Rettungversuch einer Bürgergruppe gescheitert

Haus Schöller in Künzelsau wird Ende Mai abgebrochen - Gemeinderat bestätigt mit Mehrheit einen früheren Beschluss

Von Wendelin Schmidt
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Letzter Rettungversuch einer Bürgergruppe ist gescheitert
Letzter Rettungversuch einer Bürgergruppe ist gescheitert

Von Wendelin Schmidt

Obwohl die Vergabe der für Ende Mai vorgesehenen Abbrucharbeiten erst als Punkt sieben auf der Tagesordnung stand, beherrschte das Thema schon die Bürgerfragestunde. Die Besucherstühle waren am Dienstagabend ausnahmslos besetzt, und auch auf der Empore saßen Zuhörer. Mehrere Bürger meldeten sich zu Wort und plädierten für den Erhalt des Gebäudes oder zumindest der unter dem Putz liegenden Fachwerkfassade.

Klaus Ottenbacher zitierte aus dem Stadtleitbild, in dem unter anderem auf das „Zentrum mit Geschichte“ und auf „frühzeitige“ Informationen durch die Stadtverwaltung verwiesen werde: „Noch steht das Haus. Entscheiden Sie bitte nach dem Stadtleitbild“. Hans-Peter Kurrle: „Bevor nicht geklärt ist, ob ein neues Gebäude in das Stadtbild passt, ist der Abriss nicht machbar.“ Michael Kannenberg bat darum, den Abbruch auszusetzen und den Beschluss noch einmal zu überdenken.

Wichtrud Haag-Beckert und Michael Precht forderten die Stadt zu einer „langfristigen Bauplanung“ auf. Die Stadt informiere die Bürger jedes Jahr über die Stadtentwicklung, sagte Bürgermeister Volker Lenz. Im Fall Haus Schöller sei nach dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderates, das nicht denkmalgeschützte und zu „üblichen, normalen Voraussetzungen“ nicht zu erhaltende Gebäude abzubrechen, sowohl in der Presse als auch im städtischen Amtsblatt mehrfach mit Bild über das geplante Vorgehen informiert worden. Er wundere sich, dass er dem Gemeinderat das Fachwerk „vorenthalten“ haben solle: „Der Gemeinderat wusste von dem Fachwerk. Die entscheidende Rolle hat gespielt, dass Fachleute gesagt haben, das Gebäude ist nicht zu erhalten. Mir wäre sehr wohl, wenn wir alle Denkmäler erhalten könnten, wie sie es verdienen“. Das habe die Stadt durch den Kauf mehrerer denkmalgeschützter Gebäude bewiesen, die aber in ihrer Substanz noch erhalten werden könnten.

Mit einem Antrag zur Geschäftsordnung wollte Stadtrat Wilhelm Lüdemann die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrechen, damit die Gemeinderäte mit den Bürgern diskutieren könnten, was in der Bürgerfragestunde nicht möglich ist. Michael Schierle regte an, die Vergabe der Abbrucharbeiten als Tagesordnungspunkt abzusetzen und so allen einen Denkpause bis zur nächsten Sitzung zu ermöglichen. Für Sitzungsuntebrechung und Diskussion stimmte außer Wilhelm Lüdemann niemand, die Absetzung des Tagesordnungspunktes lehnte der Gemeinderat mit Mehrheit gegen 13 Ja-Stimmen ab.

Nachdem dann Gerhard Leupold von der NOW einen Vortrag über „Liberalisierung und Privatisierung in der Wasserwirtschaft“ gehalten hatte und weitere Punkte abgehandelt waren, kam es zu einer ausgiebigen Diskussion über den Abbruch des Hauses Schöller, der schließlich mit deutlicher Mehrheit gegen 11 Nein-Stimmen an die Firma Uysal aus Heilbronn zum Angebotspreis von 77 000 Euro vergeben wurde.


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