So leicht und spaßig wie er aussieht, ist der Criesbacher Buttenlauf nicht

Ingelfingen  Für die Läufer war der Buttenlauf ganz schön schweißtreibend. Mit einer gut gefüllten Butte auf dem Rücken über Hindernisse - das ist nicht unbedingt ein Spaziergang. Mit bis zu 70 Kilo im Kreuz ging es durch den Hindernisparcours auf den Kocherwiesen.

Von Barbara Griesinger
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"Ein toller Job", schwärmt Johannes Nader. Im Gegensatz zu den Teilnehmern erwartet den Moderator des Buttenlaufs beim Criesbacher Weinfest ein gemütlicher Sonntagnachmittag: Unterm Sonnenschirm sitzt er im Schatten hoch oben. Von dort hat er nicht nur einen guten Blick auf den Hindernisparcours, der auf den Kocherwiesen aufgebaut ist. Mit den beiden frisch gebackenen Hohenloher Weinhoheiten Mathea und Marleen hat er charmante Nachbarinnen auf der Bierbank, und der Muskateller im Glas ist angenehm kühl - da kann man dem Lauf gelassen und entspannt entgegen sehen.

Keine Nachwuchssorgen beim Buttenlauf

Für die Läufer werden die nächsten ein bis zwei Stunden dagegen ganz schön schweißtreibend. Mit einer gut gefüllten Butte auf dem Rücken über Hindernisse - das ist nicht unbedingt ein Spaziergang. Erst recht nicht, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint. Vielleicht ist deshalb der Andrang unter den Buttenläufern nicht ganz so groß wie in früheren Jahren: Neun Männerteams und nur eine Frauenmannschaft haben sich auf den Kocherwiesen eingefunden. Immerhin sind auch fünf Kinder-Teams mit dabei. Um die Zukunft ihrer Buttenlauftradition müssen sich die Criesbacher also keine Sorgen machen.

Ein Parcours, der es in sich hat

Der Parcours ist jedes Jahr derselbe: Doppeldurchgang, Wippe und Schwebebalken, Überstieg, Durchgang und Luftballon-Podest. Dann folgt die Station mit der schnellen Trinkpause, der Eimer zum Nachfüllen der Butte und schließlich die Treppe hinauf zur Gölte, in die der Butteninhalt geleert wird. Die Mannschaft, die das meiste Wasser zur Gölte schleppt, die Hindernisse ohne Fehltritt und damit ohne Punkteabzug meistert und schließlich am schnellsten wieder am Startpunkt ist, hat gewonnen. Hört sich gar nicht so schwer an - ist es aber.

Für den Nachwuchs gibt es roten Traubensaft 

Der Nachwuchs hat es etwas leichter: Die Butten sind kleiner und damit auch leichter. Und anstatt des Weins, den die Läufer hinunterstürzen müssen, gibt es roten Traubensaft. Aber schon das erste Hindernis, der Doppeldurchgang, hat es in sich. Um nicht stecken zu bleiben, müssen sich die Läufer seitlich durch die Balken drehen. "Reißt net wie die Ochs"n im Doppeldurchgang. Irgendwann ist das beste Material kaputt" mahnt Johannes Nader durchs Mikro pfleglichen Umgang mit den Butten an. Langsam und bedacht bewegt sich der Nachwuchs durch den Parcours, um ja keinen Fehltritt zu machen. Erst auf dem Rückweg geben die Kids richtig Gas. Mit satten 134 Punkten macht "Meine Lieblingsmannschaft" mit Julius Hofmann und Alina Dörr den ersten Platz.

Übung macht den Meister

"Am besten übt man vorher, damit man den Dreh raus hat", weiß Nader aus Erfahrung. Schließlich hat er den Parcours drei Mal allein und einmal im Team durchlaufen. Ein Klepsauer Buttenläufer-Team ist genau aus diesem Grund nach Criesbach gekommen. Sie üben für den Buttenlauf bei ihrem eigenen Weinfest am letzten August-Wochenende. Aber in Criesbach haben sie Pech: Ein Teammitglied rutscht aus und stürzt - aus ist der Traum vom Wanderpokal. Da hat es das einzige Frauenteam besser: Zwar haben die "Weinengel" mit der schweren Butte im Kreuz ganz schön zu kämpfen, aber der Sieg ist ihnen mit 92 Punkten gewiss - mangels Konkurrenz, aber immerhin.

Mit dem Parcours auf du und du

Die Sieger bei den Herren sind dagegen echte Profis. Man muss kein Buttenlauf-Insider sein, um mit einem Blick zu erkennen, dass für Yannick Kraft, Johannes Wilhelm und Maxi Stier der Parcours ein guter alter Bekannter ist. Gekonnt drehen sie sich durch den Doppeldurchgang, und auch beim Butte-Nachfüllen geht so gut wie nix daneben. Kein Wunder: Das Team "S'pressiert wie d'Sau" war die letzten drei Mal in Folge Sieger beim Buttenlauf. Nun können sie den Wanderpokal zum vierten Mal mit nach Hause nehmen und mit Wein füllen - na dann: Prosit.

 

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