Schwierige Kindergartenplanung in Mulfingen

Mulfingen  Der Gemeinderat treibt Pläne für Kindergärten voran. Doch bei den veranschlagten Kosten für zwei nun vorgestellte Einrichtungen müssen einige Gemeinderäte schlucken - zudem steht ein Bürgerentscheid zum Standort am Wertplatz aus.

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Großzügig ist auch die geplante Kindertagesstätte in Hollenbach bemessen. Dort soll auch die Ortschaftsverwaltung eine Geschäftsstelle bekommen.

Keine Gemeinderatssitzung ohne Kita. Fast zwei Stunden nahmen sich Verwaltung und Gemeinderäte Zeit, um am vergangenen Mittwoch erneut über den wichtigsten Tagesordnungspunkt zu reden: die Vorstellung der Planungen der Kindertagesstätten in Mulfingen und Hollenbach.

Dazu hatte sich Bürgermeister Robert Böhnel wieder den geballten externen Sachverstand in die Ratssitzung geholt. Neben der Sozialpädagogin Kariane Höhn aus Tübingen und der Architektin Margit Munz aus Gaildorf, saßen auch die Leiterinnen der Mulfinger Kindergarteneinrichtungen Sabine Stier, Elke Rettenmaier und Anja Reinecke am Verwaltungstisch.

Prächtige Kinder

"Wir stellen Ihnen heute zwei prächtige Kinder vor", betont Kariane Höhn mit Blick auf die beiden geplanten Einrichtungen. Doch zunächst mussten sich die Räte und die zahlreichen Zuhörer im vollen Ratssaal zum wiederholten Male die Vorgeschichte zum Neubau der Kindergarteneinrichtungen anhören.

Dann stellte Margit Munz tatsächlich zwei prächtige Bauwerke vor. Die geplanten Kitas am Wertplatz in Mulfingen und im Ortszentrum von Hollenbach sind gekennzeichnet von großzügigen Gruppen- und Schlafräumen für die verschiedenen Altersgruppen, umfangreichen Spielflächen im Freien, Funktionsräumen für alle Altersgruppen von eins bis sechs Jahren, modernen Sanitärbereichen, Schmutzschleusen, pädagogische Küchen, überdachte Außenbereiche als zusätzliche Spielräume und großzügigen Räume für das Personal.

Großzügige Spielflächen im Freien

Rechnung mit Unbekannten

Viel Platz in der Kindertagestätte und auf dem Freigelände: So soll nach ersten Plänen die neue Kita am Mulfinger Wertplatz aussehen.

Fotos: privat

Für den sechsgruppigen Kindergarten in Mulfingen sind allein 1545 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Stockwerken vorgesehen. Der Außenbereich ist mit 1500 Quadratmetern Fläche ebenfalls großzügig bemessen. In Hollenbach weist der dreigruppige Kindergarten immerhin eine Nutzfläche von 823 Quadratmetern und umfangreiche Spielflächen im Freien auf.

Dort soll in abgetrennten Räumen zusätzlich die Ortsverwaltung des Teilortes untergebracht werden. "Wir haben wirklich sehr großzügig geplant", betont Margit Munz. Das merkt man auch beim Preis. Für den Neubau des Kindergartens in Mulfingen rechnet die Architektin mit 4,8 Millionen Euro, der Bau in Hollenbach wird mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

Kritik an hohen Kosten

Da muss der eine oder andere Gemeinderat dann doch schlucken. "Ich finde beide Pläne sehr gelungen, aber die 7,3 Millionen liegen mir schon in der Magengrube, dafür haben wir eigentlich drei Kindergärten geplant", wirft Martin Landwehr ein. Schließlich muss auch in Jagstberg neu gebaut werden. Zuschüsse sind zwar beantragt, angesichts der leeren Fördertöpfe derzeit allerdings nicht in Sicht.

"Ich finde die Entwürfe auch sehr gut, und man muss den Kindern das Bestmögliche bieten. Ich möchte aber wissen, was uns der Luxus kostet", ergänzt Thomas Lanig. "Ich kann die Kür rausrechnen, aber nicht auf die Schnelle", betont Munz. Robert Böhnel sichert dem Rat zu, die Kosten in einer der nächsten Sitzungen aufzuschlüsseln. Auch den Vorschlag von Armin Deubler über beide Kindergartenpläne getrennt abzustimmen, nimmt Böhnel an.

Bürgerentscheid als Hürde

Schließlich steht der Bürgerentscheid am 26. Januar 2020 vor der Tür, der den Standort Wertplatz infrage stellt. "Gegen die vorgestellten Pläne an sich gibt es nichts zu sagen, aber man muss doch den Bürgerentscheid abwarten, das kostet doch alles Geld, was wir da machen", kritisiert Deubler. Er hatte den Standort am Wertplatz von Anfang an abgelehnt. Als Gründe nennen die Gegner eine mögliche Hochwassergefahr und die Ferne von der Ortsmitte. Sie schlagen den Standort an der Stauseehalle vor, der aufgrund der Hanglage allerdings Mehrkosten verursachen würde.

"Ich denke die Maximalanforderungen liegen jetzt auf dem Tisch, jetzt müssen wir den Bürgerentscheid abwarten und dann sehen, was der Haushalt in den nächsten Jahren hergibt", betont Deubler. Mit den vier Gegenstimmen der Räte Prümmer, Mavridis, Deubler und Ostermayer segnet der Rat die Planungen in Mulfingen ab. Die Pläne für Hollenbach wurden bei einer Enthaltung angenommen.


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Februar 2016 bei der Stimme. Zuvor war der ehemalige Fußballer als Radioreporter und Magazinmacher unterwegs. Für die HZ berichtet er überwiegend über Künzelsau und Umgebung.  

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