Anwohner ertragen Staub und Lärm durch die Großbaustelle Crispenhofer Straße

Weißbach  Die Großbaustelle in der Crispenhofer Straße in Weißbach kommt gut voran. Der Umleitungsverkehr sorgt aber für Beschwerden der Anwohner.

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Arbeiten am neuen Schacht an der Kreuzung Crispenhofer Straße und Bergstraße. Im Hintergrund sind die Dimensionen der neuen Rohre zu erkennen.

Auf der Großbaustelle in der Crispenhofer Straße in Weißbach herrscht beste Stimmung. "Vom Starkregen sind wir zum Glück verschont geblieben", sagt Bürgermeister Rainer Züfle mit Blick auf die aufgerissene Straße - ein heftiges Unwetter wäre alles andere als günstig gewesen, doch die jüngsten Wetterturbulenzen haben erfreulicherweise um den Hohenlohekreis einen Bogen gemacht. "Es läuft alles sehr gut, wir sind aktuell sehr zufrieden", sagt auch Bauleiter Thomas Müller von der Firma Benninger Bau aus Neunkirchen.

Mehrkosten für Entsorgung

Einziges Ärgernis, das die gute Stimmung trübt: Vor ein paar Tagen ist man im Untergrund auf belastetes Bitumenmaterial gestoßen, dessen Entsorgung für Mehrkosten von voraussichtlich 100 000 Euro sorgen wird. "Wir haben diese Woche einen Antrag auf Erhöhung des Zuschusses gestellt", sagt der Bürgermeister, der natürlich auf zustimmende Antwort hofft.

Nach den Probebohrungen habe man zwar damit rechnen müssen, unter der alten Straßendecke auf Altlasten zu stoßen, die jetzt vorgefundenen Menge habe man aber nicht erwartet. "Die Belastung ist schon extrem hoch", erklärt Müller, relativiert jedoch auch: "Man weiß in einer Ortsdurchfahrt vorher nie, was auf einen zukommt." Und: "Gänzlich unbelastetes Material hat man selten."

Sperrung bis Ende Juli

Von den Mehrkosten abgesehen, kommt der Plan damit nicht durcheinander: Die Straße Richtung Crispenhofen bleibt bis Ende Juli gesperrt, dann - wenn die Firma Benninger in ihre dreiwöchigen Betriebsferien startet - kann sie zumindest für den innerörtlichen Verkehr freigegeben werden. Nach der Sommerpause wird die Firma bis Ende September noch die Straßendecke auf der kompletten Länge einbauen, kleinere Arbeiten schließen sich an anderen Stellen bis voraussichtlich Ende November an.

"Kitzlig wird jetzt normalerweise nichts mehr", meint Thomas Müller. Auch dass kurz vor Baubeginn noch die Verlegung von Gas- und 20 kV-Leitung zu den Aufgaben hinzukam, hat die Arbeiten nicht aufgehalten. "Das ist vernünftig gelaufen", auch das Material sei immer "just in time" geliefert worden.

Zahlreiche Maßnahmen

Auslöser der gesamten Baumaßnahme, deren Kosten ursprünglich auf 1,5 Millionen Euro beziffert worden sind, ist die Verdolung des Halberger Bachs in der Crispenhofer Straße, die gerade für den Fall von Starkregen-Ereignissen deutlich vergrößert werden muss. In diesem Zug wird dann auch der Regenüberlauf erneuert, die Zuleitung des Schmutzwasserkanals ausgetauscht und ein Teil der Wasserleitung erneuert.

NetzeBW verlegt die neue 20-kV-Leitung, ebenso die Gasleitung, die Gemeinde verlegt Leerrohre, beispielsweise für den Glasfaser-Ausbau. Ist alles erledigt, wird der Straßenbelag saniert. Ein zweiter Regenüberlauf wird in der Keltergasse im Herbst neu gemacht.

Anwohner reagieren verständnisvoll

Obwohl mit der Großbaustelle nun schon seit Monaten viel Lärm und Dreck verbunden sind, reagieren die unmittelbar betroffenen Anwohner laut dem Bürgermeister bislang "zu 99 Prozent sehr verständnisvoll". Beschwerden hat es trotzdem gegeben, teilweise sogar sehr massiv und bis hin zu Angriffen persönlicher Natur, erzählt Züfle. Und zwar von Bürgern, durch deren Straßen aktuell der Umleitungsverkehr läuft. Das sei "etwas betrüblich", meint der Bürgermeister. Eigentlich, so findet er, sollten die Leute doch froh sein, dass sie sonst in einer ruhigen Wohngegend lebten.

Anwohner ertragen Staub und Lärm

Zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten: Weißbachs Bürgermeister Rainer Züfle und Bauleiter Thomas Müller.

Fotos: Armin Rößler

Auch der Eindruck, dass in den engen Umleitungsstraßen "gerast" werde, sei eher relativ, wie man mit den Messungen der Verkehrstafel festgestellt habe. Fahre man verantwortungsbewusst, "kann man da nicht mal 50 fahren", meint der Bürgermeister. Vor dem Beginn der Baumaßnahme hatten sich Anwohner in den betroffenen Straßen noch über das verordnete Parkverbot beschwert.

Und auch für Crispenhofen sei die Baustelle halb so schlimm. Während der Schwerlastverkehr den weiten Umweg über Forchtenberg und Schleierhof nehmen muss, kommt der Pkw-Verkehr aus dem Ortsteil problemlos bis zum oberen Ende der Baustelle an der Weißbacher Schützenstraße.

 

 


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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