Der Plan für das ambulante Gesundheitszentrum in Künzelsau

Zweiflingen/Künzelsau  Nach der Schließung des Hohenloher Krankenhauses ist klar: Ein ambulantes Gesundheitszentrum in Künzelsau wird die stationäre Versorgung der Bürger nicht ersetzen können. Im Kreistag wurde über das neue Konzept diskutiert.

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Nicht erst zum Jahresende, sondern bereits zum 15. November wird das Hohenloher Krankenhaus geschlossen. Foto: Dennis Mugler

Ein ambulantes Gesundheitszentrum in Künzelsau mit ganz unterschiedlichen Leistungen: Der Beschluss dafür war bereits am 10. Dezember 2018 gefallen, um die medizinische Versorgung der Bürger zu sichern. So weit, wie dies mit ambulanten Mitteln eben möglich ist. Dass ein solches Zentrum die stationäre Versorgung nicht ersetzen kann, wenn das Krankenhaus geschlossen ist, ging damit automatisch einher.

Grundsätzlich Neues gab es deshalb bei der mit Spannung erwarteten Kreistags-Sitzung am Montag in Zweiflingen auch gar nicht zu berichten. Dies machte Landrat Matthias Neth gleich zu Beginn klar. Es ging allein darum, öffentlich über den aktuellen Stand der Umsetzung dieses Konzepts zu informieren. 

Warum der Konflikt um das Hohenloher Krankenhaus so eskaliert ist

Genau darüber war von der BBT-Gruppe als Mehrheitsgesellschafter der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) in den vergangenen Monaten nur sehr wenig zu erfahren. Was in Künzelsau zuletzt für mächtig Ärger sorgte. Dass die Klinik bereits zum 15. November 2019 geschlossen wird und nicht erst zum Jahresende, heizte die Stimmung zusätzlich auf.

Insgesamt lag es also mal wieder an mangelnder Kommunikation, dass ein Konflikt in Sachen Krankenhaus derart eskaliert ist. Nach dem Aufschrei Mitte Oktober kündigte die BBT-Gruppe an, die Öffentlichkeit am 4. November im Kreistag in Kenntnis zu setzen.

 

Weder ist es eine Katastrophe für Künzelsau, noch werden Notfälle nicht mehr angemessen versorgt.

von Matthias Neth

 

Die jüngste Kritik aus der Kreisstadt konterte der Landrat wie folgt: „Weder ist es eine Katastrophe für Künzelsau, noch werden Notfälle nicht mehr angemessen versorgt. Es zerbrechen auch keine Strukturen, die Krankheitsbilder von Künzelsau können auch in Öhringen problemlos behandelt werden.“

Der Rettungsdienst bleibe vollständig rund um die Uhr erhalten und könnte womöglich sogar ausgebaut werden. Hinzu komme nun ein zusätzlicher Sitzdienst für Notfälle, der ebenfalls eine 24/7-Versorgung gewährleiste und die Lücken in der Nacht und an den Wochenenden schließt, wenn die niedergelassenen Ärzte nicht in den Praxen seien. Der Kreistag habe die Geschäftsführung der HK gGmbH beauftragt, diesen und andere Punkte umzusetzen: „Stück für Stück, teilweise unverzüglich, teilweise mit langem Atem.“

Warum alles nur Stück für Stück umgesetzt werden kann

Zu ersterer Kategorie zählt dieser Notfall-Sitzdienst, zu zweiterer eine mögliche Kurzzeit- oder Intensivpflege, die nicht so ohne Weiteres zu realisieren ist. Denn dafür müsste der jetzige Bettenblock gründlich erneuert werden. Neth taxierte den Investitionsrückstand auf 40 Millionen Euro. Und er klang nicht so, als dass der Kreis das Geld hätte, den gesamten Betrag jetzt geschweige denn mittelfristig stemmen zu können. „Das wird dauern“, weiß Neth. 

BBT-Geschäftsführer Matthias Warmuth
BBT-Geschäftsführer Matthias Warmuth unterstrich das umfassende ambulante Versorgungsangebot in Künzelsau. Foto: Christian Nick

Matthias Warmuth, Geschäftsführer der HK gGbmH, sagte: „Die Notfallversorgung treibt die meisten um.“ Drei Fachärzte stünden ab dem 15. November für den zusätzlichen Sitzdienst zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, das über drei Jahre läuft und den Kreis 550.000 Euro jährlich kostet – ein Umstand, der bei den Freien Wählern und der FDP, aber auch in der SPD auf Kritik stieß.

Nun wird der Kreistag in seiner nächsten Sitzung über einen Antrag der FWV-Fraktion abstimmen, nicht erst nach einem Jahr, sondern bereits nach zwei oder drei Monaten zu prüfen, ob dieses medizinische Angebot überhaupt Sinn macht. Wie Warmuth weiter ausführte, würden alle drei Notarztwagen in Künzelsau so aufgerüstet, dass ab Dezember 2019 die Diagnosen von Notfallpatienten sofort an die aufnehmende Klinik übermittelt werden könnten. 

Matthias Neth
Landrat Matthias Neth bezeichnete das Konzept als "rundes Paket, das zukunftsfähig ist". Foto: Christian Nick

Das Medizinische Versorgungszentrum soll ein Selbstläufer werden

Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) soll 2020 seinen Betrieb im jetzigen Mittelbau des Krankenhauses aufnehmen. Derzeit hätten drei Ärzte signalisiert, ihre Sitze bereitzustellen, ihre Selbstständigkeit zu beenden und sich bei der HK gGmbH anstellen zu lassen. Mit mehr als 15 Ärzten habe man bisher gesprochen, so Wermuth. Drei zusätzliche Sitze seien seit 23. Oktober auf dem Markt, so dass sich hier weitere Möglichkeiten ergeben könnten. „Die Erfahrung zeigt, dass der Beginn am schwierigsten ist.“ Seien die geforderten zwei Ärzte einmal gefunden und das MVZ am Start, „wird es fast ein Selbstläufer“.

Auch medizinische Fachangestellte, die Hausärzte unterstützen können, sollen ab 2020 wie geplant einsatzfähig sein. Gleiches gilt für das anvisierte Zentrum für Integrative Medizin, das auf Naturheilverfahren setzt. „Ob es auch stationäre Plätze gibt, müssen wir noch besprechen“, so Wermuth. 

Bürger kritisieren das Paket, das aus Sicht der Verwaltung zukunftsfähig ist

Weiter hat die HK-Leitung entschieden, ein Hospiz mit acht Plätzen einzurichten. Mit vier Partnern seien Absichtserklärungen unterzeichnet worden. Im Bereich Pflege dauere es wegen der baulichen Herausforderungen länger, bis konkrete Konzepte vorlägen. Eltern-Kind-Angebote für junge Familien solle es ebenfalls geben. 

„Aus Sicht der Verwaltung sind die Aufgaben so abgearbeitet worden, dass wir ein gutes und rundes Paket haben, das zukunftsfähig ist“, sagte Landrat Neth. Dass dies die meisten der rund 200 Besucher nicht so sahen, die der Sitzung beiwohnten, liegt auf der Hand. Aber auch in den Reihen des Kreistags gab es noch einige kritische Bemerkungen und Nachfragen. Einen neuen Beschluss gab es freilich nicht.

 


Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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