Düster, aber kein Bösewicht

Künzelsau  Künzelsau - Seine ersten zaghaften musikalischen Gehversuche machte er am Ganerben-Gymnasium, heute ist er mit dunklen Klängen in der Gothic-Szene erfolgreich: Alexander Spreng. Das Album "Fremd" seiner Gruppe ASP erreichte in den Albumcharts sogar Rang neun.

Düster, aber kein Bösewicht

Künzelsau - Seine ersten zaghaften musikalischen Gehversuche machte er am Ganerben-Gymnasium, heute ist er mit dunklen Klängen in der Gothic-Szene erfolgreich: Alexander Spreng. Das Album "Fremd" seiner Gruppe ASP erreichte in den Albumcharts sogar Rang neun. Unser Redaktionsmitglied Tobias Wieland unterhielt sich mit dem Sänger und Kopf der Formation, der in Künzelsau auf die Welt kam.

Obwohl Ihre Gruppe ASP Nischenmusik spielt, haben Sie Erfolge in den Hitlisten gefeiert − besteht Potenzial für noch höhere Platzierungen?

Alexander Spreng: Erfolge gefeiert kann man so nicht sagen. Es ist schön, wenn man merkt, dass man mit den Alben präsent ist. Aber einen wirklichen Mehrwert hat so ein Charterfolg nicht. Für uns war schon immer wichtiger, über lange Jahre das zu tun, was uns Spaß macht, anstatt reich und berühmt zu werden.

Spaß macht Ihnen wohl auch Texte zu schreiben, die die breite Masse verwundern könnten − beispielsweise bei dem Lied: Ich bin ein wahrer Satan.

Spreng: Der wahre Satan ist ein gesellschaftskritisches Lied. Ich habe absichtlich einen solchen plakativen Titel gewählt. Mit dem Lied soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass man die Leute, die gruselig aussehen, im Generalverdacht hat, Bösewichte zu sein. Aber heutzutage haben Leute in teuren Anzügen viel mehr Potenzial, böse zu sein.

Besteht nicht das Bedürfnis, auch einmal hoffnungsfroherer Texte zu verfassen?

Spreng: Ich empfinde viele meiner Texte gar nicht als so negativ. Man kann sie unter dem Deckmantel der Melancholie zusammenfassen. Viele sind heute zu sehr darauf aus, dass überall gute Laune herrschen muss. Düstere und negative Themen werden hingegen vernachlässigt. Aber Aspekte wie die eigene Endlichkeit gehören eben auch dazu. Wir möchten ein positives Lebensgefühl vermitteln, das sich in düsteren Texten ausdrückt.

Das klingt paradox.

Spreng: Das mag zunächst paradox klingen. Es kommt aber darauf an, wie man sein Leben lebt − nur oberflächlich oder lieber tiefgehend. Wenn man tiefgründig leben möchte, muss man auch Düsteres zulassen. Und kann so ein lebensbejahender Mensch sein.

Wie kann man sich denn Ihr Leben als Gothic-Star generell vorstellen?

Spreng: Um eine kleine Karriere zu haben, muss man in der Branche sehr viel arbeiten, weil die Leute nicht mehr viel Geld für Musik ausgeben. Um sechs, halb sieben stehe ich auf und mache bis mittags Büroarbeiten. Bis abends geht es ans Komponieren, Texten und Proben. Wenn noch Zeit für Privatleben ist, bin ich froh, das einfach nur zu genießen.

Das könnten Sie beispielsweise in der alten Heimat tun. Welche Verbindungen haben Sie noch nach Hohenlohe?

Spreng: In Hohenlohe bin ich nur selten, und wenn, um meine Mutter zu besuchen. Erinnerungen gibt es aber viele an die Jugendzeit dort. Heute vermisse ich als Frankfurter das viele Grün um Künzelsau.

Wie wäre es dann mit einem Auftritt in Hohenlohe? Mit dem Boarstream in Buchenbach gibt es hier zumindest ein Festival für Black Metal.

Spreng: Die Black Metaller würden uns wohl eher auslachen, weil unsere Musik für sie zu weich ist. Generell spielen wir aber, wo sich eine Gelegenheit bietet. Die entsprechenden Leute müssen uns nur einladen.

Gothic Novel Rock

Die Musikrichtung von ASP mit düsteren und rockigen Klängen lässt sich als Gothic Novel Rock bezeichnen. Gothic Novel bedeutet übersetzt Schauerroman. Diesem Genre gehören viele englische Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts an. Die Verbindung zu ASP besteht darin, dass deren Texte lyrisch und literarisch gehalten sind.

Alexander Spreng

Der gebürtige Künzelsauer wird oft nur Asp gerufen, bei der Schülerzeitung des Ganerben-Gymansiums war das sein Kürzel. Nach einem Jahr auf der Realschule und einem Arbeitsjahr entschloss er sich, das Abitur doch zu machen – und schaffte es 1995 am Schlossgymnasium, ehe es ihn der Musik wegen nach Frankfurt zog. Bei der Suche nach einem prägnanten Bandnamen fiel die Wahl auf ASP, hierbei in Großbuchstaben geschrieben. wie