Im Knast sind nun endgültig sämtliche Lichter erloschen

In Tauberbischhofsheim wurde das Gefängnis geschlossen - Insassen, Polizei, Anwälte und Angehörige müssen nun bis nach Schwäbisch Hall fahren

Von Norbert Seybold
Email

Im November letzten Jahres verständigten sich CDU- und FDP-Landtagsfraktionen über eine Justizreform. Dabei wurde die Schließung der sieben kleinen Außenstellen der Justizvollzugsanstalten Baden-Württembergs beschlossen. Das bedeutete das Aus für den Knast in der Kreisstadt des Main-Tauber-Kreises. Alles andere als erfreut darüber zeigte sich darüber Bürgermeister Wolfgang Vockel. Immerhin 12,5 Stellen umfasste der Plan für das Gefängnis. Neben dem Verlust dieser Arbeitsplätze gehen natürlich auch die Dienstleistungen im Gefängnis, sowie Aufträge für die Versorgung und Unterhaltung für Firmen der Stadt verloren. Bei 80 Euro Haftkosten pro Tag für jeden der durchschnittlich 20 Insassen lässt sich das jährlich finanzielle Volumen leicht errechnen.

Nicht unterschätzt werden solle auch, so der Bürgermeister, dass damit wieder einmal die Stadt geschwächt und eine weiter Bindung an Nordbaden - die Justiz in der Kreisstadt ist noch immer badisch - abgeschnitten wird. Mehrbelastungen sieht er auch auf die Polizei zukommen, schließlich müsse ab Februar zum Beispiel ein in Freudenberg Gefasster bis nach Schwäbisch Hall in die nächstliegende Vollzugsanstalt verfrachtet werden. Auch die Rechtsanwälte der Region und nicht zuletzt die Angehörigen müssen dann bis Schwäbisch Hall fahren. Bei Verhandlungen vor den Amtsgerichten werden die Angeklagten über die weiten Strecken transportiert.

Aus Sicht des Justizministeriums in Stuttgart verteidigte der stellvertretende Abteilungsleiter Justizvollzug, Justus Schmid, den Beschluss. Nach der Entscheidung im Ministerrat Mitte Dezember sei der 31. Januar der bald möglichste Termin gewesen. Und auch die vorher notwendigen Neubauvorhaben wurden bereits abgeschlossen. In Schwäbisch Hall seien immerhin 102, in Adelsheim 48 neue Plätze in den Justizvollzugsanstalten im Rahmen des Schnellbauprogramms der Landesregierung geschaffen worden. Dies setze sich im gesamten Land fort und damit stünde genügend Platz für die bisherigen Insassen der Vollzugsanstalt in Tauberbischofsheim zur Verfügung. Die Beschäftigten wechselten laut Schmid überwiegend in die JVA Adelsheim.

Noch nichts bekannt ist über die Zukunft des Areals. Schmid: "Die Justiz gibt die Herrschaft über das Gebäude und das Grundstück an die Liegenschaftsverwaltung weiter, die dann prüft, was damit gemacht werden kann."


Kommentar hinzufügen