Wie es nach der Fusion von SCI und TSV Ingelfingen aussieht

Ingelfingen  Nach der Fusion von SCI und TSV wird Kritik an der Stadt laut. Es ist nicht nur die Sache mit der Photovoltaikanlage, die den Vereinsmitgliedern missfällt. Sollte Ingelfingen die ehrenamtliche Arbeit mehr unterstützen?

Von Barbara Griesinger

Nach der Fusion mit dem SCI steht für den TSV Ingelfingen der Wunsch nach einem größeren Vereinsheim ganz oben auf der Tagesordnung - Nur das Geld dafür ist knapp

Nachdem der TSV wieder Fußballer in seinen Reihen hat, die sich nach den Spielen oft zusammensetzen, ist ein Vereinsheim ein wichtiges Thema geworden. Das Tennishäusle am Sportplatz ist auf Dauer zu klein. Doch eine Erweiterung ist teuer.

Foto: Gesper

"Wir haben ein gutes Verhältnis und großes Vertrauen in die Zukunft", umschreibt Karsten Furch, einst SCI-Vorstand, jetzt im erweiterten TSV-Vorstand, das Miteinander im Verein nach der Fusion mit dem TSV Ingelfingen. Auch im Gemeinderat "gab es Beifall von allen Plätzen", berichtet Bernd Bauer, Vereinsvorsitzender und Stadtrat in Personalunion, bei der ersten gemeinsamen Jahreshauptversammlung.

Bereits seit vergangenem Sommer kicken die SCI-ler nach rund 20 Jahren wieder in TSV-Trikots. Rechtzeitig zur ersten Jahreshauptversammlung kann Bernd Bauer nun den rechtlichen Vollzug der Vereinsvereinigung verkünden: Seit wenigen Wochen ist die Verschmelzung der beiden Vereine im Vereinsregister eingetragen und damit rechtskräftig.

Über 1000 Vereinsmitglieder im TSV

Mit 1012 Mitgliedern ist der TSV nun der mit Abstand größte Ingelfinger Verein. Dass darunter mehr als 300 Kinder und Jugendliche sind, belegt: Der Verein hat keine Nachwuchssorgen. Er sorgt für ein breites Angebot im Breitensport und kann obendrein mit sportlichen Erfolgen aufwarten. Sorge bereiten dem Vereinsvorstand indes die Finanzen und die Zusammenarbeit mit der Stadt.

Viele Mitglieder, aber knappe Kasse

Das Vereinsjahr 2018 schloss mit einem Defizit von rund 10.000 Euro ab. Hauptgrund für das Minus ist der Ausfall der Photovoltaikanlage auf dem Schuldach, die aufgrund der Schulerweiterung sieben Monate lang in den sonnenträchtigen Sommermonaten abgekoppelt werden musste. Der Verlust liegt bei rund 20.000 Euro.

Dass die Stadt, die sich auf einen nichtöffentlichen Beschluss des Gemeinderats beruft, eine Entschädigung ablehnt, kommt im Verein nicht gut an. Daran kann auch der Verzicht auf die Dachmiete in Höhe von 426,88 Euro in den Monaten, in denen die Photovoltaikanlage abgeschaltet war, nichts ändern. Zumal den Vereinsmitgliedern noch weitere Neuerungen im Miteinander von Stadt und Verein sauer aufstoßen.

Ärger mit dem Stromzähler

Um Stromkosten, höhere Lagermiete, kostenträchtige Probleme mit der Schließanlage in der Heinrich-Ehrmann-Halle geht es da unter anderem. Zusammen sorgt dies für Unmut im Verein. Erst recht, dass die Fußballer seit der Fusion im Trainingsbetrieb nicht mehr in der Sporthalle duschen dürfen, sondern ins kleine TSV-Tennisheim mit vier Duschen verwiesen wurden. "Da kriegen wir die 20 bis 25 Mann im Trainingsbetrieb geradeso unter", heißt es aus den Reihen der Fußballer. Anstatt Anerkennung für ihre ehrenamtliche Arbeit zu bekommen, fühlen sich die ehrenamtlichen Macher im Verein gegängelt und gemaßregelt. "Es gibt keine Unterstützung aus der Gemeinde, für das was wir 20 Jahren geleistet haben", moniert Günther Kress.

