Die Gräben in Mulfingen bleiben

Mulfingen  Am Bau der Kindertagesstätte auf dem Wertplatz scheiden sich im Gemeinderat weiterhin die Geister. Gegner befürworten einen anderen Standort für einen Neubau.

Von Thomas Zimmermann

Die Gräben in der Gemeinde bleiben

Die Bebauung des Wertplatzes treibt die Bürger um: Schon vor Beginn der Gemeinderatssitzung füllt sich der Ratssaal bis auf den letzten Platz.

Foto: Thomas Zimmermann

Nichts zeigt die derzeitige Gespaltenheit des Mulfinger Gemeinderats deutlicher als drei Ziffern. 6,5,4, lautet das im Ort mit großer Spannung erwartete Abstimmungsergebnis zum Beschluss zur Vergabe des Planungsauftrags zum Bebauungsplan Kita Wertplatz in Mulfingen.

Nur mit einer Stimme Mehrheit, der Stimme von Bürgermeister Robert Böhnel, wurde der Planungsauftrag an die Klärle Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt mbH vergeben - bei fünf Gegenstimmen. Vier Gemeinderäte enthielten sich.

Viele Besucher im Sitzungssaal

Zuvor hatten Bürgermeister und Verwaltung im mit rund hundert Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllten Sitzungssaal alles versucht, um die Gräben, die die Standortwahl für die dringend benötigten neuen Kindergartengebäude aufgerissen hatte, zuzuschütten. "Wir waren uns einig, dass der Wertplatz und die Kindergartenentwicklung in den letzten Schritten zu wenig kommuniziert wurde und dass dadurch aktuell viele Fragen in der Bürgerschaft aufgekommen sind", gibt Robert Böhnel zu.

Die Gräben in der Gemeinde bleiben

Der Streit um den Kindergartenstandort am Mulfinger Wertplatz geht weiter, auch nachdem sich eine Ratsmehrheit für eine Bebauung der Fläche entschieden hat.

Foto: Archiv/privat

Deshalb hat der Bürgermeister in den vergangenen Wochen in jedem der acht Ortsteile der Gemeinde eine Bürgerverssammlung durchgeführt. Deshalb hat Böhnel auch in der aktuellen Sitzung der Abstimmung noch einmal eine ausführliche Informationsveranstaltung und Aussprache vorangestellt. "Es spricht wirklich sehr viel für den Standort Wertplatz, für den Sie sich ja auch mit Mehrheit entschieden haben", warb die anwesende Architektin Margit Munz in ihrem ausführlichen Vortrag erneut dafür, die Entscheidung zu akzeptieren. Sie nannte den günstigeren Preis und die ebene Fläche als Vorteile für den Wertplatz. Die Gegner fürchten dort das Hochwasser, trotz des bestehenden Dammes und plädieren für einen Neubau am Campus.

Kämmerin: "Wir müssen endlich weiterkommen"

In der Januarsitzung hatte eine Ratsmehrheit mit 7 Stimmen Mehrheit (10 Ja-, 3 Neinstimmen) beschlossen, Margit Munz zunächst mit der Planung einer sechsgruppigen Kita am Wertplatz zu beauftragen und die Vorplanungen für die Standorte Jagstberg (Alte Schule und Bolzplatz) sowie Hollenbach (am ehemaligen Gasthaus Lamm) einzuleiten.

"Wir müssen endlich weiterkommen", appellierte auch die Mulfinger Kämmerin Sabine Menikheim-Metzger an Teile des Gemeinderats, den Widerstand aufzugeben - vergebens. Denn auch mit der knappen Abstimmung für die Vergabe des Planungsauftrags für den Wertplatz, scheint im Rat einfach keine Ruhe einzukehren.

Ortsvorsteher hat eine Unterschriftenliste übergeben

Der Buchenbacher Ortsvorsteher Dieter Baumann übergab noch in der öffentlichen Gemeinderatssitzung unter dem Punkt Verschiedenes eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Robert Böhnel, auf der laut Baumann 450 Bürger unterschrieben haben. Diese setzen sich für eine Kindergarten-Interimslösung in Buchenbach ein, bis die Neubauten fertiggestellt sind. Bisher sind Containerlösungen in Mulfingen geplant.

Auch Armin Deubler, von Anfang an ein Gegner der Lösung am Wertplatz, will seinen Widerstand nicht aufgegeben. "Es ist der Verwaltung nicht gelungen, unsere Bedenken und die Bedenken der Bevölkerung auszuräumen", betont der Gemeinderat von der Unabhängigen Wählervereinigung. "Ich schätze, dass 75 Prozent der Mulfinger gegen diesen Standort sind", unterstreicht Deubler. Deshalb will der Mulfinger in den kommenden Wochen auch weiterkämpfen. "Es ist nicht angenehm, aber mir wäre es am Liebsten, wenn man unsere Bürger noch einmal befragt", betont Deubler.

Das Wort vom Bürgerbegehren steht plötzlich in Mulfingen wieder im Raum. Wie bei der heftig umstrittenen Standortentscheidung über den Bau der Mensa im Jahr 2015.

 


Kommentar: Gefahr in Verzug
 

Drei Jahre lang herrschte Ruhe im Mulfinger Gemeinderat. Zuvor hatte das schmerzhafte Ringen um den Standort für die neue Mensa einen erbitterten Streit im Ort vom Zaun gebrochen.

Erst der eindeutig ausgefallene Bürgerentscheid im November 2015 und der Rücktritt einige Gemeinderäte stellte den Dorffrieden wieder her. Seither herrscht weitgehend Harmonie in der Gemeinde und im Gemeinderat.

Am Wertplatz scheiden sich die Geister

Doch damit scheint es nun wieder vorbei zu sein. Diesmal scheiden sich die Geister an der Bebauung des Wertplatzes und an der Suche nach den Standorten für die benötigten Kindertagesstättenplätze in der Gemeinde. Und alte Gräben brechen wieder auf.

Bürgermeister Robert Böhnel muss man dabei vorwerfen, dass er den Rat zu wenig mitgenommen und insgesamt nicht transparent genug agiert hat. Die Bürgerversammlungen im vergangenen Jahr waren zwar ein guter Anfang, doch der Weg wurde nicht konsequent weiterbeschritten.

Es ist legitim, zu kämpfen

Und die Wertplatz-Gegner? Es ist legitim, dass sie für ihre Meinung kämpfen. Sie sollten aber bedenken, dass der Rat eine eindeutige Entscheidung getroffen hat.

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, ein erneutes Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen, sollte wissen, dass er damit Gefahr läuft, den Dorffrieden endgültig zu zerstören.

 


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