Jagsttäler Störchin im Norden heimisch geworden

Krautheim/Hannover  Frieda aus Gommersdorf hat in Grasdorf schon 50 Jungtiere großgezogen. Laut Expertenmeinung eine einzigartige Leistung. Wir haben uns in Friedas Wahlheimat über die Störchin informiert.

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Die Frieda ist mir sehr ans Herz gewachsen. Sie ist mit Abstand meine liebste Störchin", sagt Jürgen Körber. Frieda - den Namen hat er nicht zufällig gewählt. Seine verstorbene Mutter hieß so. Der Horst der Störchin befindet sich nur einen Kilometer von Körbers Wohnhaus in Grasdorf entfernt, gut 20 Autominuten südlich von Hannover.

Störchin Frieda (vorne im Bild) mit ihrem mittlerweile vierten Partner Rolf. Mit ihm hat die gebürtige Gommersdorferin dieses Jahr ihren 50. Jungstorch großgezogen.

Fotos: privat

1998 in Gommersdorf geschlüpft

Die Nummer auf dem kleinen Metallring an Friedas Bein verrät: Die Störchin ist eine gebürtige Gommersdorferin. 1998 ist sie dort im Horst auf dem stillgelegten Kamin der früheren Gaststätte Klosterhof geschlüpft, dann aber als Jungstörchin zur Überwinterung in den Süden geflogen. Seitdem kam sie nie wieder in ihren Geburtsort zurück. "Das ist ein völlig normales Verhalten", weiß Jürgen Körber. "Störche kehren in der Regel nicht wieder in ihren Geburtsort zurück."

In Grasdorf scheint sich der Vogel heimisch zu fühlen. 2006 wurde die Störchin dort zum ersten Mal gesichtet. Seitdem kommt Frieda jedes Jahr in den Ort in Niedersachsen zurück. Allerdings muss sie immer wieder aufs Neue ihr Nest auf dem Strommast verteidigen.

Doch der Kontakt zwischen Gommersdorf und Grasdorf ist stabil: Regelmäßig informiert Jürgen Körber Joachim Essig, den ehemaligen Ortsvorsteher von Gommersdorf, über Frieda. In den Lokalblättern rund um Grasdorf wird viel über die Störchin geschrieben. Diese Artikel hängt Essig im Schaukasten des Krautheimer Rathauses aus.

Storchenfreund schaut nach dem Rechten

Ist Frieda Anfang März noch nicht wieder aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt, wird Körber unruhig. Er schaut gen Himmel, ob er den großen Vogel vielleicht irgendwo entdeckt. Ist sie dann endlich angekommen, fährt der Storchenexperte mit seinem Fahrrad mehrmals am Tag am Horst vorbei und schaut nach dem Rechten, sammelt Daten, dokumentiert seine Beobachtungen.

Deshalb kann er mit Sicherheit sagen: In ihren 21 Lebensjahren hat Frieda schon für reichlich Storchennachwuchs gesorgt. "Dieses Jahr ist ihr 50. Jungstorch geschlüpft, seit sie hier bei uns im Dorf lebt", sagt Jürgen Körber stolz.

Dr. Reinhard Löhmer, Weißstorchbeauftragter für die Stadt und die Region Hannover, ist ebenfalls beeindruckt. Löhmer: "50 Jungstörche ist einzigartig. Das habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt." Frieda sei eine außergewöhnlich starke Störchin mit einer sehr guten Genetik.

Selbst bei Nahrungsknappheit hat Frieda ihren Nachwuchs versorgt

Selbst im extrem trockenen Sommer 2018, als die Nahrung knapp war, hat Frieda gemeinsam mit ihrem Partner Rolf als einziges Storchenpaar in der Umgebung fünf Jungstörche großgezogen. Das ist ungewöhnlich. "Bei Nahrungsknappheit werfen Störche ihren Nachwuchs häufig aus dem Nest oder fressen ihn auf. Das verspricht eine gehaltvolle Mahlzeit", erklärt Körber. Ein für den Menschen grausiges Schauspiel, was im Tierreich nicht unüblich ist.

Doch nicht so bei Frieda. Während der trockenen Monate 2018 habe sie von ihren geschickten Fähigkeiten beim Fischfang profitiert. "Es ist nicht selbstverständlich, dass Störche Fischen können", sagt Körber. "Das müssen sie erst lernen."

Rolf ist mittlerweile Friedas vierter Partner. Nachdem er 2011 während eines Nestkampfes ihren bisherigen Partner tötete, akzeptierte Frieda Rolf schnell als "Neuen an ihrer Seite". Für Rolf hat sich der blutige Kampf um Horst und Störchin gelohnt: Frieda ist nicht nur die ältere, sondern auch die weitaus erfahrenere in der Paarbeziehung.

Das habe Storchenexperte Jürgen Körber schon oft beobachtet. Immerhin hat Rolf von ihr gelernt, wie er am geschicktesten Maulwürfe fängt. Gut möglich, dass er seiner Partnerin auch beim Fischen genau über die Flügel geschaut hat.

 

Sarah Arweiler

Sarah Arweiler

Autorin

Sarah Arweiler ist seit 2016 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Sie arbeitet seit März 2021 in der Onlineredaktion. Zuvor war sie unter anderem als Lokalredakteurin bei der Hohenloher Zeitung tätig.

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