Großes Publikum für kleine Filme

Künzelsau  Studierende der Reinhold-Würth-Hochschule schaffen mit Festival im Prestige-Kino Künzelsau schon zum zweiten Mal ein eindrucksvolles Kultur-Event

Von Barbara Griesinger

Großes Publikum für kleine Filme
Zufriedene Gesichter bei Juroren (v.L.) Stefan Paul, Kurt schneider, Erwin Feyersinger Insa Wiese und Dominik Kuhn (nicht im Bild), RWH-Studenten vom Orga-Team und Preisträgern (hinten v.l.) Christian Kaufmann; Abini Gold und Julius Schmitt.  

Das ist einfach eine tolle Sache. Hoffentlich wird das zur ständigen Einrichtung," schwärmt Wolfgang Münz. Der Künzelsauer und seine Frau Bruni haben beim zweiten Künzelsauer Kurzfilmfestival noch einen Logenplatz im fast voll besetzen Künzelsauer Prestige-Filmtheater ergattert. Dort erwartet die Zuschauer ein besonderer Abend mit Filmen, die es sonst auf dem Land kaum ins Kino schaffen. Münz ist sich mit seiner Frau einig: "Zu entscheiden welcher Film der beste ist, das ist diesmal wirklich schwer."

Qual der Wahl für Jury und Publikum

Wie die fünfköpfige Jury aus Medienexperten hat das Publikum die Qual der Wahl, denn beim Kinoevent gibt es Jury- und auch Publikumspreise - jeweils einen in jeder der drei Kategorien Animation/Experimental, Spiel- und Dokumentarfilm. Insgesamt stehen acht Filme zur Auswahl; je drei in Kategorie eins und zwei, weitere zwei in der Sparte Dokumentarfilm.

Großes Publikum für kleine Filme
Die Nachtschicht in einer Gießerei, ...  

Insgesamt haben junge Filmemacher und Filmhochschulen beim Kurzfilmfestival, das RWH-Studierende der Fachrichtung BWL mit Schwerpunkt Freizeit- und Kulturmanagement organisieren, mehr als 40 Filme eingereicht. Schon die Vorauswahl war für die Jury deshalb harte Arbeit. Für Professor Raphaela Henze, deren Studenten bei dem Event ihre theoretischen Kenntnisse, die sie sich beim Studium angeeignet haben, in der Praxis erproben, sind deshalb die acht Filme, die im Prestige-Kino gezeigt werden "bereits Gewinner".

Ein frecher Papagei und ein Strichmännchen mit Durchhaltevermögen

Die zwischen vier und 30 Minuten langen Produktionen sind einerseits extrem unterschiedlich und damit schwer zu vergleichen. Andererseits ist jede auf ihre Weise nahezu perfekt. Schon in der Kategorie Animation, die den Filmabend eröffnet, wird dies offenkundig: Florinda Sakura Frisardi schafft in "Die andere Welt" eine fremdartige Szenerie, in der Städten sind zu riesigen Swimming Pools geworden sind, während auf dem Land Menschen schwerelos über blühende Wiesen driften. Die Botschaft des vier-Minuten-Films erschließt sich indes auch den Juryexperten nicht so recht.

Großes Publikum für kleine Filme
... der Mensch als Spielball widriger Elemente ...  

Christian Kaufmann schafft mit "Nö" einen Zeichentrickfilm, in dem ein Strichmännchen gegen eine feindliche Natur ankämpft und schließlich die widrigen Elemente in Energie verwandelt und so Licht und Wärme in sein Holzhaus bringt. Humorvoll demonstriert Mariia Prokopenko in "Pooky", wie abhängig die Weltsicht von der augenblicklichen Gefühlslage des Betrachters ist.

Letzterer ist in ihrem Film ein egozentrischer Papagei, dem die Herzen der Juroren zufliegen. Sie können sich Papagei Pooky sehr gut als "Serienstar" vorstellen und küren den Film zur Nummer eins unter den Animationen Das Publikum entscheidet sich für "Nö".

Von Science Ficton bis zur ersten zarten Liebe

"Alle waren super", ist sich die Jury bei den Spielfilmen einig. Doch Abini Golds "Crossing borders" hat die anderen "ganz knapp geschlagen". Die Filmemacherin von der Filmakademie in Ludwigsburg erzählt feinfühlig von Tonis erster zarter Liebe zum jungen Syrer Samir. Dabei schildert sie einfühlsam Tonis Weg vom braven Mädchen, das ihren Freund verleugnet, um die Liebe ihres Vaters, der Vorurteile gegen Migranten hat, nicht zu verlieren, zur jungen Frau, die offen für ihre Gefühle einsteht. Sie überzeugt damit auch das Publikum und kassiert beide Preise.

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... und die erste Liebe – das sind die Sujets von drei Siegerfilmen beim zweiten Künzelsauer Kurzfilmfestival.  

Ihre Mitbewerber führen in ganz unterschiedliche Welten: Bei Stefan Bürckerts Science-Fiction-Abenteuer "Proxima b" folgt der Android Phintia nicht mehr seiner Programmierung - der entgleiste Computer Hal aus Kubricks "2001 - Odysee im Weltraum" lässt grüßen. Sophia J. A. Nsegue führt mit "Angst" in eine gewaltschwangere Parallelwelt, in der Mikhail und Daud aus Tschetschenien mitten in Deutschland ihre homosexuelle Liebe nicht leben dürfen.

In der Sparte Dokumentarfilm nimmt Julius Schmitt in "So hell die Nacht" die Welt der Nachtarbeiter in den Fokus. Dabei erzählen ein Lagerist, ein Gießer und der Nachtwächter eines Museums aus ihrem Berufsleben. Nele Dehnenkamp öffnet dagegen mit "We will survive" den Blick in ein Altersheim und zeigt, dass die Menschen dort nicht nur dahinvegetieren, sondern Zuneigung und Miteinander, Liebe und Sex auch im Alter eine Rolle spielen. "Dein Film ist toll. Der andere auch. Beides sind wichtige Themen", ruft Jurorin Insa Wiese Julius Schmitt zu, dessen Film der Jury-Favorit ist. Die gelungene Auswahl seiner Protagonisten und die Kameraführung haben die Experten überzeugt. Das Publikum entscheidet sich für Nele Dehnenkamps Einblick ins etwas andere Altenheim.