Wer nicht drückt, bleibt stehen

Künzelsau - Busfahren in Hohenlohe: Das kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Nicht immer läuft es rund. Das gibt sogar Roland Braun, der Leiter des Hohenloher Nahverkehrs (NVH), zu.

Von unserer Redakteurin Stefanie Jani
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Früh übt sich, wer sich im Leben durchsetzen möchte. Gerade für viele junge Schüler, die mit den höheren Jahrgängen fahren, wird das tägliche Busfahren oft zur Belastungsprobe. Foto: Stefanie Jani

Künzelsau - Busfahren in Hohenlohe: Das kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Nicht immer läuft es rund. Das gibt sogar Roland Braun, der Leiter des Hohenloher Nahverkehrs (NVH), zu. Kaum findet einmal eine Lehrerkonferenz statt und viele Schüler wollen auf einmal nach Hause fahren, schon bricht ein kleines Chaos aus.

Ungeheuerlich

"Wir haben Woche für Woche das gleiche Problem", ärgert sich Sonja Abel. Der sechsjährige Enrico fährt jeden Donnerstag von der Erich-Kästner-Schule Richtung Belsenberg. Keine weite Strecke. Für den Sechsjährigen ist das mittlerweile zur wöchentlichen Strapaze geworden. "Der Bus ist so voll, dass die Kinder zum Teil ganz vorne an der Türe stehen, ein ungeheuerlicher Anblick", sagt Abel. "Wenn die Türe aufgeht, fallen die ja beinahe alle raus." Ihr Sohn hat fast immer "Bauchweh", wenn er eingequetscht zwischen den älteren Schülern steht, denen er meist nicht mal bis zur Schulter reicht. Ärgerlich findet die Mutter vor allem, dass der NVH hier nicht schleunigst aktiv wird. "Da hab’ ich bestimmt schon 20 Mal angerufen, die reden sich halt raus."

"Wir kennen das Problem, aber eine Lösung findet sich nicht so schnell", erklärt Braun. Eine halbe Stunde später geht der nächste Bus. Wer nicht mit dem überfüllten Bus mitfahren will oder kann, der müsse eben den nächsten nehmen. Laut Satzung des Landes, die die Fahrten von Schülern regelt, müssten Kinder bis zu einer Stunde Wartezeiten in Kauf nehmen. "Diesen gesetzlichen Spielraum nutzen wir aber so gut wie nie aus", so Braun. Warum fahren keine Ersatzbusse, wenn es mal klemmt? "Fahrzeuge als Reserve haben wir nicht." Der Bus hingegen platzt so lange aus allen Nähten. Die Schüler stehen schon fast neben dem Fahrer, als der um die Kurve in Belsenberg biegt. "Das ist doch eine Unverschämtheit", faucht eine Frau, die sich aus dem Bus drückt. Walter Abel, der seinen Sohn abholen möchte, streckt sich und blickt suchend durch die Glastür.

Zu schüchtern

Eigentlich müsste Enrico mit diesem Bus an der Haltestelle ankommen. Aber wo ist er? Kurzerhand steigt der Vater ein, ruft nach seinem Sohn und hievt den Sechsjährigen aus der Masse aus Rucksäcken und Ranzen, die ihn umzingeln. "Ich war schon erschrocken, als er nicht aus dem Bus herausgekommen ist. Er hat sich einfach nicht getraut, die großen Schüler zu bitten, ihn rauszulassen." Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Braun: "Wir müssen irgendwo ein Fahrzeug wegnehmen, wenn wir dort verstärken wollen."


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