1000 Mitglieder und kein Vereinsheim

Die große Frage in der ersten gemeinsamen Jahreshauptversammlung kommt deshalb auch aus SCI-Reihen: Wie geht's weiter mit dem Vereinsheim? "Es ist ein Trauerspiel, dass wir als Verein mit über 1000 Mitgliedern kein Vereinsheim haben. Die Nachbarn haben alle bessere Voraussetzungen", sind sich die Fußballer einig. Es gebe Gönner, aber es brauche realisierbare Pläne - und eine schnelle Lösung.

Ausbau der Ehrmann-Halle nicht in Sicht

"In der Rücklage sind etwa 20.000 Euro. Was baut man heutzutage da noch?", fragt Vorstand Bernd Bauer rhetorisch in die Runde und verweist nicht nur auf den zweiten Bauabschnitt der Heinrich-Ehrmann-Halle, in der auch ein Vereinsheim vorgesehen sei. Auch eine langfristige Sportstättenplanung fehle in Ingelfingen, obwohl hochwasserfreie Sportplätze auch für den Schulbetrieb gebraucht würden. Doch bereits bei der Einbringung des städtischen Haushalts 2019 hat Bürgermeister Michael Bauer betont, dass nach den aktuellen millionenschweren Projekten die Investitionstätigkeit der Stadt zurückgefahren werden müsse. An einen zweiten Hallen-Bauabschnitt sei deshalb nicht zu denken, so TSV-Chef Bauer.

Tennishaus-Erweiterung auf Stelzen?

Denkbar sei am ehesten ein Ausbau des Tennisheims am Sportplatz. Nach einem Vor-Ort-Gespräch mit Vetretern des Landratsamts wäre ein Ausbau des kleinen Gebäudes im Hochwassergebiet auf einer Stelzenkonstruktion vorstellbar. Dazu sei auch kein großer Retentionsausgleich nötig. "Allerdings reden wird dann von rund 300.000 Euro. Ich seh' nicht, wo das Geld herkommen soll", sagt Bauer und schiebt nach: "Klar, dass ihr eine Unterkunft braucht. Aber ihr müsst euch um die Finanzierung kümmern."

Miteinander mit der Stadt läuft nicht rund - Kritikpunkte im Verein

Es sind viele kleine Punkte in der Zusammenarbeit mit der Stadt Ingelfingen, die im TSV zu Frust führen: Im neuen Lagerschuppen am Friedhof müsse der Verein künftig selbst den Strom bezahlen. Bei einem Verbrauch von unter zehn Euro fallen jährlich 127 Euro für den Stromzähler an. "Der Bürgermeister sagt, die Stadt dürfe keinen Strom verkaufen", erklärt TSV-Vorstand Bernd Bauer. Dass sich der Strom indes nicht pauschal abgelten lasse, versteht beim TSV niemand. Zudem sei der Mietzins des an den SCI vermieteten Lageranteils verdoppelt worden, und der TSV habe einen neuen Vertrag erhalten, obwohl der alte bis 2025 gegolten hätte.

In diesem neuen Vertrag sei von einer mietfreien Überlassung des TSV-Lageranteils die Rede, dabei habe der Verein für die Lagerfläche bereits 2001 einen Gesamtbetrag von 65 000 DM überwiesen. Zwar kann der TSV die Heinrich-Ehrmann-Halle kostenlos nutzen. Jährlich würden für beide Vereinspartner jeweils rund 499 Euro Gebühren für Hausmeister-Einsätze anfallen, wenn das Schließsystem eine nicht verschlossene Tür melde, fasst der Vereinsvorsitzende zusammen. "Für kleines Geld könnte man die Schließanlage so verbessern, dass sie einfacher zu handhaben ist. Aber das will der Bürgermeister nicht", so Bernd Bauer. Auch dass anstatt einer mit einem Beach-Volleyballfed kombinierten Kugelstoßanlage, eine reine Kugelstoßanlage in extrem großer Ausführung gibt, geht den TSV-ler nicht in den Kopf.

 


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