Islandpferdefreunde: Kleiner Verein mit großen Projekten

Dörzbach  Der Verein Islandpferdefreunde aus Hohebach hat sich mit dem Bau einer Ovalbahn einen Traum erfüllt. Im Herbst gab es das erste Hausturnier und auch sonst ist viel los im Verein.

Email

Maren Wagner (l.) und Anna Leiser von den Islandpferdefreunden Hohenlohe-Tauber in Hohebach mit ihren Pferden Hetja vom Wiedenhof und Röskva vom Wiedenhof.

Foto: Katrin Draskovits

Am meisten an Islandpferden liebe ich ihr sanftes und ausgeglichenes Wesen", ist sich Anna Leiser sicher. "Und natürlich die vierte Gangart", ergänzt Maren Wagner lächelnd. Die beiden sind im Verein Islandpferdefreunde Hohenlohe-Tauber (IPF) aktiv. Mit ihrer Liebe zu den kleinen Pferden sind sie nicht alleine - Deutschland ist nach Island das größte Zucht- und Exportland für Isländer - und so hat auch der Hohebacher Verein immer mehr Zuwachs. Die mittlerweile 60 Mitglieder haben sich im Jahr 2018 eine Oval-Reitbahn zugelegt.

Zwei Gangarten mehr

Es gibt für Pferdefreunde viele Gründe, speziell diese Tiere zu lieben. Die Rasse gilt als gutmütig und kräftig und vor allem kann sie zwei Gangarten mehr als die meisten anderen. 2004 wurde der erste Verein für Liebhaber von Islandpferden in ganz Hohenlohe und Taubertal gegründet.

Zwei der rund 25 Pferde, die auf dem von den Islandpferdefreunden genutzten Hof in Hohebach stehen, tragen die Namen Röskva vom Wiedenhof und Hetja vom Wiedenhof. Der gemeinsame Nachname weist auf den selben Züchter hin. Sie gehören der Pressesprecherin des Vereins, Anna Leiser, und der für Sport Verantwortlichen, Maren Wagner. "Die Namen sind noch recht einfach, Islandpferde haben immer auch isländische Namen", erklärt Leiser.

Pferd ist nicht gleich Pferd

"Früher dachte ich, Pferd ist Pferd", erinnert sich Monika Leiser, erste Vorsitzende im Verein. "Aber wen einmal der Islandpferdevirus gepackt hat, der kommt mit anderen Pferden nicht mehr klar", ist sie sich sicher. Sie kam schon zum Verein, als dieser noch recht neu war. Ihre damals achtjährige Tochter Anna Leiser wollte Reitstunden nehmen, und in Hohebach waren noch Plätze frei.

Inzwischen ist die Tochter 21 Jahre alt und reitet auf Turnieren. "Ich liebe es, im Tölt zu reiten", weißt Anna Leiser auf die "vierte Gangart" der Isländer hin. Tölt ist eine ruhige Gangart, bei der ein oder zwei Beine immer am Boden bleiben. "Das fühlt sich fast an wie auf einem Sofa", erklärt Maren Wagner, Besitzerin von Hetja. Anna Leiser ergänzt: "Das ist auch bei Rückenproblemen die schonenste Art zu Reiten."

Islandpferdefreunde: Kleiner Verein mit großen Projekten:

Eine Ovalbahn ist vor allem für das Training mit Islandpferden von Vorteil.

Die fünfte Gangart

Pass hingegen beherrschen nur "Fünfgänger". Er wird meistens über kurze Distanzen und extrem rasant geritten, im sogenannten Rennpass. Beim Pass-Reiten gehen jeweils beide Beine einer Seite gemeinsam hoch. In der Theorie geht diese Gangart auch in langsam, dann wird sie allerdings als fehlerhaft angesehen.

Gangpferde wie Isländer reitet man am besten auf einer speziellen Oval-Reitbahn. Die IPF haben sich 2018 eine gebaut - nur fünf Gehminuten vom Stall entfernt. Für Rennpass ist die Bahn ungeeignet, für Tölt hingegen perfekt. Mit Schotter statt Sand ausgelegt, ist die Bahn 170 Meter lang. Die Vereinsmitglieder haben beim Bau mit angepackt. "Pure Frauenpower", erzählt Maren Wagner. "Wir haben die Löcher für den Zaun gegraben und auch sonst viel selber gemacht", erzählt die 28-Jährige stolz.

Islandpferdefreunde: Kleiner Verein mit großen Projekten:

Seit Sommer 2018 besitzt der Verein eine eigene Ovalbahn in Hohebach, die mit viel Eigenleistung gebaut wurde.

Fotos: privat

Sie dürfen nie wieder nach Island

Eine weitere Besonderheit der Isländer-Rasse: Wurden sie in Island geboren und exportiert, dürfen sie nie wieder dorthin zurückkehren. Bereits seit 1909 gilt das Import-Verbot. Übrigens für jegliches Pferd, dies soll vor Krankheiten schützen. Beide Leisers waren bereits auf dem Inselstaat zu Besuch. Und auch Maren Wagner erklärt, als wäre es selbstverständlich: "Ich habe drei Monate auf einem Pferdehof auf Island gearbeitet."

Im mittlerweile aus 60 Mitgliedern bestehenden Verein gibt es viel zu tun. Die Teilnahme am Dörzbacher Pferdemarkt und Umzug, aber natürlich auch zahlreiche Turniere, bei denen die Mädels gut abschneiden. Aber auch eigene Turniere auf der Vereinsbahn werden organisiert. Das erste Heimturnier hat im vergangenen September stattgefunden. Meistens im August gibt es noch ein einwöchiges Zeltlager für Kinder. "Da kommt schon einiges außerhalb zu kurz", erklärt Maren Wagner und streichelt ihrer Hetja liebevoll über den Hals.

Infos zum Verein: www.ipf-hohenlohe-tauber.de


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen