Gerst nimmt ein Fossil aus Hohenlohe mit ins Weltall

Künzelsau  Bei seiner kommenden Mission "Horizons" 2018 wird der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst wieder Erinnerungsstücke von der Erde mit zur Internationalen Raumstation nehmen. Hohenloher können dafür Vorschläge machen.

Von Henry Doll
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Gesucht wird ein Fossil

Versteinerter Echsenkopf (links) und Schildkröte, gefunden in Nitzenhausen.

Denn Alexander Gerst soll auch einen Gegenstand aus seiner Heimatregion im Gepäck haben, wenn er zur zweite All-Mission aufbricht. Die Wahl fiel auf ein Fossil, also einen versteinerten Überrest einer Pflanze oder eines Tieres aus Hohenlohe. Ein symbolischer Brückenschlag gewissermaßen zwischen Erdgeschichte und Raumfahrt.

In Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat die Stadtverwaltung Künzelsau einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Ziel ist es, so erklärt Marco Klappenecker von der Stadtverwaltung, ein geeignetes Fossil zu finden das Alexander Gerst mit ins All nehmen wird.

Fünf Einsendungen gibt es bisher

Im Büro von Marco Klappenecker ist schon einiges zusammengekommen, was als Gersts Souvenir fürs Weltall taugen könnte. Insgesamt fünf fossile Fundstücke harren der Auswahl. Aber es dürften ruhig einige mehr zur Auswahl sein. Schließlich soll es ein echter Wettbewerb der Fundstücke sein.

Herbert Schüßler aus Rot am See hat einen schön glänzenden Hohenloher Feuerstein auf dem Rathaus in Künzelsau abgegeben. Er hat den Stein für seine Sammlung bei einem Fachmann in Idar Oberstein zu einer Kugel schleifen lassen. "Der ist 200 Millionen Jahre alt", sagt Herbert Schüßler, der ausgewiesener Spezialist in Sachen Hohenloher Feuerstein ist und vor zehn Jahren das Buch "Schönheit und Rätsel der Hohenloher Feuersteine" geschrieben hat. Namhafte Wissenschaftler standen ihm dabei als Co-Autoren zur Seite.

Ein Hohenloher Feuerstein im All?

 

Gefunden hat er den Feuerstein im so genannten Schrozberger Schild bei Blaufelden. "Er zeichnet sich durch besondere Farbigkeit aus", beurteilt Herbert Schüßler den Feuerstein. "Er zählt zu den Halbedelsteinen", betont er. Er sammelt die Steine seit 30 Jahren.

Seine besondere Härte sorgte schon zu Urzeiten dafür, dass der Hohenloher Feuerstein von unseren Vorfahren als Werkzeug benutzt wurde. Immer wieder, so der Feuerstein-Experte aus Rot am See, werden Faustkeile und Schaber aus Feuerstein gefunden. Dass schon die Neandertaler Hohenloher Feuersteine benutzen und die Steine für eine 50.000-jährige Geschichte stehen, ist für Herbert Schüßler ein schönes Symbol: Für ihn stehen die Steine für europäische Gesichte. "Ich fände es schön, wenn Herr Gerst so ein Stück mitnimmt."

Oder doch eher eine versteinerte Schildkröte auf der ISS?

Helmut Rappold aus Künzelsau-Nitzenhausen hat gleich zwei Fundstücke bei Marco Klappenecker abgegeben. Einmal eine kleine versteinerte Schildkröte, zum Zweiten einen kleinen Echsenkopf. Gefunden hat sie der Landwirt auf dem eigenen Acker in Nitzenhausen. Besonders die Schildkröte hält er für würdig, ins All fliegen zu dürfen. Allein sie zu finden, sei "wie ein Sechser im Lotto" gewesen. "Wenn sie jetzt noch mitfliegen darf, ist das die Zusatzzahl." Er hat sie mit einem ähnlichen Fundstück aus Vellberg vergleichen lassen und ist sich sicher, dass der Steinklumpen, der für Laien schwer als Schildkröte zu erkennen ist, ein Fossil ist.

Dass er immer wieder mal in Nitzenhausen Fossilien findet, führt er darauf zurück, dass vor Millionen Jahren Nitzenhausen in einem riesigen See lag. Viele Tiere seien ertrunken. Jeder könne Fossilien finden, ist Helmut Rappold überzeugt. Es hänge alles davon ab, "dass man mit offenen Augen durchs Dorf geht".

 

Einsendeschluss 16. Juni

Fundstücke können noch bis 16. Juni bei Stadtverwaltung Künzelsau, Stuttgarter Straße 7, 74653 Künzelsau eingereicht werden. Angenommen werden nur fossile Fundstücke, die in eine Verpackung der Größe acht mal acht mal sechs Zentimeter passen und maximal 150 Gramm wiegen. Diese Größenbeschränkung ist wichtig, weil Alexander Gerst nur sehr wenig persönliche Dinge mit zur ISS nehmen kann.

Alles wird aus Sicherheitsgründen vorher einer genauen Prüfung durch die ESA und NASA unterzogen. Muschelkalk als Gesteinsart ist nicht vorgeschrieben. Das Fundstück muss jedoch aus der Region Hohenlohe-Franken stammen.

Einsendeschluss ist der 16. Juni 2017. Mit der Einsendung wird das Eigentum am Fundstück auf die Stadt Künzelsau übertragen. Eine Jury entscheidet, welches Fossil die Reise ins All antritt.

Die Entscheidung wird beim Stadtfest, 14. bis 16. Juli bekannt gegeben. Die Teilnahmebedingugen gibt es unter www.kuenzelsau.de/gerst oder in Schriftform ausgelegt im Bürgerbüro im Rathaus Künzelsau.

 
 

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