So sieht Alexander Gerst Künzelsau aus dem All

Hohenlohe/Weltall  Alexander Gerst beweist Heimatliebe: Aus dem All twittert der gebürtige Künzelsauer einen Bildausschnitt, auf dem Hohenlohe zu sehen ist. Dazu gibt's eine liebevolle Botschaft von der ISS.

Von Patricia Okrafka

Der Astronaut Alexander Gerst ist populär, eloquent und verleugnet seine Wurzeln in Hohenlohe nicht. Trotz seiner Mission, denkt er immer noch an seine Heimat. Das beweist er wieder einmal mit einem spektakulären Weltall-Bild, das er beim Nachrichtendienst Twitter gepostet hat.

Der Blick von oben auf Hohenlohe

Alexander Gerst blickt während seines Fluges mit der Internationalen Raumstation ISS durch ein Fenster in der Kuppel auf die Erde. Dass dieser Anblick ein unglaubliches Gefühl sei, hat Alexander Gerst oft beschrieben, seit er auf seiner Langzeitmission im All auf der ISS war. Auch dass dieser Anblick, in ihm ganz besondere Gefühle für diesen blauen Planeten Erde geweckt habe.

Diese Gedanken hat Gerst nach seiner ersten Mission "Blue Dot" immer wieder öffentlich gemacht. Und überall dafür geworben, sich stärker für den Erhalt der Erde einzusetzen: "Wenn man die Erde von oben sieht, merkt man wie verletzlich unser Planet ist", betont der Künzelsauer Astronaut. "Wir gehen nicht sehr achtsam mit unserer Heimat um. Die Erde interessiert es aber nicht, ob wir auf ihr leben."
 

Haben Sie Künzelsau, Öhringen, Kocher und Jagst auf dem Foto von Alexander Gerst gefunden? Hier ist eine kleine Orientierungshilfe:

Hohenlohe aus dem All
Diese Aufnahme von Hohenlohe aus dem All hat Alexander Gerst bei Twitter gepostet. Foto: Alexander Gerst

Wer das Foto in höherer Auflösung ansehen möchte, findet es auf dem Flickr-Account von Alexander Gerst.
 

Das ahnte in Hohenlohe niemand

Es sind vor allem diese Sätze, die dazu beigetragen haben, den Hohenloher in ganz Deutschland populär zu machen. Den Mann, der es geschafft hat, als einer unter mehr als 8000 Bewerbern zum ESA-Astronauten ernannt zu werden.

Dass der gebürtige Künzelsauer Alexander Gerst einmal ins All zur ISS fliegen würde, ahnte in Hohenlohe natürlich niemand. Dass er aber ein besonders ehrgeiziger Schüler war, erkannten seine Lehrer schon früh. "Er war im Vergleich zu den anderen Schülern auffällig interessiert, das sagen alle Lehrer, die ihn unterrichtet haben", betont Wolfgang Roll, heute Schulleiter an der Gewerblichen Schule in Öhringen.

Trotz allem ist der Künzelsauer bescheiden geblieben, auch wenn Gerst inzwischen in Deutschland fast als Superstar behandelt wird und in zahlreichen Fernsehshows auftritt. Dennoch habe er sich kaum verändert, sagt einer, der ihn gut kennt. "Alex ist sich treu geblieben und völlig allürenfrei", betont Frank Winkler. Der Sänger der Hohenloher Mundartband Annâweech und Betreiber von Winklers Weinstube in Forchtenberg kannte den Astronauten schon, als er ein kleiner Junge war.

 

Mister Cool

Mit "Mister Cool" hat die Band dem großen Sohn der Region sogar ein eigenes Lied gewidmet. Und bis heute kommt Alexander Gerst nach wie vor regelmäßig nach Hohenlohe, schlendert über den Niedernhaller Weinachtsmarkt, wo seine Familie lebt, oder schaut einfach mal beim Stadtfest in Künzelsau oder auf den Wertwiesen am Kocher vorbei.
 

 


"Wenn er in der Region ist, besucht er auch uns und unsere Weinstube gerne, zusammen mit seinen Freunden. Und er isst meist seinen geliebten Tessiner Toast", sagt Winkler. Seine anderen Lieblingsspeisen wie Käsespätzle, Maultaschen und Linsen mit Spätzle dürfen auch im Weltall nicht fehlen.

Die Weltraumreise könnte für Alexander Gerst also weitergehen, weit über die ISS hinaus, zu ganz anderen Horizonten. Denn der Hohenloher ist am 3. Mai gerade mal 42 Jahre alt geworden. Da bleibt noch viel Zeit für Expeditionen in ganz andere Sphären.

 

Lebenslauf von Alexander Gerst

Alexander Gerst wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau geboren. Am Technischen Gymnasium in Öhringen legte er 1995 das Abitur ab. Danach leistete er Zivildienst und bereiste anschließend als Rucksacktourist verschiedene Länder. Vor allem die Vulkane Neuseelands beeindruckten ihn sehr. Später studierte er Geophysik an der Universität Karlsruhe, wo er auch das Diplom ablegte. 2006 war er Sommerstipendiat des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Beim Auswahlverfahren der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) setzte sich Gerst gegen 8407 andere Bewerber durch und wurde als einziger Deutscher unter sechs neuen Astronauten am 20. Mai 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 18. September 2011 nominierte die Esa Gerst für einen Raumflug zur Internationalen Raumstation ISS. Der erfolgreiche Nachtstart von Sojus TMA-13M war am 28. Mai 2014 um 19.57 Weltzeit in Baikonur. Gerst war als Bordingenieur der ISS-Expeditionen 40 und 41 bis zum 10. November 2014 im All.

Er ist nach Thomas Reiter und Hans Schlegel der dritte deutsche Astronaut auf der ISS. Am 18. Mai 2016 teilte die ESA mit, dass Alexander Gerst für einen zweiten Flug zur Internationalen Raumstation eingeplant ist. Gersts Langzeitmission soll vom 6. Juni 2018 bis Dezember 2018 dauern. Für drei Monate soll er, als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer, auch die Funktion des Kommandanten übernehmen. Als Missionsbezeichnung wurde der Name Horizons gewählt.

 


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