Schatzkinder vor dem Aus

Künzelsau  Der private Kindergarten in Nagelsberg ist nicht mehr im Bedarfsplan der Stadt. Leiterin Elvira Jakobi will weiterkämpfen.

Von Thomas Zimmermann

Schatzkinder vor dem Aus

Elvira Jakobi (links) hofft darauf, dass sie ihr Kindergartenprojekt noch verwirklichen kann. Einige Eltern würden sich freuen.

Foto: Thomas Zimmermann

Die Freude der Kindergartenleiterin Elvira Jakobi währte nur kurz. Im Februar dieses Jahres hatte der Künzelsauer Gemeinderat zugestimmt, ihren privaten Kindergarten "Schatzkinder" im Ortsteil Nagelsberg in die Bedarfsplanung der Stadt für Kinder über drei Jahren (Ü 3)aufzunehmen (wir berichteten). Zwei Monate später wurde in den Vertrag über den Betrieb der Kindertageseinrichtung die Regelung aufgenommen, dass der Zuschuss erst ab dem Monat gewährt wird, in dem zehn Kinder den Kindergarten besuchen.

In der Sitzung am 23. Juli hat der Gemeinderat dann mit großer Mehrheit beschlossen, die Schatzkinder nicht mehr in die Bedarfsplanung für das Jahr 2019/2020 aufzunehmen. Die Stadtverwaltung hatte dies vorgeschlagen.

Wirtschaftliche Gründe

"Die Aufnahme war aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich", betont die Künzelsauer Hauptamtsleiterin Carmen Class. Zudem seien die Angaben, die Elvira Jakobi an das Rathaus gemeldet hätte, widersprüchlich. "Kinder, die uns gemeldet wurden, waren auch bei anderen Kindergärten angemeldet", so die Hauptamtsleiterin. Bei einem Vor-Ort-Besuch einer Verwaltungsmitarbeiterin sei nicht ein Kind anwesend gewesen.

Außerdem bestehe für das Kindergartenjahr 2019/2020 sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht kein Bedarf für die Aufnahme der "Schatzkinder" in den Bedarfsplan. "Wir haben derzeit für Ü 3 insgesamt 40 freie Plätze in der Stadt", unterstreicht Carmen Class. Eine Prognose der Kommunalentwicklungs GmbH hatte 2018 noch einen Bedarf ermittelt.

Streit um Konzept und Geld

Elvira Jakobi sagt, die Verwaltung hätte ihr gegenüber nicht mit offenen Karten gespielt. "Es war ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel. Die Stadt hat bei den Eltern, die zu mir kommen wollten, plötzlich angerufen und ihnen andere Kindergartenplätze angeboten", lautet der Vorwurf. Außerdem habe sie bis heute keinen Cent von der Stadt bekommen. Die Diplom-Pädagogin verweist zudem auf ihr bilinguales Konzept. "Unser Schwerpunkt liegt darauf, den Kindern schnell deutsch beizubringen, auf Wunsch auch noch englisch", betont Jakobi. Ein Konzept, das vor allem bei Russlanddeutschen attraktiv ist.

Unterstützung durch Eltern

Deshalb will sie auch noch nicht aufgeben. An einem Spielenachmittag in der vergangenen Woche waren sieben Kinder mit ihren Eltern anwesend. "Der Kindergarten hier ist super. Hier wird mein Kind ideal gefördert", betont Svetlana G. Ihr Sohn Maxim hat Hörprobleme und trägt Hörgeräte. "In einem Kindergarten hat man mir gesagt, ich soll mein Kind in den Behindertenkindergarten geben. Aber mein Kind ist doch nicht behindert", klagt die Mutter. "Ich hatte einen Platz auf den Taläckern und war sehr unzufrieden. Mein Kind ist sehr aktiv, und seit Ruzlan hier ist, ist es viel besser geworden", berichtet Viktorya Schremf. Auch Carmen Stang aus Nagelsberg würde ihre einjährigen Zwillinge gerne zu den Schatzkindern bringen. Allerdings hat die Kita für unter Dreijährige keine Betriebsgenehmigung. Der geplante Ausbau wurde wegen der unklaren Situation verschoben.

Gegen die Ablehnung der Aufnahme in den Bedarfsplan hat Elvira Jakobi Widerspruch eingelegt. Auch einen Anwalt hat sie eingeschaltet. Er wirft dem Gemeinderat "treuwidriges und widersprüchliches Verhalten" vor. "Man kann den Kindergarten nicht vorbehaltlos in die Bedarfsplanung aufnehmen, um zwei Monate später die Aufnahme faktisch zurückzunehmen", betont Anwalt Tobias Friedrich. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr. Denn die finanziellen Rücklagen sind inzwischen aufgebraucht.


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