Dörzbach muss weiter sparen

Dörzbach  Die klamme Jagsttalgemeinde erhöht Steuern und Gebühren und vergibt weniger Zuschüsse: Wir erklären, wo die Bürger künftig tiefer in die Tasche greifen müssen.

Von Tamara Ludwig

Dörzbach muss weiter sparen

Kleinvieh macht auch Mist: So könnte die inoffizielle Überschrift der jüngsten Dörzbacher Gemeinderatssitzung lauten. Denn Dörzbach ist blank, muss sparen wo immer es geht.

Dabei gilt es, nicht nur große Summen zu generieren oder einzusparen: "Wir müssen teils auch durch Erbsenzählen eine Schüssel voll bekommen", sagt Kämmerin Silke Spirk. So will es auch der vom Landratsamt verordnete Sparkurs.

Konkret bedeutet das, dass die Gemeinde unter anderem den Zuschuss an die beiden Sportvereine TSV Dörzbach und TSV Hohebach kürzt. Statt den jeweils 5000 Euro für die jährlichen Pflege- und Mähkosten sind das künftig nur noch 4000 Euro. Ergebnis: 2000 Euro mehr in der Gemeindekasse.

Ersparnis von rund 900 Euro

Weh tut den Gemeinderäten auch die Kürzung des Fahrtkostenzuschlags für Kindergartenkinder. Derzeit zahlen die Eltern fünf Euro für die Busbeförderung ihre Kinder. Den Rest (26,50 Euro im Monat pro Fahrkarte) übernimmt die Gemeinde. Künftig sollen die Eltern zehn Euro aufbringen. Die Ersparnis der Gemeinde liegt dann bei etwa 900 Euro jährlich.

Ob es diese Peanuts wert seien, es sich mit den Eltern zu verscherzen und das Konzept familienfreundliche Gemeinde mit Füßen zu treten, stellt Gemeinderat Michael Helf infrage.

"Wir müssen von freiwilligen Leistungen weg - uns gefällt das nicht, aber das müssen wir machen", hält Bürgermeister Andy Kümmerle dagegen und nennt 2019 das "problematischste Jahr" der vergangenen zehn Jahre. Auch wenn sicher nie ein Jahr dabei gewesen sei, das einfach war. Weniger Zuschuss sei immer noch besser, als ihn ganz zu streichen. Denn auch das sei diskutiert worden.

Vor allem für Kinder in der Regelbetreuung wird es teuer

Daneben steigen auch die Kindergartengebühren (siehe Grafik). Die größte Veränderung spüren Eltern, die ihre Kinder in der Regelbetreuung haben. Hier werden die Gebühren an die der Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) angeglichen. Ein Grund dafür sei, dass nicht wenige Eltern, die ihre Kinder im günstigeren Regelmodell angemeldet haben, dennoch die VÖ-Zeiten in Anspruch nehmen. Eine Ungerechtigkeit, die damit abgeschafft werde.

Kampfhundebesitzer müssen mehr bezahlen

Mehreinnahmen von etwa 1400 Euro soll die Erhöhung der Hundesteuer bringen. Darin schlägt vor allem zu Buche, dass für Kampfhunde künftig ein eigener, höherer Satz gilt. Bislang machte die Gemeinde keinen Unterschied zwischen Hunderassen. Für Besitzer eines Kampfhundes bedeutet das statt bisher 84 Euro, künftig 480 Euro. 960 Euro sind es ab zwei Kampfhunden.

Den größten Diskussionsstoff liefert an diesem Abend aber die Erhöhung der Grundsteuer A, Grundsteuer B und Gewerbesteuer zum 1. Januar 2020. Die Grundsteuer A erhöht sich um 2,17 Prozent (Hebesatz: 470 Prozent), die Grundsteuer B um 4,65 Prozent (Hebesatz: 450 Prozent) und die Gewerbesteuer um fünf Prozent (Hebesatz: 420 Prozent). Legt man die kalkulierten Einnahmen aus diesen Steuern zugrunde, sind das Mehreinnahmen von rund 100 000 Euro.

Für die Bürger bedeutet die höhere Grundsteuer: Derzeit zahlt ein Dörzbacher Einfamilienhaus-Besitzer zwischen 400 und 700 Euro. Wer bislang 400 Euro gezahlt hat, muss künftig 18,60 Euro mehr berappen, bei 700 Euro sind es 32,56 Euro mehr. "Ich war gedanklich eigentlich dagegen", sagt Gemeinderat Dr. Hermann Kern. "Aber aufs Jahr gesehen ist das leistbar", so sein Fazit.

Gewerbesteuer macht Sorgen

So manchem Gemeinderat bereitet auch die Gewerbesteuer Sorge. Die Befürchtung: es sich mit dem lokalen Gewerbe zu verscherzen. Kern sieht das anders: "Es muss auch sozial gerecht laufen. Wir stellen die Infrastruktur für das Gewerbe, da müssen die auch ihren Beitrag leisten."

Ähnlich sieht das Gerhard Kohlmann: "Es ist unsere Pflicht, einen genehmigungsfähigen Haushalt zu beschließen. Dabei können wir nicht nur Familien belasten." Letztlich müsse man abwarten, wie das Echo ausfalle, resümiert der Bürgermeister. Eines sei jedoch klar: "Es geht um das Überleben der Kommune."

Aber Kümmerle sieht auch Positives: "Überlegen wir mal, was passiert wäre, wenn wir die getätigten Investitionen der vergangenen Jahrzehnte nicht getätigt hätten?" Dörzbach habe immer in seine Infrastruktur investiert, seine Zukunftsfähigkeit im Blick gehabt. "Jetzt benötigen wir eine Atempause." Kämmerin Silke Spirk formuliert es so: "Wir bleiben eine arme Gemeinde, wenn auch auf höherem Niveau."

Kennzahlen aus dem Haushaltsplan 2019

Auf der Einnahmenseite erwartet die Gemeinde Dörzbach 2019 unter anderem Gewerbesteuer in Höhe von 1,75 Millionen Euro und einen Anteil an der Einkommenssteuer von 1,43 Millionen Euro. Schlüsselzuweisungen vom Land in Höhe von 786 100 Euro sind ebenfalls vorgesehen.

Ausgaben sind unter anderem 1,22 Millionen Euro Kreisumlage, 786 300 Euro Finanzausgleich sowie 280 000 Euro Gewerbesteuerumlage.

Im Ergebnishaushalt aus Erträgen und Aufwendungen steht ein Defizit von 365 000 Euro, das die Gemeinde nicht ausgleichen kann. Eine weitere Kreditaufnahme ist notwendig. Die Gesamtverschuldung steigt (inklusive Eigenbetrieb Gewerbehöfe) und beträgt Ende 2019 voraussichtlich 4,36 Millionen Euro, 2020 dann 4,69 Millionen Euro.

 

 


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