Was es auf der Lesersommer-Radtour durch Hohenlohe zu sehen gab

Hohenlohe  Kultur und Freizeit, Geschichte und Genuss: Radler erkundeten am Samstag Land und Leute auf einer facettenreichen Ausfahrt in Hohenlohe. Ein Überblick über Orte, die man als Hohenloher nicht nur kennen, sondern auch besucht haben muss.

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Hohenlohe: Das ist nicht nur der Hohenlohekreis. Und so führt die diesjährige Lesersommer-Radtour auch durch den südlichen Main-Tauber-Kreis. Der Kulturraum Hohenlohe bietet hier ebenso viel Kultur, Natur und Genuss. Und so manches Buckele, das erstrampelt werden will. Da laufen die Elektro-Motoren auf Hochtouren, während Eberhard Herrmann aus Heilbronn ganz schön schnaufen muss. Er und der Vize-Weltmeister im Kunstradfahren, José Arellano, der den Lesersommer-Klassiker einmal mehr begleitet, sind als einzige ohne E-Bikes am Start. Aber sie halten tapfer mit. Und durch. Nach dem letzten Anstieg gibt es dafür einen kräftigen Sonderapplaus.

Ferienhof Marina in Laibach

Start an diesem letzten Feriensamstag ist in Mulfingen und der erste Halt in Laibach: im Ferienhof Marina. Die Gruppe staunt nicht schlecht, was Regina Müller und ihre Familie seit 1985 auf die Beine gestellt haben. "Das war mal ein Vollerwerbshof", sagt die Hausherrin. Doch mit der Landwirtschaft war irgendwann kein Staat mehr zu machen. Jetzt kann man hier prima urlauben und feiern. "Wo ihr sitzt, war früher der Kuhstall", sagt die gelernte Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft. Kräuterpädagogin ist sie auch noch. Sie zeigt die Ferienwohnungen, das Ferienhaus - und als Höhepunkt die kuscheligen Radler-Hütten. "Die hat mein Mann aus Käferholz gezimmert."

Stuppacher Madonna

Stuppacher Madonna: Davon hat jeder schon mal gehört. Doch das Kunstwerk vor Ort gesehen? Das haben die wenigsten Teilnehmer. Umso stiller und ergriffener lauschen sie den Ausführungen von Gerlinde Dörr. Sie schafft es, die Faszination des berühmten Marienbildes in nur zwanzig Minuten auf den Punkt zu bringen. 1519 wurde es vollendet, der Künstler Matthias Grünewald hat dabei ganze Arbeit geleistet. Vor allem die Farben ziehen den Betrachter bis heute auf fast wundersame Weise in ihren Bann: "Das Bild hat eine Leuchtkraft wie vor 500 Jahren", sagt Gerlinde Dörr. Der Grund sei die besondere Farbmischung: "Das erklärt die plastische Nähe und Frische in dem Bild. Es ist hart wie Stein, transparent und dunkelt nicht nach."

Wildpark Bad Mergentheim

Im Wildpark bei Bad Mergentheim ist an diesem Samstag noch mehr los als sonst. Er ist Schauplatz der Deutschen Meisterschaft im Speedcarving. Baumstämme werden in Windeseile zu kunstvollen Skulpturen, Motorsägen heulen in einem fort. Oben werkeln die einen an themenbezogenen Auftragsarbeiten, unten starten um 14 Uhr die Wettkämpfe. "Vor vier Jahren waren wir zum ersten Mal hier", sagt Veranstalter Martin Breunig. Speed-carving passe sehr gut in den Wildpark. Weshalb auch die Geschäftsführer Marcus und Stephan Rügamer zufrieden sind. Schließlich setzen sie stark auf Events und Sonderaktionen in ihrem Freizeitpark.

Weingut Braun in Markelsheim

Der Weinort Markelsheim wird dominiert von der örtlichen Genossenschaft. Nur einen privaten Erzeuger gibt es noch: das Weingut Braun. Und eine aufgeweckte Jung-Winzerin, die voller Tatendrang dem großen Konkurrenten trotzt: Madlen Braun. "2010 haben wir die Genossenschaft verlassen", sagt sie. Seitdem keltern, vermarkten und verkaufen sie ihren Wein selbst. Acht Rebsorten bieten sie an. "Das Highlight ist der Tauberschwarz, die Rebe gibt es nur im Taubertal." Die Radler dürfen kosten: erst die weiße, dann die rote Variante.

Unter der Dorflinde in Hollenbach

Lindenblütensirup mit Sekt gibt es in Hollenbach unter der mächtigen Linde. 800 Jahre ist das Dorf schon alt, "wir haben fünf Tage gefeiert", sagt Ortsvorsteher Gerhard Hirschlein. Dieser Platz, er atmet Geschichte, auch die Leser verfallen seinem Zauber. Und sind ganz Ohr, als Edeltraud Ziegler das Wort ergreift. Die Autorin des Heimatbuchs kennt Hollenbach wie keine Zweite. Das spürt man in jeder Sekunde.

 

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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