Bei Künzelsauer Stadtrallye gab es eine Woche Nachhaltigkeit zum Mitmachen

Künzelsau  Bewusstsein für die Themen Fairer Handel, Klimaschutz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit schaffen: Das war Ziel der Aktion, die am heutigen Sonntag ihr Ende findet.

Von Sonja Reichert
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Klimaschutz, Fairness und Nachhaltigkeit machen Spaß: Das sieht man an der Klasse 6a der Georg-Wagner-Realschule, die gerade von Stand zu Stand zieht.

Im Unterricht der Klasse W1A an der Berufsfachschule Wirtschaft wird fleißig am PC gearbeitet. Das Fach "Übungsfirma" steht an. An den Fenstern hängen Plakate und bunte Karten mit Aussagen wie "CO2-neutrale Heizung einrichten" oder "Fahrgemeinschaften bilden": Die Schüler und Schülerinnen sollten Antworten auf die Frage "Wie kann ich leben und handeln, um die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN zu verfolgen?" erarbeiten.

Die Lehrerinnen Stefanie Lotta und Angela von Reventlow sind die Initiatorinnen der Stadtrallye "Zukunft fair gestalten", die vom 20. bis zum 26. September im Rahmen der Fairen Woche 2021 stattfand. Sie wollen mit ihrem Engagement den Künzelsauern die Ziele des Fairen Handels näherbringen und das Bewusstsein für faire Produktionsbedingungen schärfen.

Wandern zu den Stationen

Aufgabe der Schüler ist es gerade, die vielen Vorschläge, die in einem Karton gesammelt wurden, jenen 17 Zielen zuzuordnen, welche die Vereinten Nationen als globalen Plan zur Förderung nachhaltigen Friedens und Wohlstands und zum Schutz des Planeten im Jahr 2016 aufgestellt haben. Elmedin Zongay aus Künzelsau ist schon ein richtiger Experte: "Fairtrade ist besser für die Umwelt und unterstützt Bauern durch Zahlung eines Mindestlohns. Zum Beispiel beim Anbau von Kakao für Schokolade oder bei der Herstellung von Klamotten."

Bei Künzelsauer Stadtrallye gab es eine Woche Nachhaltigkeit zum Mitmachen

Leitbilder als Schaubild: Am Stand der St.-Paulus-Kirchengemeinde hängen die 17?Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Fotos : Sonja Reichert

Angela von Reventlow und Stefanie Lotta konnten elf Akteure und Initiativen für die Stadtrallye gewinnen. An Stationen quer durch die Stadt verteilt laden diese zu Mitmach-Aktionen ein. Wer die Aufgaben löst, bekommt einen Stempel in den Rallye-Pass. Wer alles absolviert hat, kann an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem es Rucksäcke zu gewinnen gibt, die mit Leckereien aus dem Fairen Handel gefüllt sind. Zusätzlich werden noch drei Gutscheine unter allen Teilnehmern, die mindestens fünf Stationen besucht haben, verlost.

Vor dem Alten Rathaus stinken die am "World Cleanup Day" gesammelten rund 10 000 Kippen vor sich hin. Hannelore Gloger und Anja Wanck informieren dort über Müllvermeidung und die Arbeit des Künzelsauer Klimabeirats. Anja ist 15, Schülerin am Schlossgymnasium und das jüngste Mitglied im Klimabeirat. "Ich bin dabei, weil ich Angst habe, dass wir in einer Zukunft leben müssen, die nicht mehr lebenswert ist." Gloger freut sich darüber, dass "sogar der Tabakhändler Brückbauer uns unterstützt und Dosen als Aschenbecher verschenkt hat". Hinter dem Alten Rathaus kommt gerade die Klasse 6a der Georg-Wagner-Realschule um die Ecke gebogen. Die Schüler schwenken gutgelaunt ihre Rallye-Pässe. Sie sind auf dem Weg zur nächsten Station.

Bei Künzelsauer Stadtrallye gab es eine Woche Nachhaltigkeit zum Mitmachen

Stinkende Kippen und jede Menge Informationen gibt es von den Mitarbeiterinnen des Klimabeirats (von links): Nabaa Fahad, Hannelore Gloger und Anja Wanck.

10 000 Kippen als Mahnmal

Richtig viel geschafft wird vor der Brüder-Grimm-Schule: Unter Leitung von Reni Hanuschke stellen die Kids von der Schülerfirma "Nadel und Faden" Briefumschläge aus alten Kalenderblättern her und zeigen allen, wie das geht. Außerdem informieren sie über andere selbstgemachte Produkte: bunte Schlüsselanhänger, Turnbeutel, Stofftaschen und Kosmetikpads.

Auf der Hauptstraße steht Norbert Gut am Stand des Weltladens. Er ist ganz angetan von dem regen Zuspruch der Passanten beim Verkosten von vier verschiedenen fair gehandelten Kaffeesorten aus dem Sortiment des örtlichen Weltladens. "Alle Kannen sind leer. Das Schönste an der Aktion ist, dass der Dachverband den Rahmen und das Material vorgibt, in den einzelnen Kommunen dann jede interessierte Gruppe selbst Ideen verwirklichen kann. So verteilt sich die Arbeit und es geht nicht nur um fairen Handel, sondern auch um faire Zusammenarbeit", sagt Norbert Gut. Auf dem Weg zum Wertwiesenparkplatz kommt man beim Tafelladen vorbei. Ein Schaubild, in dessen Text ein Lösungswort eingebaut ist, weist auf die Dringlichkeit hin, keine Lebensmittel wegzuwerfen.

Schon von Weitem sieht man bunte Karten an einer Wäscheleine flattern. Vor einem stylischen Wohnwagen - "Knutschkugel" genannt - stehen Theresia und Norbert Hackmann und vertreten die St.-Paulus-Kirchengemeinde. "Wie stelle ich mir eine faire Zukunft in Künzelsau vor?" lautet die Frage. Elias Röger aus Amrichshausen, zwölf Jahre alt, ist dabei, die Karte mit seiner Antwort aufzuhängen: "Fair ist, wenn alle Zeit haben zum Spielen. Jeder braucht Freizeit und Zeit für sich."

 

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