Friseurtermin für die große Linde

Ein Baumrestaurator bringt die Krone der Neusaßer Baumpersönlichkeit wieder in Form

Von Susanne Hämmerle

Wie alt die Linde südlich des Forsthauses in Neusaß tatsächlich ist, weiß niemand so genau. Die Gemeinde Schöntal brüstet sich in ihrer Homepage mit der "fast 1000-jährigen Linde". "Ganz so alt ist der Baum sicher nicht", relativiert Ulrich Oberhauser, Leiter des Forstreviers Niedernhall, das seit Kurzem seinen Sitz im Forsthaus Neusaß hat. Oberhauser vermutet, dass die Linde zum Ende des 30-jährigen Krieges als Friedenslinde gepflanzt wurde.

"Im Übrigen handelt es sich hier um mindestens drei Bäume, die allmählich zusammengewachsen sind", weiß der Förster. Jetzt drohen die Bäume auseinander zu brechen. Um sie zu retten, investieren Land und Forstamt rund 3000 Euro.

Mit Handsäge und Schnittzange geht Klaus Henne an die Arbeit. Der Spezialist für Baumsanierung aus Künzelsau wählt sorgfältig jeden Ast, den er abschneidet. "An den prächtigen Linden ist in den 70-er Jahren mächtig Schindluder getrieben worden", sagt Henne ärgerlich. Die Stahlseile zeugen von dieser ersten Sanierung. Sie halten die weit ausladende Krone zusammen. "Deshalb haben die tragenden Äste zu wenig Stützholz gebildet und können sich selbst nicht mehr halten", erklärt der Baumspezialist. Nun drohe die Verankerung auszureißen, so dass der Baum extrem gefährdet sei.

Deshalb reduziert Henne das Gewicht der Krone. Auch das wurde in zurückliegenden Aktionen bereits getan. "Damals sägte man mit der Motorsäge die dicken Äste einfach oben ab, so dass schlimme Wunden entstanden und Fäulnis eindrang", kritisiert Henne. Dies ist besonders gut vom Krankorb aus zu erkennen, der den Blick auf die obersten Teile der Buche zulässt. Die hoch emporragenden Stämme sind von Fäule ausgehöhlt und bilden kaum frisches Holz.

Vom Korb aus schneidet der Baumrestaurator zusammen mit einem Helfer Ast für Ast ab. Wie ein Frisör achtet er darauf, dass die Form des Baumes nicht leidet. Er ist sich bewusst, dass viele Liebhaber hierher kommen, die von den Linden weiter etwas haben sollen. Durch den Schnitt bieten die alten Riese dem Wind weniger Angriffsfläche. Das Innere des Baumes bekommt zudem mehr Licht. "In den nächsten Jahren wird die Linde von innen eine neue Krone bilden, so dass wir nach und nach die weit ausladenden Äste reduzieren können", verspricht Henne.

Im Zuge der Sanierung soll der Platz um die Linden für Fahrzeuge gesperrt werden. "Die Wurzeln sind von den parkenden Autos ziemlich beschädigt worden", stellt Oberhauser fest. Zur Rettung der Bäume müssten diese jedoch gesund gehalten werden.