Wie es um das Krautheimer Ross steht

Krautheim  Mit dem ehemaligen Gasthaus zum Ross in Krautheim geht es seit Jahren kaum voran. Das denkmalgeschützte Gebäude verfällt zusehends. Warum es für Land und Stadt so schwierig ist, eine Lösung zu finden.

Von Christoph Feil

Sanieren oder abreißen: Wie es um das Krautheimer Ross steht

Wie verkehrssicher ist das Gebäude noch? Das soll demnächst überprüft werden, sagt Michael Greiner vom Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Foto: Christoph Feil

 

Schon jahrelang steht es leer und verfällt zusehens. Immer mal wieder ist das ehemalige Gasthaus zum Ross in Krautheim deshalb Thema im Gemeinderat - zuletzt in der Sitzung vor der Sommerpause. Acht Fragen und Antworten rund um die Immobilie.

 

Wem gehört das Gebäude?

Seit 2008 befindet sich das ehemalige Gasthaus zum Ross im Besitz des Landes, nachdem dieses es zwangsgeerbt hat. "Wir müssen nun schauen, dass wir das Gebäude veräußern, um die Gläubiger auszubezahlen", sagt Michael Greiner, Leiter des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Heilbronn. Mit 100 000 Euro Schulden sei das Ross belastet.

 

Warum ist das Ross ein Kulturdenkmal?

"Das Gebäude mit seinem barocken Erscheinungsbild wurde im frühen 18. Jahrhundert (archivalisch datiert 1713) wohl über älteren Kelleranlagen errichtet", erklärt das Landratsamt Hohenlohekreis mit Bezug auf das Landesamt für Denkmalpflege. Der Bau liege unter anderem prominent am Fuß von Burg und Schloss Krautheim und präge Marienplatz und Bergstraße zur Burg, so das Landratsamt weiter.

 

Welche Pläne hat die Stadt für das ehemalige Gasthaus?

Noch keine konkreten. Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler könnte sich aber zum Beispiel an dieser Stelle einen Mix aus Geschäfts- beziehungsweise Büroräumen und kleinen altersgerechten Wohneinheiten vorstellen, eventuell mit Betreuung. "Die Lage wäre ideal", sagt der Rathauschef.

 

Weshalb saniert die Stadt das Gebäude nicht selbst und vermietet es anschließend weiter?

"Wir können das Objekt nicht selbst schultern", sagt Bürgermeister Köhler, der sich auf eine Wirtschaftlichkeitsberechnung aus dem Jahr 2015 beruft. Diese besagt, dass eine Sanierung damals rund 1,35 Millionen Euro gekostet und der Stadt ein jährliches Defizit von etwa 51 600 Euro eingebracht hätte, bei Einnahmen von circa 39 600 Euro pro Jahr. Insgesamt also ein "Drauflegegeschäft", so Köhler.

 

Wie läuft die Suche nach einem Investor?

"Wir haben ständig daran gearbeitet, einen Käufer zu finden", sagt Michael Greiner vom Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Bislang jedoch ohne Erfolg. Derzeit ist die Immobilie im Internet zum Kauf ausgeschrieben. "Am liebsten wäre es uns, wenn es die Stadt übernehmen würde", so der Amtsleiter aus Heilbronn. "Wir sind bereit, das Gebäude gegen einen Anerkennungsbetrag, der gegen Null geht, zu veräußern", so Greiner.

 

Was spricht für einen Abbruch des ehemaligen Gasthauses?

Der Zustand des Gebäudes ist sehr schlecht. Das sieht auch das Landratsamt Hohenlohekreis so. "Ein Erhalt des Gebäudes wäre nur unter weiteren erheblichen Substanzverlusten möglich, sodass das Objekt nach einer Sanierung die Denkmaleigenschaft verlieren würde", begründet das Amt darum seine denkmalschutzrechtliche Genehmigung für einen Abbruch des Gebäudes. Diese hat es der Stadt am 17. November 2017 erteilt. Weil durch einen Abbruch das Grundstück baureif und damit für einen möglichen Interessenten "attraktiver" gemacht werden könnte, hatte sich die Stadt zuvor um diese Genehmigung bemüht, erklärt Bürgermeister Köhler. Das ehemalige Gasthaus darf demnach bis zur Erdgleiche abgerissen werden, die Kelleranlagen müssen jedoch erhalten bleiben.

 

Wieso ist es trotz Genehmigung noch nicht abgerissen worden?

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Auf bis zu 150.000 Euro schätzt Krautheims Bürgermeister die Kosten für einen Abbruch des Kulturdenkmals. Köhler kritisiert, dass die Stadt dafür keine Zuschüsse bekommt. "Nur wenn das Gebäude seine Denkmaleigenschaft verliert, kommt eine Förderung von Abbruchkosten in Betracht", erläutert eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Im Rahmen der Städtebauförderung seien 100 Prozent dieser Kosten zuwendungsfähig, sollte die Gemeinde das Gebäude selbst abbrechen. "Wenn die Verkehrssicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet ist, müsste man von der Abbruchgenehmigung Gebrauch machen", kündigt allerdings Michael Greiner vom Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg an. Diese Sicherheit solle demnächst überprüft werden.

 

Und wie geht es jetzt weiter?

Demnächst soll es ein Gespräch zwischen der Stadt und dem Regierungspräsidium Stuttgart über die Zukunft des ehemaligen Gasthaus zum Ross geben. Dies haben beide Seiten auf Anfrage mitgeteilt. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.