Gelbe Säcke im Hohenlohekreis: Kritiker befürchten Vermüllung

Hohenlohe  So kontrovers lief die Debatte im Kreistag, der die Systemumstellung bei der Entsorgung von Leichtverpackungen zum 1. Januar 2021 am Ende mit großer Mehrheit beschloss.

Von Ralf Reichert

Gelbe Säcke im Hohenlohekreis: Kritiker befürchten Vermüllung

Viele Gelbe Säcke auf einem Haufen: Vor solchen Zuständen in Innenstädten (hier in Heilbronn) und vor Mehrfamilienhäusern warnen die Kritiker. Foto: Archiv/Friese

Der Hohenlohekreis kehrt ab 2021 zurück zum Gelben Sack: Diese Nachricht sorgt nicht nur unter Bürgern für hitzige Debatten. Auch im Kreistag, der den Systemwechsel bei der Entsorgung von Leichtverpackungen am Mittwoch beschlossen hat, gibt es darüber eine längere Diskussion. Obwohl am Ende eine klare Mehrheit dafür ist: 26 Kreisräte stimmen mit Ja, sechs mit Nein, einer enthält sich.

"So stelle ich mir Hohenlohe nicht vor"

"Kann das einzig Positive sein, dass wir Geld sparen? Ich glaube nicht", meint FDP-Kreisrätin Ute Oettinger-Griese. "Die Städte und Gemeinden vermüllen. Das wird ein Riesenproblem, wenn alles in der Gegend herumfährt. So stelle ich mir Hohenlohe nicht vor." Simone Kobel-Richter (Grüne) sagt: "Gelbe Säcke sind für Mehrfamilienhäuser auf gar keinen Fall eine Option. Wo soll man die denn lagern?"

Kreisrat Otto Weidmann (Freie Wähler) regt an, "mit Eigentümern und Mietern nach Lösungen zu suchen". Und: "Es darf nicht passieren, dass es in Künzelsau und Öhringen so aussieht wie in manchen Innenstädten." Dort sei die Situation vielfach ernüchternd, weil Gelbe Säcke sich zu hässlichen Haufen auftürmen oder in der Gegend herum fliegen.

Warum gibt es keine Gelbe Tonne?

Irmgard Kircher-Wieland (SPD) tritt dafür ein, die Gelben Säcke nicht am Montag abzuholen. "Sonst liegen sie am Sonntag auf den Marktplätzen herum. Das ist sehr unschön." Erika Bauer (Grüne) erklärt: "Der einzige Vorteil ist, dass man die Gelben Säcke nicht so vollstopfen kann mit all dem Unsinn, der da sonst noch drinsteckt." Sie fragt: Warum gibt es keine Gelbe Tonne? Damit könnte auch Michael Bauer (CDU) gut leben. Durch eine entsprechende Anordnung wären zumindest die Privathaushalte in dieser Sache aus dem Spiel. Er kritisiert: "Der Gelbe Sack ist ein absoluter Rückschritt."

Gebührenzahler müssen entlastet werden

CDU-Kreisrat Stefan Neumann kontert: "Wir müssen diesen Systemwechsel jetzt grundsätzlich vornehmen." Die Gebührenzahler müssten entlastet werden. "Ich sehe da kein Riesenmüllproblem auf uns zukommen. Im Neckar-Odenwald-Kreis klappt es doch auch. Und den Hohenlohern kann man es eher zumuten als den Mannheimern, dass die das hinbekommen." Hintergrund: Mannheim hat sich von den Gelben Säcken wieder verabschiedet und die kommunale Wertstofftonne eingeführt.

Die wiederum ist für die Abfallwirtschaft keine Alternative, weil der Kreis noch mehr drauflegen müsste als beim jetzigen System. So sieht es auch Neumann. "Ich habe Bad Mergentheim noch nicht vermüllt erlebt", berichtet Thomas Dubowy (Freie Wähler). "Ein oder zwei Säcke im Keller zu sammeln: Mehr ist es doch nicht." Es sei wohl eher die "Angst vor Veränderung", die Kritiker bewege.

Handling ist entscheidend

Landrat Dr. Matthias Neth sagt: "Entscheidend ist das Handling." Dies müsse man den Bürgern erklären. "Ich habe in Stuttgart lange Zeit in einem Mehrfamilienhaus gewohnt. Da gab es Drahtboxen für die Gelben Säcke", sieht er die Probleme als lösbar. "Im Zweifel gibt es ja noch unseren Müllberater." Dass es Gelbe Säcke "auch mal auf die Straße haut" oder "Tiere sie aufreißen", wolle er gar nicht in Abrede stellen. Aber was wäre die Alternative? "Wenn wir die Gelbe Tonne einführen, nötigen wir den Leuten noch eine Tonne mehr auf. Da ist die Lagerung von Säcken in Mehrfamilienhäusern der leichtere Weg." Die Abfuhr nicht auf Montag zu legen, "das nehmen wir gerne mit".

 

 


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