Ruhestand war für den Fürsten ein Fremdwort

Hohenlohe trauert um Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg - Todesbotschaft löst europaweit Betroffenheit aus

Von Harald Zigan

Viele Langenburger Bürger, bei denen Fürst Kraft aufgrund seiner gänzlich attitüdenfreien und hilfsbereiten Art in hohem Ansehen stand, konnten den Tod des Fürsten zunächst nicht fassen. Auch im englischen Königshaus löste die Botschaft Trauer aus: Die 1981 verstorbene Mutter von Fürst Kraft war die Schwester des Herzogs von Edinburgh, des Gemahls von Königin Elisabeth II.

Mit Sitz und Stimme in der evangelischen Landessynode von Württemberg (1965 bis 1974), im Kreistag (1965 bis 1979), im Vorstand des Schwäbisch Haller DRK-Kreisverbandes (1984 bis 2000), im örtlichen Kirchengemeinderat und im Rotary-Club (ab 1961) setzte Fürst Kraft die Tradition eines Adelsgeschlechtes fort, das um das Jahr 1150 in das Licht der Geschichte trat, dem Land zwischen Kocher und Jagst seinen Namen gab und über Jahrhunderte hinweg an hoher und höchster Stelle dem Staat, der Kirche oder dem Gemeinwesen diente - sei es als Stifter der Deutschordenskommende in Bad Mergentheim, als Kurienkardinal in Rom oder als Reichskanzler im Berlin des wilhelminischen Zeitalters.

Von seinen öffentlichen mtern zog sich der seit 1992 in zweiter Ehe mit Fürstin Irma verheiratete Kraft (aus der ersten Ehe mit Charlotte, geborene Prinzessin von Croy, stammen die Kinder Cécile, Philipp und Xenia) mit zunehmendem Lebensalter zurück. "Ruhestand" war im Vokabular des Langenburger Fürsten allerdings ein Fremdwort: Die Verwaltung und (durchaus kostspielige) Unterhaltung des Schlosses (nach dem verheerenden Brand 1963 stellte der Wiederaufbau die wohl größte Herausforderung für den damals gerade mal 28 Jahre alten Hausherren Kraft dar), das 1970 gegründete Automuseum, die Pflege des 2700 Hektar umfassenden Waldbesitzes rings um Langenburg und Weikersheim und etliche Ehrenämter in Sachen Oldtimer (zum Beispiel als Präsident der "Fédération internationale des Véhicules anciens") füllten reichlich den Terminkalender des Fürsten.

Dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend, findet die Beisetzung im engsten Familienkreis statt. Ein öffentlicher Trauergottesdienst wird am übernächsten Samstag, 27. März, um 14 Uhr in der Langenburger Stadtkirche abgehalten. Statt Kränzen und Blumen wünschte sich der Fürst Spenden für den Förderverein zur Erhaltung der Stadtkirche Langenburg (Konto 2600587 bei der Sparkasse Hall-Crailsheim, BLZ 622 500 30).