Dilemma in der Schafzucht

Hohenlohe - Tierhalter fühlen sich von Konkurrenz aus Übersee bedrängt. Bis zu 70 Prozent der Einkünfte beziehen die Schafzüchter des Hohenlohekreises von der EU beziehungsweise dem Land.

Von Julian Megerle
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Vertrauter Anblick: So wie die Lämmer zum Mutterschaf, so fühlen sich auch die Schafzüchter ihren Tieren verbunden. DIe Schafzucht ist Tradition.

Hohenlohe - Karl Wunderlich in Ailringen lebt von seinen Schafen. Zusammen mit seinem Sohn Daniel versorgt er täglich rund 500 Schafe mit Futter und allem, was dazu gehört. Bis zu 16 Stunden pro Tag. 365 Tage im Jahr. "Das ist Arbeit, die viele nicht sehen", meint Karl Wunderlich.

Und dabei ist die Haltung von Schafen wichtiger, als es der erste Anschein vermuten lässt. Schafe liefern nicht nur Fleisch und Wolle, sondern sind außerdem Landschaftspfleger. Will heißen: Die Schafe fressen auf Streuobstwiesen Keimlinge und Ableger der Bäume und erhalten dadurch das natürliche Erscheinungsbild der Hänge.

Finanzierung

"Unsere Tierhaltung ist artgerecht, und so gedeihen die heimischen Merinolandschafe prächtig", erklärt Karl Wunderlich. Die Schafzucht ist Tradition, und Sorgen um die Nachfolge gibt es keine, finanzielle Sorgen dagegen sehr wohl. Denn wenn die EU und das Land ihre bis 2012 zugesagten Subventionen kürzen, versiegt die wichtigste Geldquelle. Bis zu 70 Prozent der Einkünfte beziehen die Schafzüchter des Hohenlohekreises von der EU beziehungsweise dem Land.

Ohne diese Finanzierung aber, so fasst Karl Wunderlich zusammen, würde es für die Schafzüchter der Region problematisch werden. Denn die Konkurrenz in Neuseeland produziert in Massen und daher kostengünstig.

Diese Tatsache wird Schafhaltern wie den Wunderlichs zum Problem, weil nach der Ansicht von Daniel Wunderlich beim Verbraucher " der Preis eine Rolle spielt, nicht die Qualität." Die Wunderlichs liefern rund 500 Tiere an die Viehzentrale-Südwest, welche wiederum die Fleisch an örtliche Supermärkte in ganz Württemberg verteilen.

Dilemma in der Schafzucht
Gefräßiger Anblick: Merinolandschafe beim Mittagessen. Ob es diese Art der Tierhaltung weiterhin in Hohenlohe geben wird, ist ungewiss.Fotos: Julian Megerle

Otto Wiener aus Klepsau hat sich genauso der Schafzucht verschrieben und hält rund 100 Tiere. Auch er macht dies aus Tradition und plädiert für eine Förderung der heimischen und auch artgerechten Schafzucht.

Die Nachfolge ist zwar gesichert, aber auch ihm geben die gefährdeten Subventionen und die Konkurrenz vom anderen Ende der Welt zu denken. Sein Absatz ist schwankend. Er profitiert lieber von der Zucht seiner Dorperschafe aus Namibia. Zudem müssen die Schafhalter innerhalb der EU mehr und mehr Auflagen beachten und erfüllen. "Bald braucht man eine Sekretärin", scherzt Otto Wiener.

Optimismus

Relativ optimistisch sieht dagegen Harald Schäfer, Eigentümer der Schäfer Hohenloher Fleisch und Wurst GmbH Co. KG in Forchtenberg, die Lage. Er glaubt an die Verbraucher, die immer noch dem heimischen Lammfleisch den Vorzug geben. Harald Schäfer ist ebenso ein Befürworter der heimischen Schafzucht aus kontrollierter Aufzucht. Die Konkurrenz aus Übersee empfindet er als vergleichsweise ungefährlich. Er geht noch weiter: "Der Bedarf im Hohenloher Land lässt sich gut mit dem heimischen Angebot decken."


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