Humor, Alltag und Theologie

Schöntal - Kennen Sie Frau Seibold? Einen Samstagabend lang ist sie beim Frauenprogramm im Bildungshaus Kloster Schöntal zu Gast, das seinen 25. Geburtstag feiert.

Von Claudia Burkert- Ankenbrand

Humor, Alltag und Theologie
Nur nicht alles im Leben so ernst nehmen: Clownin Gisela Matthiae hatte sichtlich Spaß auf der Bühne. Die Kabarettistin verband in ihrem Programm Humor, Alltag und Theologie.Foto: Claudia Burkert

Schöntal - Kennen Sie Frau Seibold? Einen Samstagabend lang ist sie beim Frauenprogramm im Bildungshaus Kloster Schöntal zu Gast, das seinen 25. Geburtstag feiert. Die schwäbelnde Dame mit Kapotthütchen, Bügelhandtasche und altbackenem lila Kleid erfrischt mit mal naivem, mal gewitztem Frauenblick, den sie auf den Alltag in Haus und Kirchengemeinde wirft.

Geschlechter-Mix

Der solo-kabarettistische Auftritt von Adele Seibold alias Dr. Gisela Matthiae, Theologin und Clownin, geht im Festsaal über die Bühne und trägt den Titel "Vom Paradies zum Laufsteg". Sie serviert damit eine durchaus männerkompatible Darbietung, wie der Geschlechter-Mix in den Stuhlreihen beweist. Wachs-Enthaarung, Kleidermode, Cremes und körperliche Ersatzteile: Das volle Programm weiblicher Themen handelt Adele Seibold pointiert ab. Dann stutzt sie überrascht: "Oh, Sie sin ja scho do?!" Viele sind da, um die Theologin und Clownin Gisela Matthiae als Adele Seibold kennenzulernen. Und die macht schnell klar, auf welcher Seite sie steht: "Ohne uns Frauen in der Kirche könnten die den Laden dichtmachen." Schließlich weiß die schwäbische Gemeindefrau, dass derzeit im Pfarramt 30 Prozent Frauen tätig sind. "Das ist gefühlt die absolute Mehrheit", stellt sie fest. Sie vermutet, bei 37 Prozent werde es kritisch: "Dann hat die Kirche Fieber." Eine Ehrenamtskarriere hat Seibold hinter sich.

Freiwillige

Sie startete als Helferin in der Kinderkirche und der Gemeindebücherei, engagierte sich im Besuchsdienst, schaffte den Sprung zur Vorsitzenden vom Frauenkreis und in den Kirchengemeinderat. "Das ist eine Spirale, aus der kommst du nicht mehr raus", versichert sie. Adele Seibold verdeutlicht damit, dass die Rolle der Frauen in der Kirche beschränkt ist auf Freiwilligendienste. Das Publikum erlebt sie als eine von den vielen Gemeindefrauen, die Socken für den Basar stricken, Kuchen backen und damit Basisarbeit leisten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: "Die halbe Gemeinde läuft auf unseren Socken herum." Adele Seibold kann sich aber auch aufregen, wenn nur von "Jüngern" und nicht "Jüngerinnen" die Rede ist.

Sie erklärt, warum Eva vor Adam lebte, und macht klar, dass ohne Frauen jedes Fest eine traurige Angelegenheit wäre. Gisela Matthiae schlüpft mit diversen Hüten, Schals, Jacken und Mundarten in andere Charaktere des Gemeindelebens. Wie sie es schafft, alle unter einen Hut zu bringen? Adele Seibold stapelt alle Hüte aufeinander und balanciert mit der Pyramide auf dem Kopf über die Bühne. Besonders plastisch ist der Einfall zur Gottesebenbildlichkeit: Mit dem Spiegel begutachtet Seibold nicht nur ihr eigenes Konterfei, um darüber zu sinnieren, ob sie nun Gott oder Gott ihr ähnlich sehe. Sie geht mit dem Spiegel auch durch die Reihen und stellt schließlich fest: Es gibt jede Menge Gottes Ebenbilder; man muss den Leuten nur den Spiegel vorhalten.


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