Raiba Hohenloher Land: Fusion trägt Früchte

Hohenlohe  Die neue Raiffeisenbank Hohenloher Land hat den ersten Test auf dem Markt bestanden. Der Vorstand präsentiert zufriedenstellende Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2019.

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Raiba Hohenloher Land: Fusion trägt Früchte

Die Vorstände Andreas Siebert (Vorsitzender), Stefan Häring (stv. Vorsitzender), Dieter Frölich und Martin Krenkler in der Bretzfelder Geschäftsstelle (v.l.).

Foto: Ralf Reichert

Auf dem Papier wurde die Fusion zum 1. Januar 2019 vollzogen, auf dem Markt trat die Raiffeisenbank Hohenloher Land erstmals am 16. September in Erscheinung, nachdem alle technischen Systeme scharf gestellt worden waren. Wie ist die Stimmung ein halbes Jahr danach?

Zusammenschluss gilt als "voller Erfolg"

Das Vorstands-Quartett macht einen zufriedenen Eindruck. Als "vollen Erfolg" bezeichnet Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert den Zusammenschluss der Raiffeisenbanken Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein. Und lässt Zahlen sprechen: "2019 war sehr anstrengend und arbeitsintensiv, aber es war für uns ein richtig gutes Jahr."

Das Kreditgeschäft sei um 7,4 Prozent gewachsen, das entspreche einem Plus um 50 Millionen Euro auf jetzt 732 Millionen Euro. Es sei genau das eingetreten, was man sich von der Fusion versprochen habe, so Siebert. Die einstigen Schwerpunkte beider Banken hätten sich prima ergänzt: das Kreditgeschäft mit Firmenkunden hier (Kocher-Jagst), das private Wohnungsbaugeschäft dort (Bretzfeld-Neuenstein). Dass die Einlagen nur um 0,9 Prozent auf 810 Millionen Euro gestiegen seien, darüber sind er und seine Vorstandskollegen ganz froh in Zeiten von Negativzinsen. "Da sind wir ,besser" als geplant, denn wir hatten eigentlich ein Plus von drei Prozent im Blick."

Der Zinsüberschuss ist trotzdem ins Minus gerutscht: um 2,4 Prozent oder 424.000 Euro auf 17 Millionen Euro. Dafür haben die Berater kräftig Verträge an die Verbundpartner vermittelt (Bausparen, Versicherungen, Investmentfonds, Zertifikate). Das sicherte der Raiba Hohenloher Land hohe Provisionen. Der Überschuss kletterte um 11,7 Prozent oder 703.000 Euro auf 6,7 Millionen Euro. "Damit konnten wir den sinkenden Zinsüberschuss sogar überkompensieren."

Die Personalkosten liegen etwas höher, die Sachkosten bleiben konstant. Unterm Strich bedeutet dies: Das operative - und gesunkene - Betriebsergebnis von 6,7 Millionen Euro sei "zufriedenstellend", der bewertete - und gestiegene - Gewinn "sehr zufriedenstellend". Für die rund 25.000 Mitglieder soll eine Dividende von drei Prozent herausspringen - ein Prozentpunkt weniger. "Uns bleibt keine andere Wahl, als die Rücklagen weiter zu stärken. Das Thema Eigenkapital ist das Nadelöhr, die Regulatorik ist immer schärfer. Trotzdem liegt die Rendite weit über dem Markt."

Wie reagieren Kunden und Mitarbeiter auf die Fusion?

Was hat die Fusion gekostet? "924.000 Euro", erklärt Siebert. Wie lief die technische Umsetzung? Außer kleineren Problemen rund. Was sagten die Kunden? Anfangs hatten sie noch viele Fragen - trotz eines Infobriefs. Mittlerweile sei alles im Lot. "Ich kenne keinen Kunden, der uns nach oder wegen der Fusion verlassen hat", so Siebert. Ganz im Gegenteil. Fünf bis zehn neue Firmenkunden seien bereits im Portfolio, "die vor der Fusion weder hier noch dort zu bedienen gewesen wären". Das heißt: Die Raiba kann jetzt bei der Kreditvergabe mit ganz anderen Summen hantieren und wird so auch für größere Firmen attraktiv.

Wie reagierten die Mitglieder? "Im Bereich Kocher-Jagst wird diskutiert über das Beschlussorgan Vertreterversammlung. Das ist dort noch nicht so transparent, weil man es ja so nicht kannte", sagt Siebert. Bei der Raiba Kocher-Jagst gab es eine Generalversammlung. Wie haben die Mitarbeiter die Umstellung gemeistert? "Drei Personen haben sich verändert, was wir so nicht erwartet haben: sei es wegen längeren Fahrtwegen oder wegen anderen beruflichen Vorstellungen." Insgesamt habe die fusionierte Bank fünf Mitarbeiter weniger, weil auch jüngere Kollegen erstmal etwas anderes machen wollten. "Das war aber nicht so gewollt", betont Siebert, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen gegeben habe und alle Stellen wiederbesetzt würden. Derzeit hat die Bank 173 Mitarbeiter.

Vorstand schrumpft ab 1. Dezember 2020

Auch die Zahl der Geschäftsstellen soll konstant bei 18 bleiben. Nur Hollenbach könnte zu einer SB-Stelle umgewandelt werden. Klar ist, dass die Vorstände Martin Krenkler und Dieter Frölich zum 1. Dezember 2020 in Ruhestand gehen und aus dem Vorstands-Quartett dann ein Vorstands-Duo werden wird.

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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