In Hohenlohe geht es um die Wurst

Region  Wem gehören Herkunftsbezeichnungen für landwirtschaftliche Produkte? Überraschende Erkenntnisse im Markenregister.

Von Manfred Stockburger

Kein Schwein hätte sich früher für Hohenloher Schnitzel interessiert − obwohl der Landstrich noch immer stark landwirtschaftlich geprägt ist. Aber selbst im Regionalmarketing hat das Schwäbisch Hällische mit dem legendären Spruch "Wein, Schwein, Weltmarktführer" seinen Platz gefunden. Groß gemacht hat das Tier und die zugehörige Marke Rudolf Bühler mit der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, kurz BESH.

 

In Hohenlohe geht es um die Wurst

Das Schwäbisch-Hällische Landschwein ist sehr bekannt.

Foto: Archiv/Sapara

Im Dauerclinch mit dem Bauernverband

1450 Hohenloher Bauern gehören dem als Verein organisierten Unternehmen mittlerweile an, in dessen Umfeld auch die Dorfkäserei Geifertshofen gehört. Bühler ist als streitbarer Genosse bekannt − für seine Sache und gegen alle, die ihm in die Quere kommen. So liegt der 67-Jährige mit dem Bauernverband, in dem traditionell die konventionelle Landwirtschaft organisiert ist, im Dauerclinch. Aber auch in der Bio-Branche wird nicht nur positiv über den Mann gesprochen, der Hohenloher Produkte auf die Landkarte gebracht hat.

Immer wieder schafft er es aber auch, unerwartete Allianzen zu schmieden. Zuletzt etwa mit dem ehemaligen FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring aus Hall und der CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, mit denen er jetzt in Kirchberg den Start des nächsten Projekts Bio-Musterregion Hohenlohe feierte.

Anwälte, Polizei und Justiz sind beschäftigt 

"Wir hatten früher eine gute Geschäftsbeziehung", sagt Metzgermeister Volker Setzer, dessen Betrieb in dem 2250-Einwohner-Ort Wolpertshausen nur 650 Meter entfernt von Bühlers Sonnenhof steht. "Ich habe Wurst für die gemacht", sagt er. Inzwischen beschäftigen die beiden Kontrahenten in schöner Regelmäßigkeit Anwälte, die Polizei und die Justiz. Was ist passiert?

Setzer, der das Metzgerhandwerk im Öhringer Betrieb des früheren Obermeisters Fritz Megerle lernte und zunächst in dem Hohenloher Dorf Brachbach die Produkte seiner Landmetzgerei als Direktvermarkter verkaufte, baute auf der grünen Wiese in Wolpertshausen 2007 einen Produktionsbetrieb, der die Ambitionen des Unternehmers nicht verbarg. Mit 150 Mitarbeitern im Produktionsbetrieb und 18 Filialen gehört er inzwischen zu den größeren Fleischbetrieben in der Region. Im Vergleich zur BESH, die im Jahr 2016 mehr als 80.000 Tiere als "Hohenloher Landschwein", vermarktet hat, ist er gleichwohl ein Zwerg. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um Schwäbisch-Hällische Schweine oder gar um Bio-Wurst, sondern um das, was Bühler gegenüber dem "Haller Tagblatt" als "Einsteigerprojekt" der Erzeugergemeinschaft bezeichnet.

In Hohenlohe geht es um die Wurst

Metzger Setzer möchte sich Herkunftsbezeichnungen nicht verbieten lassen.

Foto: Andreas Veigel

Die Abmahnung ließ nicht lange auf sich warten 

Dass sich Bühler die Rechte an der Marke "Hohenloher Landschwein" gesichert hat, schmeckt aber längst nicht allen. Volker Setzer ließ es im Dezember 2016 darauf ankommen und gab einige Anzeigen auf, in denen er eigene Produkte vom Hohenloher Landschwein und vom Hohenloher Weiderind anpries. Die Reaktion in Form einer Abmahnung ließ nicht lange auf sich warten. Während Setzer in der ersten Instanz Recht bekam, schlug sich das Oberlandesgericht Stuttgart jetzt auf die Seite Bühlers. Für Setzer ist das Urteil ein "schwerer Schlag für die unabhängigen Hohenloher Bauern", für die Erzeugergemeinschaft dient der vom OLG bestätigte Markenschutz "der Sicherstellung der hohen Qualität".

Für die Fleischbranche in Hohenlohe geht es jetzt um die Wurst, auch wenn die BESH erklärt, dass alle Metzger der Region das Recht hätten, die Herkunftsbezeichnungen zu nutzen, sofern sie die Erzeugerrichtlinien einhielten. Im Markenregister ist allerdings auch der Begriff "Rindfleisch aus Hohenlohe" geschützt, ebenso "Spanferkel aus Hohenlohe". Eigentümer der Rechte ist jeweils die BESH − die allerdings angekündigt hat, die Marken einer "Schutzgemeinschaft" zu übertragen.

In Hohenlohe geht es um die Wurst

Die BESH macht Bio-Wurst. Aber auch konventionelle.

Foto: Patrick Seeger

Setzer hat den Bauernverband auf seiner Seite

Setzers Spendenaufruf "Wir sind Hohenlohe" − je nach Ausgang der von ihm angestrebten Revision werde er mehr als 120.000 Euro benötigen − stößt im Internet auf eine große Resonanz. Noch sei diese Summe aber nicht erreicht, sagt er und verspricht: Sollte etwas übrig bleiben, werde er es an die Spender zurückzahlen. Den Bauernverband hat Setzer allemal auf seiner Seite. "Wir werden uns nachdrücklich und mit allen Kräften dafür einsetzen, dass Herkunftsauszeichnungen mit dem Namen Hohenlohe auch künftig allen Hohenloher Erzeugern offenstehen", heißt es dort.


Hintergrund: Bühlers Rede bei einer Konferenz der UN

In einer Rede vor der UN-Nachhaltigkeitskonferenz forderte BESH-Gründer Rudolf Bühler im Juli in New York unter der Überschrift einer nachhaltigen ländliche Regionalentwicklung eine weltweite Agrarwende. Ein Politikwechsel hin zu Ökologie sei notwendig. Die Umstellung auf Öko-Landbau und naturgemäßes Wirtschaften alleine reiche aber nicht aus. Damit einhergehen müssten eine solidarische und gemeinwohlorientierte Ökonomie und soziale Gerechtigkeit, sagte er.


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