Nager mit Wutpotenzial: Biber-Management in Hohenlohe

Krautheim  Das Jagsttal ist mittlerweile ein Hotspot für die nachtaktiven Nager. In Krautheim fand nun das jährliche Treffen der Biberberater des Regierungsbezirks Stuttgart statt. Das sind ihre Aufgaben.

Email

"Ich mache doch auch nur meine Arbeit", scheint dieser Biber sagen zu wollen. Doch die Schäden, die die streng geschützten Tiere anrichten, sind oft nicht nur teuer, sondern teilweise auch verheerend.

Foto: Archiv/dpa

Keine Frage: Die stets beschäftigten Nager sind niedlich anzuschauen. Doch nicht jeder schaut mit Freude Bibern bei ihrer Arbeit zu. Seit ihrer Rückkehr ins Jagsttal Ende der 1990er Jahre haben sie manch einem die Zornesröte ins Gesicht getrieben.

Wo das nachtaktive Tier wieder heimisch wird, ist Ärger programmiert: Biberdämme, die Überflutungen auf angrenzenden Äckern verursachen, gefällte Obstbäume und abgefressene Maisfelder − wer derartige Schäden zu beklagen hat, wünscht dem Pelztier den Tod an den Hals.

Fleißiges Tierchen mit Wutpotenzial

Die Biberberater schauen sich den Ablauf des Regenüberlaufbeckens in Unterginsbach an. Dieser wurde durch einen Drahtkorb vor dem Biber geschützt.

Foto: privat

Auch die hohe Weide, die seit kurzem in Schwäbisch Hall im Kocher wenige Meter unterhalb der Friedensbrücke treibt, geht auf die Rechnung des tierischen Holzfällers. Daniel Peterhansl, Biberberater in Krautheim, betont: "Der Biber steht noch auf der roten Liste der bedrohten Arten. Er genießt, bis auf wenige Ausnahmen, Narrenfreiheit." Auf die Pelztiere zu schießen, sie zu vergiften oder ihre Dämme einzureißen ist strengstens verboten. Wenn sich der Biber in einer Gegend wohl fühle, bleibe den Menschen dort nur eine Option: lernen, mit ihm zu leben. Dennoch: Die städtischen Behörden in Hall sind in Alarmbereitschaft: Sollte Gefahr für Häuser und Fußgänger bestehen, werde die Stadt eingreifen müssen. Zum Beispiel, indem man Baumstämme mit Maschendraht umwickelt.

Peterhansl ist einer von fünf ehrenamtlichen Biberberatern im Hohenlohekreis. Er steht bei Konflikten zwischen Tier und Mensch mit Rat und Tat zur Seite und sucht nach Lösungen. Konflikte wie jüngst in Unterginsbach: Ein Biber hatte den Ablauf des Regenüberlaufbeckens immer wieder mit Erd- und Pflanzenmaterial abgedichtet, um so den Wasserspiegel anzuheben. Was tun? Die Stadt Krautheim hat in enger Abstimmung mit Peterhansl, dem Abwasserzweckverband, dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium Stuttgart einen Drahtkorb um den Ablauf gebaut, um ihn vor den Aktivitäten des tierischen Baumeisters zu schützen.

Fleißiges Tierchen mit Wutpotenzial

Mit der Sanduhr-Kerbe legen Biber auch gewaltige Bäume flach.

Foto: Archiv/Landauer

Mitte November trafen sich die Biberberater des Regierungsbezirks Stuttgart zu ihrer jährlichen Tagung, dieses Mal in Krautheim. Peterhansl zeigt seinen Kollegen den Drahtkorb um den Ablauf des Regenüberlaufbeckens − für manche ein neuer Impuls, wie Mensch und Tier miteinander auskommen können. Regierungspräsident Wolfgang Reimer ist beim Treffen in Krautheim dabei. Er schätzt die Arbeit der Biberberater: "Durch Ihren Einsatz vor Ort gelingt an vielen Stellen ein friedliches Zusammenleben mit dem Biber.""Das Jagsttal ist mittlerweile zu einem Hotspot des Bibermanagements geworden", weiß der Biberexperte aus Krautheim.

Die Jagst mit ihren Seitenbächen und Seen sei der ideale Lebensraum. "Nach und nach wird diese Gegend vollständig von dem Biber besiedelt sein", ist sich Peterhansl sicher. Auch wenn vielen Jagsttal-Bewohnern diese Aussicht eher Sorgenfalten auf die Stirn treibt und sie nicht zu Freudensprüngen animiert − Peterhansl faszinieren die eifrigen Pelztiere. "Der Biber ist ein Allroundtalent − im Wasser und an Land", erklärt er. Die Natur habe ihn perfekt für seine vielfältigen Aufgaben ausgerüstet. "Spitzentaucher, Bauherr, Landschaftsarchitekt, Gestalter von neuem Lebensraum für Tier und Pflanzen und − nicht zu vergessen − ein großartiger Holzfäller."


Experten im Hohenlohekreis

Grundsätzlich gilt, dass Veränderungen an Biberbauten nur in Abstimmung mit dem Biberberater oder mit der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Hohenlohekreis vorgenommen werden dürfen. Auch Baumstämme, welche offensichtlich von einem Biber gefällt wurden, sollen unbedingt liegen bleiben.

Den Tieren dient das Holz als Nahrung und Baumaterial. Entfernt man es, wird der Biber einen neuen Baum fällen. Besonders schützenswerte Bäume können mit einem Quarzsandgemisch oder Draht vor Verbiss gesichert werden. 

Für Fragen zum Biber stehen die Biberberater des Hohenlohekreises zur Verfügung: 

  • Kocher mit Nebenflüssen: Petra Kuch, Öhringen, 07941 606436, petrakuch@aol.com
  • Gemeinde Mulfingen: Wolfgang Franz, Mulfingen-Eberbach, 07938 6689080, wolfgang.w.franz@web.de
  • Gemeinde Dörzbach: Heinrich Karle, Dörzbach-Hohebach, 07937 5110, heinrich.karle@t-online.de
  • Stadt Krautheim: Daniel Peterhansl, Krautheim, 06294 809, daniel.peterhansl@web.de
  • Gemeinde Schöntal: Elmar Baierschmitt, Schöntal-Westernhausen, 07943 1457, elmbaierschmitt@web.de und Michael Pawlon, Schöntal-Winzenhofen, 06294 95065. 
  • Kontaktperson bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Hohenlohekreis ist Hansjörg Weidmann, 07940 18-364, hansjoerg.weidmann@hohenlohekreis.de

Sarah Arweiler

Sarah Arweiler

Autorin

Sarah Arweiler ist seit 2016 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Sie arbeitet seit März 2021 in der Onlineredaktion. Zuvor war sie unter anderem als Lokalredakteurin bei der Hohenloher Zeitung tätig.

Kommentar hinzufügen