Der Hohenloher Agrarexperte im Landtag

Rudolf Müller feiert morgen seinen 90. Geburtstag - Empfang am 8. Dezember in Ingelfingen

Von Wendelin Schmidt

Der Hohenloher Agrarexperte im Landtag
Rudolf Müller mit Enkelin Anna-Lena (6, rechts), eine von sechs Enkeln und zwei Urenkeln, und deren Freundin Caroline (7). (Foto: Wendelin Schmidt)

Jeden Tag löst er Kreuzworträtsel, verrät Ehefrau Gertrud Müller eine Leidenschaft ihres Mannes Rudolf, der morgen am Sonntag ganz privat im Kreis seiner Kinder und Enkelkinder seinen 90. Geburtstag feiert. Neben guten Genen ist die beharrliche Beschäftigung mit Kreuzworträtseln vielleicht auch ein Grund dafür, dass der bisher einzige Landtagsabgeordnete der FDP Hohenlohekreis, Kreisrat und Künzelsauer Gemeinderat auch mit neunzig noch körperlich und geistig in bester Verfassung ist.

Er mischt sich zwar nirgends mehr aktiv ein in Politik und Kommunalpolitik, aber es interessiert ihn wie eh und je alles, was sich im fernen Berlin, im näheren Stuttgart und erst recht im heimatlichen Hohenlohe und Künzelsau abspielt. Und so war er unlängst ganz selbstverständlich bei der Jahreshauptversammlung der FDP Hohenlohekreis dabei, und auch zur aktuellen Lage in Berlin hat er seine Meinung: Eine Chance könnte sie schon sein, die große Koalition, sagt er, aber: Nach diesem Wahlkampf können die nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen kommen. Das werde sicher noch zu Auseinandersetzungen in der Koalition führen. Ob die Verbindung für eine ganze Legislaturperiode halten werde? Er zögert kurz und schüttelt den Kopf.

Geboren in dem Bauerndorf Eubrigheim, verlebte Rudolf Müller seine Jugend in Neureut bei Karlsruhe, wo sein Vater Lehrer war. Nach dem Gymnasium, das er in Karlsruhe besuchte, folgten ab 1935 Arbeitsdienst und denn zwei Jahre Wehrdienst in Heilbronn und Karlsruhe, ehe er in der Nähe von Donaueschingen eine landwirtschaftliche Lehre beginnen konnte. 1939 musste er wieder zum Militär, war an der Westfront und in Russland, wurde zweimal verwundet und geriet im Mai 1945 in Stade bei Hamburg bei den Engländern in Gefangenschaft. Das war recht gemütlich , erinnert er sich an einen gut Deutsch sprechenden englischen Offizier, der ihm bei nächtlichen Unterhaltungen ankündigte, sie würden in ein paar Wochen gemeinsam gegen die russische Armee kämpfen. Aber es kam dann doch ganz anders. Im September 1945 wurde Rudolf Müller entlassen, weil die Engländer Landwirte, Elektriker und Nachrichten-Fachleute in der Wirtschaft einsetzen wollten: Ein Bauer in Eppelheim konnte mich aber nicht gebrauchen, weil ich nicht melken konnte . So bekam er ab Februar 1946 die Chance, an der Hochschule in Hohenheim Landwirtschaft zu studieren.

Der Diplomlandwirt, der 1944 seine aus Heidelberg stammende Frau geheiratet hatte und der seit Februar 1947 Vater der ersten seiner drei Töchter war, fand im September 1948 eine Anstellung bei der Zentralgenossenschaft Württemberg in Stuttgart, bei der er sich noch die nötigen kaufmännischen Kenntnisse aneignen konnte, ehe er 1951 als technischer Betriebsleiter an das Flachswerk in Künzelsau versetzt wurde.

Hier übernahm er das Unternehmen, das rund 150 Mitarbeiter beschäftigte und sich später zu einem Landwirtschaftsbetrieb mit vielen Sparten vom Saatgut über Legehennen bis zur Hengststation entwickelte, 1953 als Betriebsleiter.

Als dann das Flachswerk ab 1956 nach und nach Platz machte für das Dauermilchwerk (später Landgold), blieb Rudolf Müller bis zum Ruhestand im Jahr 1980 weiter in Diensten der Landeszentralgenossenschaft, allerdings nicht mehr in Künzelsau, sondern in anderen Orten, zum Beispiel in Blaufelden.

Seinen Geburtstag wird Rudolf Müller morgen außer Haus in privatem Kreis feiern. Er bittet, an diesem Tag von Besuchen und Anrufen abzusehen. Die FDP-Landtagsfraktion wird am Donnerstag, 8. Dezember, um 18.30 Uhr im Hotel Nicklass in Ingelfingen einen Empfang für ihr Ehrenmiglied geben.