche kam regelmäßig vorbei. Als dann 1901 die Jagsttalbahn in Krautheim Halt machte, transportierte diese die Post. In Krautheim Berg stand die Kreispflegeanstalt, in der auch Menschen mit Behinderung lebten. Zu ihr gehörte auch ein großes landwirtschaftliches Anwesen.

Helmut Müller hat 5000 Bilder und Postkarten von Krautheim gesammelt

Heute befindet sich an der Stelle ein Seniorenheim. Die Stadt war zu dieser Zeit bereits mit der Umgebung verbunden. Die Straßenkreuzung nach Altkrautheim, Gommersdorf und Klepsau kann man auf dem Foto erahnen. "Man musste ja schließlich auf die Felder fahren", sagt Müller, dessen eindrucksvolle Sammlung etwa 5000 Bilder und Postkarten von Krautheim umfasst. Sein Archiv hat er in 15 Jahren zusammengetragen. "Ich habe damals alte Fotos, die mein Vater gemacht hatte, durchgesehen und unter anderem Bilder von den Herbstmesse-Umzügen gefunden", sagt er. Damit war die Faszination für die Geschichte seiner Heimat geboren.

Der Schwan ragt heraus

Krautheim Tal im Jahr 2010. Die Veränderungen sind offensichtlich. Zur Orientierung: Das Gasthaus Zum Schwanen befindet sich unten rechts.

Foto: Archiv/Stolla

"Ich habe viele Krautheimer angesprochen, ob sie historische Fotos haben. Man kennt mich ja auch hier." Die Bilder hat er eingescannt, von manchen hat er sich Kopien anfertigen lassen. Die Originale sind wieder bei den Besitzern. Müllers umfangreiches Archiv ist weitgehend digital. Dieses "verstaubt" aber nicht im Laptop.

Müller zeigt seine Sammlung bei Seniorennachmittagen und hat auch Bilder-Vorträge im Johannitersaal zur Krautheimer Historie gehalten. Sein Postkartenarchiv stockt er jedes Jahr bei einer Messe in Stuttgart auf. Außerdem hat Müller noch andere Schätze in seinem Fundus: alte Siegel, Briefe, die eine ältere Nachbarin für ihn ins heutige Schriftdeutsch "übersetzte", und einen historischen Feuerwehreimer.

 


Nadine Nowara

Nadine Nowara

Autorin

Nadine Nowara arbeitet seit Mai 2020 bei der Heilbronner Stimme. Sie kümmert sich bei der Hohenloher Zeitung unter anderem um die Gemeinden Krautheim und Schöntal.

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