Als in Weißbach nur ein Schornstein qualmte

Weißbach  Die Redaktion der Hohenloher Zeitung forscht nach den Foto-Fossilien der Gemeinden im Hohenlohekreis. Gezeigt wird das älteste Foto, das sich im jeweiligen Gemeindearchiv auffinden ließ. Dieses Mal stammt die Aufnahme vom Anfang der 1930er-Jahre.

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Das vermutlich Anfang der 1930er Jahre entstandene Foto zeigt die Gemeinde Weißbach, bevor die Fabrikschornsteine ihren Anblick bestimmten. Foto: privat

Wer heute nach Weißbach kommt, entdeckt meist als Erstes die mächtigen Schornsteine der Firma Hornschuch, die heute zum Continental-Konzern gehört. Vor rund neunzig Jahren sah das noch ganz anders aus, die Firma "präsentiert sich erst als ganz kleines Fabrikle", wie Bürgermeister Rainer Züfle den Anblick schildert. Er hat für die Sommerserie der Hohenloher Zeitung im Rathaus nach dem ältesten Foto gestöbert und die nebenstehende Aufnahme geliefert. Nicht nur im Gewerbegebiet sieht vieles ganz anders aus als heute gewohnt.

Die Brücke steht noch

Das Foto zeigt aus nordöstlicher Richtung den Blick auf Weißbach. Es wurde laut dem Bürgermeister vermutlich Anfang der 1930er-Jahre aufgenommen. Als Beleg dafür dient die am rechten Bildrand zu sehende Schule, die im Jahr 1929 erbaut worden ist. Über den Kocher führt noch die alte Stahlbrücke, die 1945 von deutschen Truppen gesprengt wurde. Und der Kocherbogen verläuft noch direkt am Hangfuß, ungefähr dort, wo seit Ende der 50er Jahre die L1045 liegt.

Der Hang selber wurde zur Zeit der Aufnahme noch zu großen Teilen weinbaulich und landwirtschaftlich genutzt; heute befindet sich dort an vielen Stellen Wald. Das Innere des Kocherbogens war damals noch weitgehend unbebaut, auch das sieht längst ganz anders aus.

Als nur ein Schornstein qualmte
So sieht der Blick auf Weißbach heute aus: Aus der kleinen ist eine große Firma geworden, der früher landwirtschaftlich genutzte Hang ist von Wald bewachsen und der Kirchturm zwischen den anderen Gebäuden kaum mehr zu sehen. Foto: Armin Rößler

Beim letzten Gebäude links hinten auf dem historischen Foto handelt es sich um den im Jahr 1920 erbauten Weißbacher Bahnhof, der inzwischen in eine Gaststätte umfunktioniert worden ist, die allerdings derzeit geschlossen hat. Die Allee, die links vom Bahnhof zu sehen ist, ist die alte Landstraße nach Forchtenberg, die heute Forchtenberger Straße heißt und damals die einzige direkte Straßenverbindung zwischen Weißbach und der Nachbargemeinde war.

Herkunft der Aufnahme ist ungewiss

Zur Herkunft der historischen Aufnahme kann Bürgermeister Rainer Züfle nicht viel erzählen. "Das Foto hing bei meinem Amtsantritt im Jahr 1997 bereits in meinem Büro. Wer es aufgenommen hat und wie es ins Rathaus gelangte, weiß ich leider nicht", erklärt er. Mit Bedauern hatte er damals festgestellt, dass es auf dem Rathaus zu diesem Zeitpunkt kein Bild- und Filmarchiv gab.

Vor Jahren hat der Weißbacher Bürgermeister dann aber von einem inzwischen verstorbenen älteren Mitbürger, der Hobbyfotograf gewesen ist, etliche historisch interessante Aufnahmen erhalten. Diese stammen laut Züfle aber vor allem aus den 1950er bis 80er Jahren. Außerdem seien darunter auch ein paar wenige Aufnahmen aus den 30er Jahren, die die Konrad Hornschuch AG und deren damalige Belegschaft zeigen.

Der Bürgermeister ist mit Blick auf die Historie des Orts an Nachschub interessiert. "Gerne nutze ich natürlich jede Gelegenheit, an weitere alte Fotografien von Weißbach und Crispenhofen zu gelangen", macht er mit einem Schmunzeln Werbung.

Serie
Die HZ-Sommer-Serie "Hohenloher Foto-Fossilien" widmet sich ganz besonderen alten Fotografien: Gezeigt wird das älteste Foto, das sich im jeweiligen Gemeindearchiv auffinden ließ. Start der Serie war am 25. Juli mit einer Aufnahme des Kupferzeller Schlosses, die vermutlich 1866 entstanden ist. Nachdem es heute mit einem Bild aus Weißbach weitergeht, soll sich der nächste Teil einem Foto aus Waldenburg widmen. In loser Folge geht es dann weiter mit Öhringen, Künzelsau, Bretzfeld, Pfedelbach, Forchtenberg, Ingelfingen, Schöntal, Dörzbach, Krautheim, Mulfingen, Neuenstein, Zweiflingen und Niedernhall.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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