Historische Linde für immer verloren
Künzelsau Am Alten Forsthaus von Schloß Stetten stand rund 800 Jahre lang eine Linde. Sturm "Sabine" hat den alten Baum abgeknickt wie ein Streichholz.
Der Baum hielt Sturmtief "Sabine" am 10. Februar nicht mehr und brach am Stamm durch. Foto: privat
Sie war ein einzigartiges Naturdenkmal, die uralte, riesige Linde auf dem Grundstück des Alten Forsthauses von Schloß Stetten. Jetzt hat der Baum mit seinen riesigen Ästen Sturm "Sabine" nicht mehr Stand gehalten.In der Nacht vom 10. auf den 11. Februar brach der Stamm entzwei, wie von Geisterhand gefällt.
"Es bricht einem das Herz, dies zu sehen, der Schaden ist unermesslich", trauert Dr. Brigitte Pichon über den Verlust. Sie wohnt mit ihrem Mann, dem amerikanischen Cellisten und Komponisten Dorian Rudnytsky im umgebauten Forsthaus.
Heimat der Kindheit verloren
Der mächtige Baum war für sie wie ein Freund. "Ich bin mit dem Baum aufgewachsen, hatte dort auch ein Baumhaus, in dem ich als Kind oft gelesen habe. Deshalb fühle ich mich, als hätte man mir meine Heimat genommen", beschreibt Brigitte Pichon ihre Gefühle. Die 74-jährige Tochter der Baronin Ellida von Stetten, ist im Barockschloss geboren und aufgewachsen.
"Vor zehn Jahre war die Linde bereits um ein Viertel ihrer Größe gestutzt worden, in diesem Jahr sollte sie behutsam saniert werden. Denn der Baum, den Experten auf ein Alter von rund 800 Jahren taxierten, hatte am Stamm bereits einige Schäden aufzuweisen. Vielleicht liegt das ja an ihrer Geschichte? Der Legende nach soll die Linde aus einst sieben einzelnen Bäumen entstanden sein, die nach dem 30-jährigen Krieg 1648 gepflanzt worden waren.
"Der Baum war bei Naturliebhabern sehr bekannt", betont Brigitte Pichon. "Besucher kamen oft von weither, um die Linde zu bewundern", so die 74-Jährige. "Aber auch so etwas Einmaliges wie diese Linde, kann ja nicht ewig leben", sagt sie.
Die stolze Linde auf Schloss Stetten, die rund 800 Jahre alt sein soll, vor dem Sturm.
Foto: privat
Tragödie nach dem Urlaub entdeckt
In der Unglücksnacht war Pichon selbst nicht zu Hause. Deshalb sah sie die Tragödie erst, als sie von ihrem Ferienhaus auf Mallorca zurückkam. "Ich bin froh, dass ich das nicht miterleben musste. Es ist unglaublich, was Naturgewalten anrichten können", sagt Brigitte Pichon. Sie überlegt, ob sie einen Holzbildhauer sucht, der einen Teil des Holzes als Kunstwerk verwenden kann.
Ob sie auf dem Grundstück wieder einen Baum pflanzen wird, lässt die 74-Jährige dagegen offen. "Das muss man sehen, wenn das Holz der Linde entfernt ist", sagt sie.
Thomas Zimmermann
Autor
Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.