Schwertransport leistet Millimeterarbeit

Ingelfingen  Ingelfingen - Die Männer ziehen, schieben und schrauben. Spannung liegt in der Luft. Heute wird ein neuer Trafo für das Umspannwerk in Ingelfingen geliefert. Dabei muss die kleine Brücke mit 60 Tonnen belastet werden.

Von Anna-Lena Sieber

Schwertransport leistet Millimeterarbeit
Um den alten Trafo vom Netz abzuklemmen, muss man hoch hinaus.

Ingelfingen - Die Männer ziehen, schieben und schrauben. Spannung liegt in der Luft. Heute wird ein neuer Trafo für das Umspannwerk in Ingelfingen geliefert. Dabei muss die kleine Brücke mit 60 Tonnen belastet werden. Zusammen mit dem Gewicht des Tiefladers, ist man dann schnell bei 100 Tonnen. Belastbar ist die Brücke jedoch nur bis zwölf Tonnen.

Und was nun? Um so einen Transport möglich zu machen, am besten ohne dass die Brücke bricht, hat der Energieversorger EnBW die Spedition Kübler aus Michelfeld bei Schwäbisch Hall engagiert. Sie war auch verantwortlich für das "schwerste Projekt, das in Deutschland über die Straße gebracht worden ist", wie Frieder Saam von der Spedition stolz betont: den Transport der Concord ins Sinsheimer Automuseum.

Tausendfüßler

Der heutige Transport ist aber auch für die Spezialisten Neuland. Geschäftsführer Heinz Rößler ist deshalb trotz freiem Tag angereist, um dabei zu sein. "Sowas haben wir noch nie gemacht, das interessiert mich dann einfach", so Rößler. Das Neue ist, dass der Trafo nicht über die Brücke gefahren, sondern über die Spezialtieflader gezogen wird.

Die Achsen sind so verteilt, dass zehn vor der Brücke stehen und zehn hinter ihr. Pro Achse hat der Tieflader acht Räder. Insgesamt steht der Trafo auf 256 Reifen. "Das Ding ist wie ein Tausendfüßler", meint Jürgen Sandhöfer von der EnBW in Öhringen. Die Räder, die sich auf der Brücke befinden, werden angehoben, sodass die Last des Trafos allein von denen an den Rändern der Brücke getragen wird. "So bauen wir dann eine Brücke über der Brücke", erklärt Geschäftsführer Rößler. Stahlseile aus Seilwinden halten den 60 Tonnen Trafo von hinten und von vorne. "Wenn so ein Ding erst mal in Bewegung ist, dann ist alles zu spät", meint Sandhöfner. Die Seile sollen den Trafo über die Schienen ziehen.

Das Ungetüm passiert das Zwölf-Tonnen-Warnschild ganz langsam. "Der Statiker hat gemeint: Wenn die Brücke bricht, tut sie das in einem Stück", erzählt Sandhöfner wenig beruhigend. Aber die Brücke hält. Und so kann der Trafo das letzte Stück zu seinem Bestimmungsort gefahren werden. Dort ist der alte bereits abmontiert.

Versorgungssicherheit

Die EnBW hat zusammen mit einer neuen Elektrotechnik 1,8 Millionen Euro in den Trafo gesteckt. "Wir investieren hier in die Versorgungssicherheit und rüsten das regionale Stromnetz für künftige Anforderungen", erklärt Friedrich Retzbach, Kommunalberater der EnBW.

Auch die regenerativen Energien spielen hier eine Rolle. "Früher musste der Trafo nur Strom abgeben, jetzt kommt auch welcher rein." meint Hilsenbek. Gerade das erfordere eben eine deutlich höhere Leistung.

Hintergrund: Transformator

Das Umspannwerk Ingelfingen versorgt Kocher- und Jagsttal mit Strom. Der Trafo hat die Aufgabe, die Spannung zu regulieren. „Wenn man seinen Fön gleich an die Hochspannungsleitung klemmen würde, würde mindestens der Fön kaputtgehen“, erklärt Philipp Hilsenbek. als
 

Schwertransport leistet Millimeterarbeit
Zentimeter für Zentimeter ziehen die Stahlseile den Trafo über die Tieflader. Immer wieder müssen die Räder mit einer Handseilwinde in die richtige Richtung gedreht werden.Fotos: Anna-Lena Sieber

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