Krautheimer Gemeinderat stimmt Bau von drei Windrädern zu

Krautheim  Die Zeag will Windkraftanlagen bei Krautheim-Neunstetten und -Oberndorf bauen. Die Genehmigung durch das Landratsamt steht noch aus.

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160 Meter Nabenhöhe und ein Rotordurchmesser von 138 Metern: Drei Windräder des Typs Enercon E-138 EP-3E2 werden wohl 2021 in Krautheim ausgebaut.

Foto: privat

Wenn eine Gemeinderatssitzung nicht wie sonst üblich im großen Saal des Johanniterhauses in Krautheim stattfindet, sondern in das Eugen-Seitz-Bürgerhaus verlegt wird, dann scheint es um eine große Sache zu gehen.

An diesem Abend steht das Genehmigungsverfahren der drei geplanten Windenergieanlagen im Waldgebiet Eckigbreit und auf der Erddeponie Hühnerfeld auf der Tagesordnung. Für diesen Termin hat sich hoher Besuch aus dem Landratsamt Hohenlohekreis angesagt: Landrat Matthias Neth wird mit drei Juristen, Gremium und Bürgern den aktuellen Status erläutern.

190 schriftliche Einwendungen gegen den Windpark

Als der Landrat den gut besetzten Saal betritt, dürfte ihm bewusst sein, dass das Projekt in Krautheim auf wenig Gegenliebe stößt. Seine Behörde hat 190 schriftliche Einwendungen zu den geplanten Windrädern in Krautheim registriert. Neth stellt gleich zu Anfang der Sitzung klar: "Der Bau von Windkraftanlagen ist immer eine emotionale Angelegenheit in jeder Kommune, die es betrifft. Seien Sie sich sicher: Das Landratsamt macht es sich nicht leicht."

Bürgermeister Andreas Köhler wirbt ebenfalls um Verständnis: "Wir haben einen rechtskräftigen Flächennutzungsplan vorliegen. Aus diesem Grund müssen wir hier im Gremium unser Einvernehmen erteilen und die Verträge bedienen."

Der Flächennutzungsplan wurde im vergangenen Februar in der achten Fortschreibung nach vielen Änderungen rechtskräftig. Von allen zunächst geprüften Flächen für Windräder blieben letztendlich nur das Waldgebiet Eckigbreit und die ehemalige Erddeponie Hühnerfeld übrig.

Für das Verfahren ließ die Betreibergesellschaft Zeag im Vorfeld verschiedenste Gutachten erstellen, um die Standorte auf die vorgeschriebene Umweltverträglichkeit zu überprüfen.

Mindestabstände deutlich überschritten

Die Windräder kommen den Teilorten Oberndorf und Neunstetten am nächsten. Die ersten Wohnhäuser liegen 1015, beziehungsweise 1260 Meter entfernt. Damit liegen die Entfernungen über den Mindestabständen von 700 Metern zu Ortslagen und 500 Metern zu Aussiedlerhöfen, wie sie im Windenergieerlass Baden-Württemberg empfohlen sind.

Vor allem die Ortschaftsräte von Oberndorf und Neunstetten hatten sich in den vergangenen Jahren für größere Abstände stark gemacht: Sie forderten von der Zeag, die Windräder mindestens 1000 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt zu errichten.

Insgesamt drei Mal wurden die Standorte für die Anlagen verändert. "Uns begegnete die Zeag stets fair und kulant", sagt Bernd Beisel, Ortsvorsteher von Oberndorf. Ihm und seinen Mitstreitern sei früh klar gewesen, dass die Stadt an den Windrädern nicht mehr vorbeikomme. "Deshalb haben wir uns bemüht, für uns Bürger einen verträglichen Weg zu finden."

Rechtlich keine Hinderungsgründe

"Was passiert, wenn der Gemeinderat heute zum Genehmigungsverfahren mit Nein stimmt?", möchte Irene Hertlein-Brand, Vorsitzende der Bürgerinitiative Windkraft Mittleres Jagsttal, von Landrat Neth wissen. "Dann muss durch einen Verwaltungsrichter geprüft werden, ob diese Entscheidung rechtmäßig ist oder nicht", antwortet er.

Falls nicht, könne das Landratsamt die Gemeinde überstimmen. Neth betont: "Das Landratsamt ist verpflichtet, eine Genehmigung zu erteilen, sofern sämtliche rechtlichen Voraussetzungen vorliegen."

Mit drei Gegenstimmen beschließt das Gremium die Windkraft-Pläne. Damit ist der Weg für das Landratsamt als Genehmigungsbehörde frei. Nur Zähneknirschend haben die Gemeinderäte dem Verfahren zugestimmt. Dass sich im landwirtschaftlich geprägten Jagsttal vermutlich ab 2021 die drei mächtigen Windräder drehen, darüber sind auch sie nicht glücklich. Thomas Dubowy: "Wir müssen so entscheiden. Aus gemeinderechtlichen Gründen spricht nichts dagegen."

Zähneknirschend zugestimmt

Beifall klatscht nach der Abstimmung des Gemeinderats niemand. "Ich bin enttäuscht", gibt Irene Hertlein-Brand unumwunden zu. Genau die Abstände sind es, die sie und viele andere in den vergangenen Jahren erzürnten. "Wir fordern als Mindestabstand das Zehnfache der Anlagenhöhe." Immerhin würden andere Anlagen zeigen, dass Menschen unter der Lärmbelästigung leiden.


Rückblick auf die Entwicklung

Auf die 2012 beschlossene Energiewende folgte die Forderung des Landesumweltministeriums nach mehr Windenergieanlagen. Im Jagsttal sollten Krautheim, Dörzbach und Mulfingen einen gemeinsamen Flächennutzungsplan für Windräder erarbeiten.

Mit insgesamt acht Flächen ging man ursprünglich ins Rennen. In Mulfingen und Dörzbach wurden die Flächen aus Artenschutzgründen und wegen der Tiefflugzone der Heeresflieger aus Niederstetten ausgeschlossen. Von nun an konzentrierte man sich auf fünf Anlagen im Waldgebiet Eckigbreit in Krautheim.

Die Windräder sollten zu Oberndorf mindestens 750 Meter, zu Neunstetten 860 Meter entfernt sein. Die Ortschaftsräte von Oberndorf und Neunstetten traten mit der Betreibergesellschaft Zeag in Dialog, die bereits 2013 durch den Gemeinderat den Zuschlag als Projektierer erhalten hatte, und forderten einen Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung. Die Zeag ging darauf ein.

Wiederum aus Artenschutzgründen reduzierte sich die Fläche nochmals, weshalb statt fünf nun drei Windräder, aber eines größeren Bautyps, gebaut werden können. Es wird in Neunstetten noch einen Erörterungstermin geben, an dem Vertreter des Landratsamtes die Einwände der Bürger, die beim Landratsamt eingegangen sind, diskutiert werden.

 

Sarah Arweiler

Sarah Arweiler

Autorin

Sarah Arweiler ist seit 2016 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Sie arbeitet seit März 2021 in der Onlineredaktion. Zuvor war sie unter anderem als Lokalredakteurin bei der Hohenloher Zeitung tätig.

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