Ein Massai-Krieger geht auf Kino-Tour

Künzelsau  Regisseur und Hauptdarsteller der Dokumentation "Der Weiße Massai-Krieger", Benjamin Eicher, ist zu Gast im Künzelsauer Kino. Dort stellt er seinen Film vor und beantwortet die Fragen des Publikums.

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Ein Massai-Krieger geht auf Kino-Tour

Für zwei Monate gemeinsam unterwegs in der Serengeti: Die Krieger-Schüler Ololoso, Ole Sempeyo, Benjamin Eicher und Ole Mpoke (v.l).

Foto: Alpha Centauri Studios

Zwei Monate lang hatte sich der Filmemacher Benjamin Eicher einer der wohl bekanntesten Volksgruppen Ostafrikas angeschlossen: den Massai. Sein Ziel war es, der vermutlich erste weiße Massai-Krieger zu werden. So trägt die daraus entstandene 85-minütige Dokumentation den Titel "Der weiße Massai-Krieger".

Auf seiner Kino-Tour war Regisseur und Hauptdarsteller Benjamin Eicher am Mittwoch auch im Künzelsauer Kino zu Gast und beantwortete die Fragen der Zuschauer. Notwendig, denn am Ende der Dokumentation bleiben einige Fragen offen.

Erster Kontakt

Während des Drehs einer Naturdokumentation in der Serengeti kam der Schweizer Benjamin Eicher in den Kontakt mit den Massai. Ein Dorfältester lud Eicher ein, sich zum Massai-Krieger ausbilden zu lassen. Denn der Dorfälteste befürchtete, die Kultur der Massai würde verloren gehen und wollte er der Welt zeigen, was es heißt, ein Massai-Krieger zu werden. Eine logische Begründung für den Dreh, nur leider kommt sie im Film nicht vor. Lediglich dank der persönlichen Einleitung von Eicher vor Beginn des Films wird klar, weshalb der Volksstamm der Massai überhaupt zulässt, dass ein Europäer versucht Massai-Krieger zu werden.

Die Dokumentation zeigt einige schöne Naturaufnahmen und bietet einen Einblick in das Leben der Massai-Krieger, beziehungsweise der Krieger in Ausbildung. Diese sind für Jahre auf sich gestellt in der Serengeti unterwegs. Weil Eicher selbst teilnimmt an den Ritualen und Wettkämpfen und sich auch auf einiges einlässt, wie etwa Blut aus einer frisch geschlachteten Ziege zu trinken, zeigt die Dokumentation die kulturellen Unterschiede auf sympathische Weise, ohne sich darüber lustig zu machen oder sie herabzuwürdigen.

Touristen-Schauspiel

Ein Massai-Krieger geht auf Kino-Tour

Der Filmemacher beantwortete die Fragen des Publikums.

Foto: Katrin Draskovits

Doch beschleicht einen während des Films immer wieder das Gefühl, eher ein Schauspiel für Touristen zu sehen, statt eine Dokumentation über die Kultur der Volksgruppe. Unkommentiert im Film bleibt auch eine gestellte Szene, in der die Krieger eine Ziege klauen. Erst im Anschluss an den Film erklärt Eicher, dass ein richtiger Diebstahl für ihn zu gefährlich gewesen wäre. Wer nur den Film sieht, dem bleibt diese Info verborgen.

Doch eine der Stärken von "Der weiße Massai Krieger" gegenüber einer klassischen Dokumentation ist, dass das Team um Eicher auch Dinge zeigt, die abseits geschehen. So etwa das Eicher, zumindest am Anfang, in einem eher luxuriös anmutenden Bett schläft aber auch persönliche Szenen, welche die Zuschauer zum Lachen einladen.

Vieles kommt zu kurz

Sowohl durch Off-Texte als auch vor der Kamera erklärt Eicher immer wieder, was gerade geschieht. Vieles kommt dabei allerdings zu kurz: Weshalb die gezeigten Massai-Krieger stets einen Spiegel bei sich tragen, erklärt er etwa erst nach dem Film. Auch problematischere Themen, wie die hohe HIV-Rate oder die Genitalverstümmelung von Frauen spricht er nach dem Film an und erklärt auch, wieso diese nicht im Film auftauchen.

"Dies in diesen Film über Krieger zu bringen, wäre den anderen Themen nicht gerecht geworden", erklärte der Schweizer. Verständlich, allerdings hätten ein oder zwei Sätze dazu der Dokumentation wohl nicht geschadet.

Offene Fragen

Auf die meisten der im Film offen gebliebenen Fragen antwortet Eicher bei seiner Kino-Tour ausführlich. Ohne die Einordnung des Regisseurs ist der Film allerdings eher etwas für absolute Einsteiger in das Thema. Einen Einblick in Lebensweise der Massai-Krieger-Schüler kann man jedoch durchaus gewinnen.

Eichers Ziel, zu vermitteln, wie Kulturen sich austauschen, wie das Leben im Einklang mit der Natur funktionieren kann und wie gefährdet die Natur der Serengeti ist, wird der Film allerdings durchaus gerecht.

 

Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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