Historie hoch über dem Jagsttal

Krautheim  Tränen der Rührung in der Kapelle, Einschusslöcher in der Tür zur Schatzkammer: In unserer Serie "16 Tipps aus 16 Orten" sind wir mit Petra Waizenhöfer unterwegs auf der Krautheimer Burg.

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Vom Burghof aus gelangen Gäste durch das Portal in die Burgkapelle und in den kleinen Hinterhof, von wo aus die Schatzkammer zu sehen ist.

Fotos: Sarah Arweiler

Um jahrhundertealte Burgen ranken sich allerhand Legenden, die sich dort zugetragen haben sollen. Bei der Burg Krautheim ist das nicht anders. Eine, die sich mit der Burg und deren früheren Bewohnern auskennt wie keine andere, ist Petra Waizenhöfer. Seit Jahren führt sie Besuchergruppen durch das alte Gemäuer und steigt mit ihnen die schmalen Treppen des Turms hinauf.

"Vom Turm aus hat man einen fantastischen Blick über das Jagsttal, von Dörzbach bis Gommersdorf", schwärmt sie. Die Krautheimer Schulen kämen regelmäßig zu Führungen, aber auch Gruppen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Historie hoch über dem Jagsttal

Viele Hochzeitspaare geben sich in der Burgkapelle das Ja-Wort.

"Wie sind früher die feinen Damen mit ihren ausladenden Kleidern die extrem steilen Stufen im Burgturm hochgekommen?", wollen viele Besucher wissen. Oder: "Der Graben mit diesem unterirdischem Gang - wo führt der hin?"

Mit Fußballern das Badnerlied gesungen

In der Kapelle hat Waizenhöfer mit Gruppen schon unzählige Kirchenlieder gesungen. Mit einer Fußballmannschaft auch schon das Badnerlied. "Dort ist die Akustik einfach fantastisch", weiß die Burgführerin.

Eine 90-jährige Dame und deren Familie aus der Nähe von München ist ihr in guter Erinnerung geblieben. Die Seniorin schwärmte für Stauferburgen. Ihr Mann fragte bei Petra Waizenhöfer, ob sie anlässlich des 90. Geburtstags eine Führung im kleinen Familienkreis machen könnten.

Selbstverständlich erfüllte Petra Waizenhöfer diesen Wunsch. In der Kapelle singen die Töchter der Dame, beide professionelle Sängerinnen, für ihre Mutter "Großer Gott wir loben Dich". "Die alte Dame saß in der ersten Bank. Uns allen kamen die Tränen vor Rührung", erzählt Petra Waizenhöfer.

In Kriegen zerstört worden

Historie hoch über dem Jagsttal

An der Tür zur Schatzkammer sind die Einschusslöcher gut zu sehen.

Um 1200 errichtete Wolfrad von Krautheim zunächst den 30 Meter hohen Burgturm. Die anderen Teile der Anlage wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte errichtet, in Kriegen zerstört, dann teilweise wieder aufgebaut.

Bei ihren Führungen zeigt Petra Waizenhöfer alle öffentlich zugänglichen Bereiche der Burg: den Palas, also Eingangsbereich, den Wohn- und Schlafbereich, den Turm, die Kapelle und den kleinen Hinterhof, wo die Tür zur Schatzkammer gut zu sehen ist. Dort bewahrte 1239 der damalige Burgherr Gottfried von Hohenlohe, der ein enger Vertrauter des Stauferkaisers Friedrich II war, während dessen Italienreise die Reichsinsignien auf.

In den folgenden Jahrhunderten wurde diese Tür immer wieder beschossen und aufgebrochen, weil man glaubte, dort noch einen Schatz zu finden. Die Einschusslöcher sind noch gut sichtbar.

Baumeister hat sich verewigt

Die Kapelle birgt neben einer tollen Akustik auch wertvolle Steinmetzarbeiten. Besucher entdecken an der mittleren Säule einen gebeugten Mann, der über sich schwere Lasten zu tragen hat. "An dieser Stelle hat sich der Baumeister der Kapelle, Ricardus von Schwäbisch Hall, selbst verewigt", weiß die Expertin. "Er hat auch das Kloster Gnadenthal bei Limburg an der Lahn errichtet."

Während des Bauernkriegs wurde die Krautheimer Burg 1525 zerstört. Daraufhin lässt 1612 Fürstbischof von Kronberg den ersten Schlossflügel bauen, 1723 folgt der zweite Flügel. Heute ist das Schloss der Anlage in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.


Burgbesichtigung mit Führung 

Petra Waizenhöfer bietet ab zehn Personen Führungen von etwa einer Stunde auf der Burg Krautheim an. Zeit und Treffpunkt erfolgen nach Absprache. Interessierte melden sich unter 06294 590 oder beim Rathaus Krautheim. Die Kosten liegen bei vier Euro pro Person. Die Burganlage ist vom 1. Mai bis zum 30. September immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Sarah Arweiler

Sarah Arweiler

Autorin

Sarah Arweiler ist seit 2016 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Sie arbeitet seit März 2021 in der Onlineredaktion. Zuvor war sie unter anderem als Lokalredakteurin bei der Hohenloher Zeitung tätig.

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