Kunst in jedem Winkel

Mulfingen  In Mulfingen gab es wieder in vielen Ortsteilen "Kulturneschter" zu entdecken - farbenfroh, experimentierfreudig, aber auch gesellschaftskritisch.

Von Andreas Scholz
Kunst in jedem Winkel

Inge Hirschlein von den Donnerstagsmalern mit ihrem Harlekin-Aquarell in der Kulturscheune in Mulfingen.

Ausdrucksstark hängen die symbolträchtigen Motive von Krafttieren an der Wand, bilden einen expressiven Bilderzyklus durch die vier Jahreszeiten und die zwölf Tierkreiszeichen. Ilse Sänger aus Mulfingen ist eine der Künstlerinnen, die bei den diesjährigen "Kulturneschtern" der Öffentlichkeit einen Einblick in ihre Kunst gibt.

Die farbenfrohen Ölgemälde sind in Berndshofen zu bestaunen. Exemplarisch hebt sie das Widder-Motiv hervor, das einen Abenteurer auf einem Segelboot vor einer beeindruckenden Küstenkulisse zeigt. "Der Widder bricht gerne zu neuen Ufern auf", erklärt Sänger.

Mit Astrologie beschäftigt

Zu jedem der zwölf Tierkreiszeichen-Motive kann Ilse Sänger den Besuchern tiefergehende Informationen liefern. Zuletzt hat sich die Künstlerin viel mit der Astrologie, der Yin und Yang-Philosophie und den Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft beschäftigt und darüber auch ein Buch geschrieben. "Das Buch ist druckfrisch und wurde erst vor einem Tag geliefert", sagt die Malerin gut gelaunt.

Nur ein paar Schritte weiter gibt es ebenfalls für die "Kulturneschter"-Besucher einen Einblick in die kleine, aber feine Künstler-Szene im Mittleren Jagsttal. Der Künstler Wulf Rothe sieht entspannt dabei zu, wie Felix Hildebrand seinen Raddampfer im Wasserbrunnen in Bewegung setzt.

Der Nachbarsjunge ist fasziniert von den mechanischen Spielgeräten, die Rothe in seiner Kreativwerkstatt mit Liebe zum Detail austüftelt. "Ich interessiere mich für Lego-Technik. Ich will demnächst ein ferngesteuertes Radlager basteln", erklärt der Schüler.

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Aniko Bereti zeigt in ihrem Atelier in Berndshofen unter anderem ihre Hommage an den Jeans-Hersteller Mustang.

Tagesaktuelle Themen bearbeitet

Experimentierfreudig ist nicht nur Rothe, sondern auch seine Frau Aniko Bereti. Die Künstlerin präsentiert in Berndshofen zahlreiche Skulpturen und Installationen, die oft einen Bezug zu tagesaktuellen Themen haben. "Mich hat in den vergangenen Monaten der Klimawandel beschäftigt", verrät die Künstlerin.

So erklärt sie den Besuchern unter anderem die Symbolik einer Weltkugel, die an der Spitze von Nord- und Südpol eine grüne Fläche aufweist. "Durch den Klimawandel schmilzt das ewige Eis und das wollte ich mit dem Kunstwerk zum Ausdruck bringen."

Die Künstlerin greift in ihren Werken aber auch lokale Geschehnisse wie die Jagstkatastrophe auf. Eine eher liebevolle Ode an ihre Wahlheimat Hohenlohe sind für die gebürtige Ungarin dagegen die Installationen, die sich den bekannten Markennamen im Jagst- und Kochertal widmen. Besonders ins Auge sticht dabei eine Pferde-Figur in Mustang-Jeans.

Kunst in jedem Winkel

Die Patchwork-Gruppe Nadelspitzen präsentiert ihre Werke in Simprechtshausen im Backhäusle und auf der benachbarten Obstswiese.

Fotos: Andreas Scholz

Expressives Porträt

Das Atelier von Aniko Bereti nutzt am Wochenende auch Robert Rothfuß aus Heimhausen, der unter anderem ein expressives und farbenfrohes Porträt des heimischen Buntspechts zeigt. "Der Mann ist bald 91 Jahre alt. Ich bin von einigen seiner Gemälde ganz begeistert", schwärmt Bereti.

Kultur und kulinarischen Genuss verbindet die Patchwork-Gruppe Nadelspitzen, die im Backhäusle in Ochsental die Besucher mit süßem und salzigem Blootz sowie Informationen zur Upcycling-Kunst eindecken. Im Backhäusle wird sichtbar, was sich alles aus alten Stoff- und Kleidungsresten herstellen lässt.

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Das Dorfgemeinschaftshaus Simprechtshausen wurde blumig dekoriert.

Auch aus der alten Jeans ihres Mannes hat Traudel Retzbach ein neues Gebrauchsaccessoire gestaltet. "Uns geht es auch darum aufzuzeigen, wie aufwendig die Herstellung einer Jeans ist und dass es dabei nicht immer nur umweltfreundlich zugeht. Ganz zu schweigen von den schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen für die Arbeiterinnen in der Textilbranche", betont die Hobbykünstlerin.

Farbenfroh fallen ebenfalls die Decken aus, die auf einer Wäscheleine in der Obstwiese hinterm Backhäusle hängen. "Da habe ich bestimmt 200 Arbeitsstunden investiert. Mit der Decke kuscheln wir uns abends im Wohnzimmer ein, wenn es kalt ist", verrät Birgit Haller gut gelaunt.

Konzept

Das Konzept der "Kulturneschter" ermöglicht Besuchern an zwei Tagen Stationen ("Neschter") in den verschiedenen Teilorten der Gemeinde Mulfingen aufzusuchen.

Dabei stellen nicht nur Kreative ihre Kunstwerke aus, man kann auch Handwerkern über die Schuler schauen oder selbst aktiv werden, etwa beim Goldschmiedeworkshop. Auch selbst hergestellte Produkte werden präsentiert und verkauft, Führungen mit historischem Schwerpunkt angeboten.

 

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